Von Boomer über Oaschloch bis Corona: Anwärter für die Wörter und Sprüche des Jahres

In Zeiten von Social Distancing hat man genug Zeit zum? Genau, Abstimmen! Die Wahl zum Wort, Unwort, Jugendwort, Spruch und Unspruch des Jahres läuft noch bis Anfang Dezember. Corona-bedingt dreht sich natürlich fast alles um diese Pandemie, die sich leider nicht ghosten lässt. Und no front, liebe Boomer, ihr seid nicht lost. Wir kriegen das schon hin!

  • Artikel
  • Diskussion
Für die nächste Scrabble-Partie sind neue Wortschöpfungen sicher.
© Clarissa Watson/Unsplash

Wien – Babyelefant, Absonderungsbescheid, Alles richtig gemacht – die Coronavirus-Pandemie dominiert in diesem Jahr auch die Wahl zum „Wort des Jahres 2020". So gut wie alle Kandidaten zum Wort, Unwort, Spruch und Unspruch des Jahres haben Bezug zu SARS-CoV-2. Einzig beim Jugendwort stehen ausschließlich Nicht-Corona-Wörter zur Wahl. Abgestimmt werden kann bis 1. Dezember online auf oewort.at, am 3. Dezember wird dann das Ergebnis präsentiert.

Die Forschungsstelle Österreichisches Deutsch der Uni Graz hat in Kooperation mit der APA – Austria Presse Agentur wieder eine Liste mit Kandidaten zusammengestellt. Insgesamt 1935 Personen gaben für mindestens eine Kategorie einen Vorschlag ab. Somit hatte die Jury heuer die Wahl zwischen 1720 Kandidatenwörtern und -sprüchen.

📑 Wer wird der Nachfolger von „Ibiza"?

Anwärter für das „Wort des Jahres"

  • Ampelkommission
  • Babyelefant
  • Corona
  • Corona-App
  • Kurzarbeit
  • Maskenpflicht
  • Quarantäne
  • Reisewarnung
  • Reproduktionszahl
  • verblümeln

💡 Alle Erläuterungen gibt es ➤ HIER

📑 Wer wird der Nachfolger von „b'soffene G'schicht"?

Anwärter für das „Unwort des Jahres"

  • Abschiebepatentschaft
  • Absonderungsbescheid
  • coronabedingt
  • Coronaparty
  • Covid-Lockerungsverordnung
  • Fensterklatscher
  • Herdenimmunität
  • Maskenwahn
  • Social distancing
  • Superspreader

💡 Alle Erläuterungen gibt es ➤ HIER

📑 Wer wird der Nachfolger von „brexiten"?

Anwärter für das „Jugendwort des Jahres"

  • Boomer = Generation der Babyboomer, d.h. jene, die nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ende der 60er-Jahre geboren wurden. Die Phrase „Ok, Boomer" wird verwendet, um „besserwisserische" Aussagen der Babyboomer-Generation abzuwerten oder lächerlich zu machen
  • cringe = etwas höchst peinlich/unangenehm finden – und zwar so, dass man sich selbst dafür schämt bzw. peinlich berührt ist, obwohl man gar keine direkte Verbindung dazu hat
  • ghosten = Verhalten (v.a. in der Dating-Szene), wenn eine Person plötzlich den Kontakt abbricht und nicht mehr erreichbar ist
  • lost = Verlorensein im Sinne von planlos, ahnungslos und unsicheres, unentschlossenes Verhalten
  • nice = bezeichnet etwas als „gut" bis „sehr gut" oder „cool" – und nicht wie im Englischen als „nett"
  • no front = Erklärung, dass etwas nicht verletzend oder beleidigend gemeint ist
  • weird = seltsam, schräg, komisch, kurios – beschreibt Situationen, die als merkwürdig empfunden werden

➤ Auf oewort.at können auch eigene Vorschläge eingebracht werden — das wären unsere:

Alternativvorschläge für das „Jugendwort des Jahres"

  • Sauftrag = geplantes Besäufnis
  • wild/wyld = heftig, krass; wenn jemand „zu wyld“ ist, ist diese Person sehr leidenschaftlich, emotional oder unkontrollierbar in ihrem Verhalten
  • grundaggro = aggressiv veranlagt
  • fangirlen = anbeten
  • anhornen, hornen = jemanden anmachen
  • tryharden = sich anstrengen
  • gollumieren, ranten = sich aufregen, ausrasten
  • den Chillinger machen = sich ausruhen
  • Pornorama = tolle Aussicht
  • Drip, Swag, Vibe = positive Ausstrahlung/Wirkung
  • cock time = unter Männern: mit dem besten Freund Zeit verbringen, intensive Gespräche führen
  • Clownparty = eine Situation, die lächerlich ist
  • abfahnen = seine Fahne loswerden, ausnüchtern
  • 3-Käse-Lauch = Beleidigung, Anspielung auf Dreikäsehoch
  • cremig bleiben = wenn man sich mal beruhigen soll
  • Das ist Lava = etwas Dummes, das man unterlassen sollte
  • Maschine = wenn jmd. etwas ziemlich gut kann
  • no cap = ähnlich wie „no lie" (ungelogen), eine Aussage bekräftigen
  • Periodt = Schluss, Aus, Ende, Punkt, ohne Widerrede; so und nicht anders, Fakt!
  • simpen/ein Simp sein = (übertrieben) nett zu jemanden sein, weil man damit etwas erreichen will
  • canceln = etwas absagen, abbrechen
  • Hops schlingeln = jemanden veralbern/verarschen, schlagfertig kontern, verbal dominieren

💬 Anwärter zum Spruch des Jahres

Beim Spruch des Jahres steht unter anderem „Bleiben Sie gesund! / G'sund bleiben!" zur Wahl, diese Aussage hat sich mittlerweile zu einem oft verwendetem Abschiedsgruß entwickelt. Die im März von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ausgegebene Parole „Testen, testen, testen" ist ebenso Anwärter wie eine Mahnung zur Einhaltung der Corona-Regeln von Wirtschaftskammer-Chef Harald Mahrer. „Der Weg von der Hirnlosigkeit Weniger zur Arbeitslosigkeit Vieler ist ein kurzer", sagte er im September.

Einmal mehr stehen beruhigende Worte von Bundespräsident Alexander Van der Bellen als Spruch des Jahres zur Wahl. „Wir kriegen das schon hin" ermunterte das Staatsoberhaupt in einer Ansprache im Lockdown im März. Mit diesen Worten gewann Van der Bellen die Wahl bereits im Vorjahr. „Nur Mut und etwas Zuversicht, wir kriegen das schon hin", appellierte er anlässlich des Ibiza-Skandals an die Bevölkerung. Nachträglich in die Liste geschafft hat es „Schleich di, du Oaschloch" – ein Satz, der der nach dem Terroranschlag in Wien zum viralen Symbol des Zusammenhalts wurde.

💬 Anwärter zum Unspruch des Jahres

Zwei Kandidaten für den Unspruch des Jahres lieferte heuer Bundeskanzler Kurz. „Es wird bald die Situation kommen, dass jeder irgendjemanden kennt, der aufgrund es Coronavirus gestorben ist", malte Kurz im März düstere Bilder und wurde für übertriebene Angstmache kritisiert. „Das Virus kommt mit dem Auto", behauptete der Bundeskanzler im August, um die Reisewarnung gegen Kroatien zu rechtfertigen. „Die Behörden haben alles richtig gemacht" behauptete der Tiroler Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) wiederholt nach Ischgl. Sogar die der Untersuchungskommission zur Aufarbeitung des Corona-Krisenmanagements in Tirol hat diese Behauptung mittlerweile widerlegt, Tilgs Aussage kann nunmehr zum „Unspruch des Jahres" gewählt werden.

Auch Blümel schaffte in dieser Kategorie eine Nominierung. „Ich habe aber gar keinen Laptop gehabt. Ich habe [im Bundeskanzleramt] über das Handy gearbeitet ...", behauptete der Finanzminister im Ibiza-Untersuchungsausschuss. (APA, TT.com)


Kommentieren


Schlagworte