Orban-Getreuer bei illegaler Sex-Party erwischt: Partei-Austritt verkündet

Der ungarische Europaabgeordnete Jozsef Szajer – ein Parteifreund von Viktor Orban – stolpert über eine illegale Party in Brüssel und verzichtet auf sein EU-Mandat. Nun verkündet Orban auch dessen Austritt aus der Fidesz-Partei.

Jozsef Szajer.
© PETER KOHALMI

Budapest, Brüssel – Der ungarische Politiker und EU-Abgeordnete Jozsef Szajer ist aus der regierenden Fidesz-Partei von Ministerpräsident Viktor Orban ausgetreten, nachdem er von einer verbotenen Lockdown-Party in Brüssel geflohen war. Da teilte Orban in einer offiziellen Mitteilung der Regierung am Mittwoch mit. „Die Handlungen unseres Stellvertreters, Jozsef Szajer, sind mit den Werten unserer politischen Familie unvereinbar", erklärte Orban.

Szajer hatte am Freitag an einer verbotenen Party in einem Club in Brüssel teilgenommen. Das gab der langjährige enge Vertraute Orbans am Dienstag in einer Aussendung zu. Nachdem die belgische Polizei laut Medienberichten die verbotene Orgie mit Drogen, Sex und Alkohol in einer bekannten Bar der Brüsseler Schwulen-Szene sprengte, versuchte Szajer über eine Dachrinne zu fliehen, wurde jedoch gefasst. Die Staatsanwaltschaft wolle nach Aufhebung der parlamentarischen Immunität ein Verfahren gegen den Politiker einleiten.

Orban würdigte Szajer, bezeichnete seine Tat aber als inakzeptabel: „Wir werden seine dreißigjährige Arbeit weder vergessen noch ablehnen, aber seine Tat ist inakzeptabel und nicht zu rechtfertigen. Danach traf er die einzig angemessene Entscheidung, als er sich entschuldigte und von seiner Position als Mitglied des Europäischen Parlaments zurücktrat und Fidesz verließ."

Urgestein der Fidesz-Partei

Szajer ist als Gründungsmitglied ein Urgestein der Fidesz-Partei, der er von 1996 bis 2003 als Vize-Vorsitzender vorstand. Seine politische Laufbahn führte den studierten Juristen 1990 als Abgeordneten in das ungarische Parlament, wo er acht Jahre die Funktion des Vorsitzenden der Fidesz-Fraktion und zwei Jahre das Mandat des Vizepräsidenten des Parlaments innehatte. Im Jahr des ungarischen EU-Beitritts 2004 wurde er für Fidesz in das Europäische Parlament gewählt, wo er bis 2019 auch den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) innehatte.

TT-ePaper testen und eine von drei Cookit Küchenmaschinen gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Szajer hatte nach dem überraschenden Verzicht auf sein Mandat als Europaabgeordneter die Teilnahme an der illegalen Party eingeräumt. „Ich war anwesend“, schrieb der 59-Jährige in einer Stellungnahme vom Dienstag. Mit dem Rücktritt vom Sonntag, der zum neuen Jahr wirksam wird, habe er die politischen und persönlichen Konsequenzen gezogen.

Seinen Verzicht begründete Szajer am Sonntag noch mit einer zunehmenden seelischen Belastung durch die Tagespolitik. Die Polizei hatte am Freitagabend in einer Wohnung in der Brüsseler Innenstadt rund 20 nackte Männer angetroffen, wie die Brüsseler Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte. Zuvor hatten Nachbarn sich über Lärm und mögliche Verstöße gegen Corona-Auflagen beschwert. Der Staatsanwaltschaft zufolge wiesen sich zwei Angetroffene als Diplomaten aus – einer davon aus Estland, wie am Mittwochabend bekannt wurde.

Das Außenamt in Tallinn bestätigte estnischen Medien am Mittwoch, dass der Staatsvertreter nach eigenen Angaben bei der Feier gewesen und wegen eines Verstoßes gegen Corona-Auflagen festgenommen worden war. Obgleich der Diplomat als Privatperson an der Versammlung teilgenommen habe, sei es „bedauerlich", dass die Person nicht die geltenden Beschränkungen in Belgien eingehalten habe, sagte Ministeriumssprecherin Aari Lemmik. Nähere Angaben zu dem Vorfall machte sie nicht.

Fluchtversuch über die Regenrinne

Ein Zeuge habe im Zuge der Party zudem einen Mann dabei beobachtet, wie er versucht habe, über die Regenrinne zu fliehen. Die Polizei griff den Mann demnach auf, seine Hände sollen blutig gewesen sein. Laut Staatsanwaltschaft stammten die Verletzungen möglicherweise von dem Fluchtversuch. Im Rucksack des Flüchtenden seien Drogen gefunden worden. Er wurde demnach nach Hause eskortiert, wo er ebenfalls einen Diplomaten-Pass vorgezeigt habe. Die Staatsanwaltschaft nennt die Initialen „S. J.“ und das Geburtsjahr 1961, was nahelegt, dass es sich um Jozsef Szajer handelt.

Der Staatsanwaltschaft zufolge werde allen Anwesenden der Verstoß gegen Corona-Auflagen zur Last gelegt und S. J. der Verstoß gegen Drogengesetze. Szajer selbst betonte: „Ich habe keine Drogen genommen.“ Die Drogen seien nicht seine gewesen. Strafrechtliche Konsequenzen setzen nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine Aufhebung der Immunität voraus. Szajer entschuldigte sich bei seiner Familie, Kollegen und Wählern. (APA/dpa/TT.com)


Kommentieren


Schlagworte