Gut zu wissen: Das steckt hinter Martini und so wird der Tag trotz Corona gefeiert

Am 11. November gibt es in Tirol traditionell Laternenumzüge und eine Martinigans. Wie der Tag im Corona-Jahr abläuft und weitere Hintergründe zu den Bräuchen finden Sie hier.

Der Martinitag steht in diesem Jahr im Zeichen der Corona-Einschränkungen.
© pixabay/Caniceus

Innsbruck – Der 11. November ist für viele nicht nur der Beginn des Faschings. Er ist auch der Martinstag mit verschiedenen Bräuchen und Festen. Die Laternenumzüge und Mantelteilungen kennt fast jeder aus dem Kindergarten. Doch woher kommt eigentlich der „Martinitag"? Warum gehört eine Gans zur traditionellen Speise und gibt es im Corona-Jahr das Gericht in Gasthäusern? Diese und weitere Infos und Hintergründe rund um Martini gibt es hier.

✝️ Worauf bezieht sich der „Martinitag"?

Der Name geht auf Martin von Tours zurück. Er war ein römischer Offizier, der von etwa 316/317 bis 397 lebte. In dieser Zeit entwickelte sich das Christentum im Römischen Reich von einer verfolgten Religionsgemeinschaft hin zur Staatsreligion. Martin, auch bekannt unter dem lateinischen Martinus, wurde früh zu einem Christen. Im Jahr 372 wurde er zum Bischof von Tours (Frankreich) geweiht. In der christlichen Religion gilt er als einer der bekanntesten Heiligen. So ranken sich um die historische Figur viele Legenden und Überlieferungen (siehe unten Mantelteilung).

Der 11. November ist der „Martinitag", weil der Bischof an diesem Tag im Jahr 397 begraben wurde. Im Christentum etablierte sich schließlich der 11. November als Gedenktag des Heiligen.

⚔️ Was hat es mit der Mantelteilung auf sich?

In der Hagiografie des heiligen Martin, das heißt den Erzählungen und Erforschungen des Lebens eines Heiligen, ist die Mantelteilung besonders zentral. Demnach habe Martin als römischer Soldat einem armen Menschen geholfen. Auf seinem Pferd und in seiner Rüstung sei er im Winter einem Bettler ohne Kleidung begegnet. Daraufhin habe er seinen Mantel mit seinem Schwert geteilt und dem bedürftigen Mann eine Hälfte gegeben.

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Eine Darstellung der Mantelteilung des heiligen Martin von Tours.
© pixabay/Caniceus

Die Geschichte der barmherzigen Tat der Mantelteilung war immer wieder Gegenstand von künstlerischen Darstellungen. So ist der heilige Martin in der Kunst meist in der Szene der Mantelteilung anzutreffen.

💡 Warum gibt es an dem Tag die Laternenumzüge?

Im mitteleuropäischen Raum gibt es eine Reihe von Bräuchen und kirchlichen Festen rund um den Martinstag. Die Herkunft der Bräuche ist dabei nicht immer eindeutig zu klären. Im Mittelalter und in der Neuzeit hatte der Martinitag bereits eine besondere Bedeutung. Teilweise hing er mit dem Beginn einer Fastenzeit oder einer Kirchenabgabe (Zehnt) zusammen.

Heute spielt die Geschichte der Mantelteilung eine große Rolle. In Kindergärten sind Martiniumzüge mit Laternen üblich. Dabei ziehen Kinder mit Laternen durch den Ort und singen Lieder wie „Ich gehe mit meiner Laterne". Kleine Aufführungen, in denen sie die Mantelteilung nachstellen, gehören ebenfalls häufig dazu.

📽️ Video | Martiniumzug in der Pfarre Heilige Familie in Osttirol

Der Brauch der Laternenumzüge geht auf den Tod des heiligen Martin zurück. Sein Leichnam sei laut Überlieferungen in einer Lichterprozession nach Tours gebracht worden. Daher stammen auch die Laternenumzüge in Kindergärten und Schulen.

🍴 Warum essen viele eine „Martinigans"?

In Österreich gibt es am 11. November in vielen Haushalten eine gebratene „Martinigans" (auch bekannt als „Martinsgans" oder „Martinigansl") zu essen. Traditionell wird der Gänsebraten mit Rotkraut oder Knödeln serviert. Besonders beliebt ist ein Festessen in Gasthäusern.

Auch dieser Brauch lässt sich auf Legenden rund um das Leben des heiligen Martin zurückführen. Die historische Figur habe besonders bescheiden gelebt. Als Bewohner der Stadt Tours Martin zu ihrem Bischof weihen wollten, habe sich dieser in einem Gänsestall versteckt. Die schnatternden Tiere hätten jedoch sein Versteck verraten, sodass er schließlich zum Bischof geweiht wurde.

Als typische Speise im Herbst könnte der Brauch mit der Gans aber auch auf das mittelalterliche Lehnswesen zurückgehen. Die Bauern hätten etwa zu Martini, also am 11. November, eine Abgabe an ihre Grundherren leisten müssen. Diese sei häufig mit einer Gans beglichen worden. Es kam zu Schlachtungen und zu Festessen an diesem Abend.

🚫 Gibt es im Corona-Jahr ein Martinigansl im Gasthaus?

Veranstaltungen wie die Laternenumzüge sind mit den aktuellen Corona-Einschränkungen nur schwer durchführbar. In den Gasthäusern wird der gesellige Verzehr eines Martinigansls in diesem Jahr aufgrund des Lockdowns auch nicht möglich sein.

Wer trotzdem nicht auf die traditionelle Martinigans aus dem Restaurant verzichten will, der kann auf das „Gansl to go" setzen. Verschiedene Tiroler Hotels und Gasthäuser bieten nach einer Vorbestellung ein Martini-Menü zur Abholung an. Unter genussregionen.at findet man diverse heimische Anbieter für Liefer- und Abholservice. Einfach bei der Suchfunktion den Begriff „Gans und Ente" eingeben, und die Karte zeigt Ergebnisse.

👨🏽‍🍳 Welche vegetarischen oder veganen Alternativen gibt es zum „Martinigansl"?

Für alle, die den Martinstag nachhaltig und ohne Fleisch angehen wollen, gibt es verschiedene vegane Rezepte zum Selberkochen. Das Internet bietet eine Vielzahl von fleischlosen Alternativen. Dazu gehört etwa die vegane Martinigans mit Kartoffelknödeln, Rotkraut und Bratensauce.

Ob mit oder ohne Fleisch: Einem schmackhaften Martinstag steht auch im Corona-Jahr 2020 nichts mehr im Wege. (TT.com/beka)


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