„Behutsame Öffnung": Österreich kehrt zu Lockdown light zurück

Ab Montag wird der "harte" Lockdown wieder aufgeweicht. Die Ausgangsbeschränkungen sind ab 7. Dezember nur mehr zwischen 20 und 6 Uhr in Kraft. Der Handel öffnet unter Auflagen wieder, Pflichtschulen und Maturaklassen nehmen den Regelbetrieb wieder auf, ab der 5. Stufe mit Maskenpflicht. Gastronomie und Hotels bleiben bis 6. Jänner geschlossen. Skifahren kann man ab 24. Dezember.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP), Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei der Pressekonferenz am Mittwoch.
© GEORG HOCHMUTH

Wien – Österreich setzt nach dem harten Corona-Lockdown ab kommenden Montag erste Lockerungsschritte. Schulen und Kindergärten nehmen wieder den Regelbetrieb auf, der Handel und die Friseure dürfen wieder aufsperren. Der Lockdown ist damit aber noch lange nicht zu Ende: die Gastronomie, Hotellerie und der Kulturbetrieb - außer Museen - bleiben einen weiteren Monat geschlossen. Sie dürfen erst ab 7. Jänner wieder öffnen. Bis 6. Jänner gelten auch nächtliche Ausgangsbeschränkungen.

Kanzler Kurz: "Behutsame Öffnungsschritte"

Der harte Lockdown, der seit rund zwei Wochen gilt, habe Wirkung gezeigt, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Mittwoch. Die Überforderung der intensivmedizinischen Kapazitäten sei abgewendet worden. Die Infektionszahlen seien aber noch immer auf so hohem Niveau, dass nur "behutsame Öffnungsschritte" möglich seien. "Die Pandemie ist nicht vorbei", konstatierte der Bundeskanzler. Er rechnet auch damit, dass die Ansteckungszahlen rund um Weihnachten und Silvester wieder steigen werden.

"Perspektivisch werden wir im Sommer zur Normalität zurückkommen, aber bis dahin sind es noch sechs Monate", warnte Kurz. "Die Öffnungsschritte gehen nur mit Einschränkungen und Tests." Das bevorstehende Weihnachtsfest werde anders sein als man es gewohnt sei, "aber es soll würdevoll sein", so Kurz. Der Regierungschef appellierte an die Bevölkerung, die sozialen Kontakte weiter auf ein Minimum reduziert zu lassen.

📽️ Video | Regierungs-PK: Pflichtschulen und Handel sperren auf

Die Oberstufen und die Unis bleiben weiter im Distance Learning. Der Regelbetrieb wird nur in Kindergärten, Volksschulen, für die Unterstufe und für Maturaklassen wieder aufgenommen. Kinder ab zehn Jahren müssen dabei in der Klasse Masken tragen.

Die Ausgangsbeschränkungen gelten ab Montag, 7. Dezember wieder von 20 bis 6.00 Uhr. Ausnahmen gibt es für die Weihnachtsfeiertage und Silvester, da dürfen sich zehn Personen treffen und die Ausgangsbeschränkungen sind aufgehoben, gab die Regierung am Mittwoch bekannt.

Kontaktregelungen und Ausnahmen für Weihnachten und Silvester

Tagsüber (6 bis 20 Uhr) sind Treffen von zwei Haushalten mit jeweils mehreren Personen gestattet. Konkret dürfen sich maximal sechs Erwachsene (plus sechs Kinder) treffen.

Eine Ausnahmen gibt es für die Feiertage: Am 24., 25., 26. und 31. Dezember ist es möglich, dass sich insgesamt zehn Personen treffen - und das unabhängig von der damit verbundenen Anzahl der Haushalte. Damit werden Familienfeiern im etwas erweiteren Kreis möglich (bei den zehn Personen sind die Kinder allerdings schon inkludiert).

Auch gilt in diesen Fällen die nächtliche Ausgangssperre nicht, man kann also auch nach 20 Uhr weiterfeiern.

Ab Montag dürfen in Österreich auch Museen und Bibliotheken wieder öffnen. Kulturveranstaltungen bleiben aber weiterhin untersagt, auch Kinos bleiben zu. Der Indoor-Sport ist weiter nicht erlaubt, Fitnessstudios dürfen nicht betreten werden. Ab 24. Dezember wird Einzel-Outdoor-Sport wie Skifahren oder Eislaufen erlaubt und die Zoos dürfen outdoor ebenfalls wieder öffnen.

Die Lockerungen gelten ab 7. Dezember. Ab da dürfen sich zwei Haushalte - je bis zu sechs Erwachsene und sechs Kinder- treffen, mit den Ausnahmen zu den Weihnachtsfeiertagen und Silvester, wo bis zu zehn Personen erlaubt sind.

Der Handel darf ebenso wie Dienstleistungen - auch die körpernahen wie Friseure oder Masseure - ab Montag wieder aufsperren. Es gilt die Beschränkung eines Kunden pro zehn Quadratmeter und die Maskenpflicht. Bei körpernahen Dienstleistungen dürfen keine Speisen und Getränke an Kunden verabreicht werden.

Quranatäne-Pflicht für Einreisende nach Österreich

Spätestens ab Mitte Dezember gibt es Einschränkungen für Einreisende, die aus Staaten mit einer 14-Tages-Inzidenz von mehr als 100 (pro 100.000 Einwohner) nach Österreich kommen - aktuell gehören alle Nachbarländer Österreichs dazu.

Sie müssen zehn Tage in Quarantäne und können sich nach fünf Tagen freitesten. Die Quarantäne-Pflicht gilt nur für die Einreisenden, nicht für deren Familienmitglieder, auch wenn sie im gleichen Haushalt wohnen.

Ausnahmen soll es beispielsweise für Geschäftsreisende oder Pendler geben. Damit will die Regierung die Silvesterparty in Prag oder Besuche in den Herkunftsländern von Familien am Balkan mit extrem hohen Ansteckungsniveau verhindern.

Von dieser Regelung sind alle betroffen - etwa auch Auslandsösterreicher, die Weihnachten bei der Familie verbringen wollen. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) betonte aber, dass es möglich ist, vor Ende der vorgeschriebenen Quarantänezeit wieder auszureisen. "Ziel ist es, dass wir die Ausreise so stark wie möglich beschränken vor den Weihnachtsfeiertagen, damit es beim Zurückkommen nicht wieder zu Neuinfektionen im großen Ausmaß kommt", sagte der Innenminister.

Gastro und Hotellerie bleiben bis 6. Jänner geschlossen

Gastronomiebetriebe und Hotels müssen bis 6. Jänner geschlossen bleiben. Weihnachtsmärkte sind ebenfalls nicht erlaubt, ebenso bedeuten die neuen Regelungen das Aus für Punschstände. Es dürfen keine offenen alkoholischen Getränke per Abholung verkauft werden.

Zur Unterstützung der geschlossenen Betriebe werden die Hilfsmaßnahmen der Regierung verlängert. Der Umsatzersatz wird sich allerdings nicht wie bisher auf 80 Prozent, sondern auf 50 Prozent belaufen, teilte Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) mit. Die Kosten bezifferte er mit rund einer Milliarde Euro.

Für alle anderen Bereiche gilt, was bisher gegolten hat: Maskenpflicht in allen öffentlichen Verkehrsmitteln, keine Hochzeitsfeiern, Begräbnisse mit höchstens 50 Personen und Sicherheitsvorkehrungen in Kirchen.

📽️ Video | Details zu Wirtschaft, Tourismus und Schulen


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