Deutlich weniger Todesopfer: Tiroler Polizei zieht Bilanz bei Motorradunfällen

Aufgrund der Corona-Restriktionen gibt es heuer relativ wenige tödlich verunfallte Motorradlenker. Die Polizei vermeldet rund 14.000 Delikte von Zweiradlenkern und einige gravierende Vergehen.

Die Anzahl tödlicher Motorradunfälle, wie dieser in Biberwier, war 2020 deutlich niedriger als zuletzt.
© ZOOM.TIROL

Innsbruck – Der Motorrad- und Mopedverkehr in Tirol hat in der heurigen Saison deutlich weniger Todesopfer gefordert als in den vergangenen Jahren, vermeldet die Polizei in einer Jahresbilanz. 2020 sind demnach bisher fünf Motorradfahrer und ein Mitfahrer auf einem Moped ums Leben gekommen. Im Vorjahr gab es mit elf Toten fast doppelt so viele, 2018 starben sogar 15 Personen.

Die sechs „Zweirad-Toten" im Jahr 2020 sind – gemeinsam mit den sechs 2014 – der niedrigste Wert der vergangenen Jahre. Im Gegensatz dazu wurden 2006 noch 19 Verkehrstote registriert.

Verspätete Motorradsaison 2020

Eine Rolle spielt dabei die Corona-Pandemie, so konnte aufgrund der Beschränkungen die Motorradsaison erst verspätet starten. Das ausgesprochen schöne Wetter während des Sommers bis in den späten Oktober hinein führte jedoch wieder zu einem starken Motorradaufkommen auf Tirols Straßen.

Der spätere Beginn der Motorradsaison wirkte sich klar auf die Zahlen aus, so gab es in diesem Jahr von Jänner bis Ende Oktober rund 630 Zweiradunfälle (vorläufige Zahlen). Im Vorjahr gab es im gleichen Zeitraum 776, also knapp 150 Unfälle mehr. Auffällig waren die Rückgänge in den Bezirken Reutte, Lienz, Innsbruck-Land und Innsbruck.

Als Hauptursachen für die tödlichen Unfälle gibt die Polizei in ihrer Aussendung nicht angepasste Geschwindigkeiten und gefährliche Überholmanöver an.

Details zu den tödlichen Unfällen

  • Zwei im Bezirk Landeck, je einer in den Bezirken Reutte, Schwaz und Kitzbühel. Ein verstorbener Mitfahrer im Bezirk Kufstein
  • Vier Österreicher, zwei Niederländer
  • Alle sechs Unfälle dem Verschulden der Lenker zuzurechnen
  • Zwei der Unfälle auf der Gegenfahrbahn
  • Verunglückte zwischen 13 und 64 Jahre alt

Um Unfälle zu vermeiden, führte die Polizei Überwachungsmaßnahmen auf allen wesentlichen Hauptmotorradrouten durch. Der Mopedverkehr wurde hauptsächlich in den Ortsgebieten überprüft.

Gezielte Sonderschwerpunkte

Kontrollen wurden außerhalb des täglichen Streifendienstes auch in Form von 112 gezielten Sonderschwerpunkten vorgenommen. So wurden zum Beispiel auch alle Zulaufstrecken nach Tirol überwacht.

Das Ergebnis waren 14.000 Delikte von Motorrad- und Mopedlenkern, die vor allem zu schnell unterwegs waren, aber auch Überholverbote und Rechtsfahrgebote missachteten und technische Veränderungen am Fahrzeug aufwiesen.

Wenige Vergehen wegen zu lauter Motorräder in Reutte

Relativ wenige Vergehen gab es im Zusammenhang mit den Fahrverboten für zu laute Motorräder auf der Hahntennjochstraße und ausgewählten Straßen im Bezirk Reutte. Von 9000 kontrollierten Motorrädern waren nur 135 zu laut, was mit 1,5 Prozent als absolut niedrig eingestuft werden kann.

Besonders gravierende Delikte:

  • Im Bezirk Innsbruck-Land wurde in einem Baustellenbereich mit 30- km/h-Beschränkung ein Motorradlenker mit 96 Stundenkilometern gemessen.
  • Polizisten aus Kitzbühel hielten einen Motorradlenker aus Slowenien an, der ohne entsprechende Lenkberechtigung unterwegs war.
  • Im Ortsgebiet von Kitzbühel in einer 60-km/h-Beschränkung wurde ein Motorradfahrer mit einer Geschwindigkeit von 118 Stundenkilometern gemessen.
  • Ein Motorradfahrer wurde in Kössen im 100-km/h-Bereich mit 166 km/h gemessen.
  • In einer 60-km/h-Zone in Haiming wurde ein Motorradfahrer mit 138 km/h gestoppt.
  • Im Bezirk Lienz wurde auf einem Freilandabschnitt (100 km/h) ein Motorradfahrer mit 163 km/h gemessen.
  • Nach einer erheblichen Geschwindigkeitsüberschreitung wurden auf der Achensee Straße bei einem Motorrad 18 technische Mängel festgestellt. Kennzeichen und Probeführerschein wurden abgenommen.

Auch für das kommende Jahr möchte die Polizei in Tirol verstärkt auf Schwerpunkteinsätze setzen. „Der Motorrad- und Mopedboom ist nach wie vor ungebrochen und es ist davon auszugehen, dass sich die Intensität des Bike-Verkehrs im kommenden Jahr ähnlich fortsetzen wird. Nach wie vor sind eine rücksichtsvolle, angepasste und vorausschauende Fahrweise der Lenker von Motorrädern und Mopeds sowie ein verantwortungsvolles Miteinander aller Verkehrsteilnehmer die wichtigsten Grundpfeiler für mehr Sicherheit im Straßenverkehr“, so der Leiter der Landesverkehrsabteilung, Oberst Markus Widmann.

Land Tirol arbeitet an Maßnahmen

Auch das Land Tirol möchte den zahlreichen Motorradunfällen entgegenwirken und arbeitet an Maßnahmen. „Genaue Analysen des Unfallgeschehens, aber auch der örtlichen Gegebenheiten wie zum Beispiel Fahrbahnbeschaffenheit, Kurvenradien, Übersichtlichkeit etc. erlauben uns Maßnahmen zu setzen, welche zu einer wesentlichen Erhöhung der Sicherheit für Motorradfahrer beitragen", meint Bernhard Knapp vom Land Tirol.

„Auch wenn viele dieser Maßnahmen, wie z.B. Geschwindigkeitsbeschränkungen, bei Zweiradfreunden nicht unbedingt populär sind, wird dieser Weg gepaart mit intensiven Kontrollen auch im kommenden Jahr – ganz im Sinne der allgemeinen Verkehrssicherheit – beibehalten.“ (TT.com/mosc)


Schlagworte