Gut zu wissen: So laufen die Corona-Massentestungen in Südtirol ab

Wer wird wo getestet, wer testet, welche Tests werden verwendet und was bedeuten die Ergebnisse genau? Alle Informationen rund um die Aktion „Südtirol testet" finden Sie hier.

Rund 900 Ärzte und Pfleger führen die Testungen durch. (Symbolbild)
© AFP

Innsbruck, Bozen – Seit Freitag und noch bis einschließlich heutigem Sonntag will die Südtiroler Landesregierung bis zu 350.000 Bürger auf Covid-19 testen. Rund 270.000 Teilnehmer sind bis Sonntagvormittag bereits zu verzeichnen. Möglichst viele symptomfreie Infizierte sollen ausgeforscht und Ansteckungsketten unterbrochen werden – bisher gilt ein Prozent der Getesteten als infiziert.

Wie laufen diese Testungen genau ab? Wer testet, wer wird getestet? Welche Konsequenzen hat das Ergebnis? Die Antworten zu den wichtigsten Fragen rund um die Massentestungen finden Sie hier.

Wo wird getestet?

In jeder Südtiroler Gemeinde gibt es zumindest ein Testzentrum, also wird insgesamt an über 116 Standorten getestet. Außerdem kann der Test bei ausgewählten Apotheken und Hausärzten durchgeführt werden. Eine Liste dazu gibt es >> HIER.

Wie wird getestet?

Es wird ein Antigen-Schnelltest durchgeführt. Das ist ein Abstrich, der das Vorhandensein des Virus nachweisen kann und innerhalb von ca. 15 Minuten ein Ergebnis liefert.

📽️ Video | Südtirol testet: Der Ablauf

Es gibt ja mehrere Antigentests. Welchen genau verwendet der Sanitätsbetrieb bei dieser Testaktion?

Bei dieser Testaktion werden folgende Antigentests verwendet: der Standard Q COVID-19 Ag Test der Firma Relab (mehr Infos dazu >> HIER) und der Panbio COVID-19 Ag Rapid Test Device der Firma Abbott (mehr Infos dazu >> HIER).

Wer testet?

900 Ärzte und Pfleger sind für die Aktion abgestellt. Feuerwehren und Freiwillige sorgen für einen geordneten Ablauf.

Wer wird getestet?

Grundsätzlich soll die Aktion eine Chance für jeden Südtiroler Bürger sein, sich testen zu lassen. Die Gemeinde informiert im Vorfeld darüber, wer wann zu welcher Teststation kommen kann. Generell ist der Test kostenlos und die Teilnahme daran freiwillig.

Was muss zur Testung mitgebracht werden?

Wenn möglich, sollen zu Testende bereits ein ausgefülltes Formular mitbringen, auf dem Name, Adresse etc. vermerkt sind. Dieses Formular ist auf der Website des Landes zu finden. Sonst kann das Formular auch direkt vor Ort vor der Testung ausgefüllt werden.

Bei Familien muss es für jedes Mitglied ein Formular geben. Berufstätige können angeben, ob sie im Fall eines positiven Testergebnisses eine Krankmeldung brauchen. Auf die angegebene E-Mail-Adresse wird das Testergebnis mitgeteilt.

Wie sieht das genaue Prozedere der Testdurchführung aus?

Neben dem ausgefüllten Formular sollte man bei der Anmeldung seinen Ausweis und die Gesundheitskarte bereit halten. Im Testbereich wird dann ein Nasenabstrich abgenommen. Anschließend soll man bitte nach Hause gehen. Innerhalb einer Stunde wird man per E-Mail über das Testergebnis informiert.

Wie muss man im Fall eines positiven Testergebnisses vorgehen?

In diesem Fall muss man sich für zehn Tage zu Hause isolieren. Bei Bedarf ist die Möglichkeit der Krankschreibung gegeben. Falls der positiv Getestete keine Symptome hat, kann die Isolation nach diesen zehn Tagen ohne weiteren Test beendet werden.

Und im Fall eines negativen Testergebnisses?

Auf jeden Fall sollten weiterhin die Vorsorgemaßnahmen eingehalten werden: Mund-Nasen-Schutz, Abstand, Desinfektion und häufiges Lüften. Bei Auftreten von Symptomen sollte man sich an seinen Arzt wenden.

Wenn jemand positiv getestet wird und Symptome entwickelt, wie lange bleibt er in Isolation?

Die Person bleibt zunächst zehn Tage in Isolation. Wenn Symptome auftreten, muss der Hausarzt verständigt werden, welcher einen PCR-Test veranlassen kann und die Isolation verlängert. Drei Tage nach Verschwinden der Symptome wird die Isolation aufgehoben. Sie dauert maximal 21 Tage.

Wie unterscheidet die Isolations-/Quarantäne-Regelung bei dieser Testaktion zwischen asymptomatischen und symptomatischen Positiven?

Es gibt keinen Unterschied. Symptomatische Personen müssen sich telefonisch an den Hausarzt wenden und dürfen nicht zum Test kommen. Der Hausarzt fordert dann einen PCR-Test an und je nach Ergebnis folgen die entsprechenden Maßnahmen für die häusliche Isolation.

Bekommt man eine Bestätigung, an der Testung teilgenommen zu haben?

Nein, aber man erhält ein E-Mail, mit der das Testergebnis mitgeteilt wird.

Was passiert mit den Proben, die beim Test entnommen wurden?

Die Proben werden vor Ort gemäß den gesetzlichen Vorschriften entsorgt.

Wird die Beteiligung an der Testaktion mitgeteilt?

Ja, es wird dafür ab Freitag eine eigene Webseite eingerichtet, auf der die Beteiligung dreimal täglich (um 10.00, 16.00 und 20.00 Uhr) online veröffentlicht wird.

Jemand ist sich sicher, kein Träger des Coronavirus zu sein. Wieso sollte er am Test teilnehmen?

Wenn diese Person irgendwann in den letzten drei Monaten positiv getestet worden ist und die darauffolgende Isolation schon wieder beendet hat, hat sie wahrscheinlich genug Antikörper, um sich derzeit nicht zu infizieren. Niemand kann aber ganz sicher sein, nicht positiv zu sein. Je sicherer man ist, umso eher kann man am Test teilnehmen, ohne eine Isolation zu befürchten. Die Teilnahme nicht positiver Testpersonen ist für die Statistik genauso wichtig.

Besteht ein Infektionsrisiko während der Durchführung des Tests?

Im Bereich der Testungen werden, wie in den Krankenhäusern, sämtliche Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen eingehalten, um eine Infektion zu verhindern.

Kann der Test auch zu Hause durchgeführt werden?

Die Testung muss in eigens vorbereiteten Räumlichkeiten stattfinden. Deshalb ist keine Durchführung von Tests zu Hause für Personen vorgesehen, die sich nicht zum Testort begeben können.

Ist ein Abhol-/Fahrdienst für gehbehinderte Menschen vorgesehen?

Es ist leider nicht möglich, einen Abhol-/Fahrdienst für Menschen mit Einschränkungen zu organisieren. Dieser muss im privaten Umfeld organisiert werden.

Kann man zur Arbeit gehen, unmittelbar nachdem der Test durchgeführt wurde?

Im Falle eines negativen Testergebnisses kann man zur Arbeit gehen. Im Falle eines positiven Ergebnisses bekommt man die Mitteilung, sich zu Hause isolieren zu müssen.

Wenn ein Außendienstmitarbeiter genau während der Aktion nicht in Südtirol ist, aber in dem Ort, wo er gerade ist, einen Test macht, gilt das und wenn ja, wohin muss die Meldung des Resultats geschickt werden?

Der Test kann auch bis zu 72 Stunden vor und nach der Testaktion gemacht werden, entweder beim eigenen Betrieb, wenn dieser eigene Tests durchführt, oder bei den Hausärzten und Apotheken, die die Tests anbieten. Wichtig ist, dass das Testergebnis in die Datenbank des Südtiroler Sanitätsbetriebes einfließt.

Was ist, wenn man zu der von der Gemeinde vorgegebenen Zeit nicht kommen kann?

In diesem Fall kann man auch zu einem anderen Zeitpunkt kommen. Wenn irgendwie möglich, sollte man sich aber an die von der Gemeinde vorgegebenen Zeiten halten. So werden Menschenansammlungen vermieden. Möglich ist auch, sich in einer anderen Gemeinde testen zu lassen.

Wird man positiv getestet, muss man dann sofort einen PCR-Test machen?

Nein. Bei Positiv-Testung ist die umgehende Isolation vorgesehen. Dies gilt im Moment aber nur für die Aktion „Südtirol testet". An Anpassungen der allgemeinen Regelung wird gearbeitet.

Wie erfolgt die Krankschreibung, wenn man positiv getestet wurde?

Auf dem Anmeldeblatt (Ableseformular) kann man ankreuzen, ob man im Falle eines positiven Ergebnisses krankgeschrieben werden möchte. Die Krankschreibung wird, nach Übermittlung der Quarantäne/Isolierungsmaßnahme, entweder vom Departement für Gesundheitsvorsorge oder vom Arzt bzw. Kinderarzt ausgestellt.

Wie wird sichergestellt, dass es bei den Testvorgängen zu keinen langen Wartezeiten und gefährlichen Menschenansammlungen kommt?

Die Teststationen sind so angelegt, dass Eingang und Ausgang voneinander getrennt sind. Freiwillige Helfer achten darauf, dass es zu keinen Menschenansammlungen kommt. Jede Gemeinde wird eine Einteilung machen, damit Menschenansammlungen vermieden werden, so wie es in Sexten, Branzoll und Welsberg/Taisten bereits geschehen ist. Zivilschutz, Weißes Kreuz und Rotes Kreuz planen dafür den genauen Ablauf, auch die Feuerwehren vor Ort helfen mit. Wenn viele Personen das Anmeldeformular bereits ausgefüllt mitbringen, können die Wartezeiten noch mehr verkürzt werden.

Ist es ein Problem, wenn sich sich nur Einzelne einer Familie testen lassen?

Durch die breite Testung können noch unbekannte Infektionsherde ermittelt, rechtzeitig gestoppt und infizierte Personen, die keine Symptome aufweisen und daher unwissentlich ansteckend sind, isoliert werden. Daher ist eine hohe Beteiligung sehr wichtig. Gerade bei Personen, die im selben Haushalt leben, ist es sinnvoll, dass sich alle testen lassen. Aber letztendlich entscheidet das jeder für sich allein.

Was passiert, wenn jemand positiv getestet wird – der Partner oder das Kind aber negativ? Müssen dann beide in Quarantäne?

Enge Kontakte von positiv getesteten Personen werden nicht automatisch in Quarantäne versetzt. Wichtig: ein negatives Testergebnis ist nur eine Momentaufnahme, deshalb sollten die Hygieneregeln (Abstand, Maske, Desinfektion, Lüften) auch weiterhin eingehalten werden.

Was genau bedeutet es, wenn man positiv auf den Antigen-Schnelltest getestet wird?

Ein positives Testergebnis des Antigen-Schnelltests zeigt an, dass die Person zu diesem Zeitpunkt mit dem Coronavirus infiziert und hoch infektiös ist. Deshalb ist eine umgehende Isolation absolut wichtig.

📽️ Video | Pressekonferenz zu "Südtirol testet"

Ist es möglich, dass beim Antigen-Schnelltest ein uneindeutiges Ergebnis auftritt?

Nein, dieser Test zeigt eindeutig an, ob jemand zum Zeitpunkt der Testung hoch infektiös ist oder nicht.

Wieviele Personen dürfen zusammen im Auto zur Testung anreisen? Muss dabei eine Maske getragen werden?

Personen vom gleichen Haushalt müssen keine Maske tragen. Andernfalls muss die Maske getragen und der Abstand eingehalten werden, wodurch das Auto nicht voll belegt werden kann.

Wenn jemand bereits im Frühjahr positiv war, soll er sich trotzdem noch einmal testen lassen?

Ja. Einmal positiv getestet bedeutet nicht, dass man kein Träger des Virus mehr sein kann.

Da die Inkubationszeit bekanntlich mehrere Tage dauert, könnte es sein, dass jemand negativ getestet wird, in Wirklichkeit aber schon angesteckt ist. Somit könnten sich manche Personen in falscher Sicherheit wiegen. Müsste man nicht, um sicher zu sein, zweimal in einem Abstand von mehreren Tagen getestet werden?

Es wird nur ein Test gemacht. Es stimmt, dass das nur eine Momentaufnahme ist. Trotzdem kann man damit viele positive Fälle ausfindig machen und durch die sofortige Isolation die Infektionskette unterbrechen.

Gilt ab nun in Südtirol generell die neue Regelung, dass asymptomatische Personen nach zehn Tagen die Isolation ohne weiteren Test verlassen können?

Nein, diese Regelung gilt nur für „Südtirol testet“. Für die täglichen Routinetestungen gelten weiterhin die bestehenden Regelungen. (TT.com)


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