Gut zu wissen: So gelingt der Nikolaus-Besuch und daher kommt der Brauch

Wie der Besuch der Bischofsfigur trotz Lockdown abläuft, was der Schauspieler Christoph Waltz damit zu tun hat und weitere Hintergründe finden Sie hier.

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In diesem Jahr gibt es vielfältige Anregungen zum Nikolausfest über das Internet.
© Diözese Innsbruck/Cincelli

Von Benedikt Kapferer

Innsbruck – Der 6. Dezember ist der Nikolaustag. Das wissen schon die Kleinsten. Denn an diesem Abend kommt der bärtige Bischof und bringt kleine Geschenke oder liest aus seinem Buch vor – stets begleitet von einem Engel und einem Krampus. An manchen Orten ist er mit seinem Gefolge auch schon am Abend des 5. Dezember anzutreffen.

Der Besuch des Nikolaus ist seit jeher für Kinder und Familien ein Fixpunkt zum Beginn der Adventzeit. Auch im außerordentlichen Corona-Jahr 2020 darf die Pflege dieses Brauches für viele nicht fehlen. Trotz Ausgangssperre im Lockdown darf der Nikolo – unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen – von Haus zu Haus ziehen. Speziell der Abstand zum Krampus ist für viele wohl eine willkommene Maßnahme. Zusätzlich gibt es auch Online-Angebote.

Hier finden Sie alle Infos zum Nikolaus-Besuch in Zeiten von Corona und weitere Hintergründe zum Brauchtum.

6️⃣ Warum ist der 6. Dezember der Nikolaustag?

Das Brauchtum um den Nikolaustag geht auf den heiligen Nikolaus von Myra (siehe unten) zurück. Sein Todestag ist der 6. Dezember. Ähnlich wie beim Martinstag am 11. November (siehe Gut zu wissen) gilt das Datum im Christentum daher als sein Gedenktag.

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🎅🏻 Wer war der heilige Nikolaus?

Nikolaus von Myra lebte im 3. und 4. Jahrhundert und war ein Geistlicher in der Frühzeit des Christentums. Die Religion war damals im Römischen Reich noch unterdrückt. Sie entwickelte sich erst im Laufe des 4. Jahrhunderts zu einer geduldeten und schließlich zur einzigen anerkannten Glaubensgemeinschaft („Staatsreligion").

Nikolaus' Herkunftsort Myra ist das heutige Demre, eine Stadt in der türkischen Provinz Antalya an der Lykischen Küste. Anfang des 4. Jahrhunderts war der Ort Sitz eines Bischofs. Nikolaus stammte aus einer wohlhabenden geistlichen Familie. Er selbst wurde auch zum katholischen Priester geweiht und wurde später Abt und Bischof. So wirkte er in der Region Lykien, welche Teil des Römischen Reiches war.

Über die historische Persönlichkeit gibt es wenig belegte Tatsachen. Laut den Überlieferungen wurde er während den Christenverfolgungen im Jahre 310 gefangen genommen und gefoltert. Dabei habe er sein Vermögen armen und bedürftigen Menschen vererbt. Daher gilt er als besonders barmherzig und nächstenliebend. Im Jahr 1222 wurde er heiliggesprochen. Nikolaus ist der Schutzheilige von vielen Gruppen, darunter Seefahrer, Kinder und Schüler. Er zählt als eine der bekanntesten Heiligen des Christentums.

🤔 Woher kommen die Bräuche?

Wie sehr viele heutige Bräuche stammen jene um den Nikolaus aus dem Mittelalter. Speziell die Tradition, den Nikolaus als Bischof zu Kindern zu schicken. Im Mittelalter wählten Klosterschüler am Vorabend des Festes zu Ehren des Heiligen einen „Kinderbischof". Der Abt oder der Bürgermeister gaben die Herrschaft damit für einen Tag symbolisch in die Hände der Kinder. Der „Kinderbischof" bekleidete sich mit einer Mitra und den Gewändern eines Bischofs. Er besuchte die Klosterschule und ermahnte oder belohnte mit Süßigkeiten.

👺 Warum ist eigentlich der Krampus dabei?

Der Krampus ist so wie die Engel ein Begleiter des heiligen Nikolaus. Sie dienen dazu, die Kinder zu erschrecken. Manchmal haben sie einen Korb dabei, in dem sie die Kinder mitnehmen. Der dunkle Geselle hat in vielen Ländern und insbesondere in Tirol eine jahrhundertelange Tradition. Der Krampus ist hierzulande auch als „Perchten", „Tuifl", „Krampeler" oder „Knecht Ruprecht" bekannt.

Der Schauspieler Christoph Waltz erklärte die Krampus-Tradition rund um den Nikolaus in einer US-Late-Night-Talkshow einem weltweiten Publikum (siehe Video). Mit Jimmy Fallon sprach er vor einigen Jahren über die kulturellen Unterschiede zwischen Österreich und den USA und sorgte damit für den einen oder anderen Lacher.

📽️ Video | Christoph Waltz erklärt Krampus bei Jimmy Fallon

🌎 Gibt es den Nikolaus in anderen Ländern?

Den Nikolaus-Brauch gibt es in sehr vielen Ländern. Er wird überall unterschiedlich gepflegt. An manchen Orten ist der Nikolaustag wichtiger als Weihnachten. Zum Beispiel gibt es in Luxemburg üblicherweise Geschenke zum 6. Dezember und weniger zu Weihnachten am 24.

In Ländern mit einer langen Seefahrer-Tradition gibt es ebenfalls Bräuche mit dem Nikolaus, da er als Schutzpatron der Seefahrer gilt. Auf der Insel Borkum in Norddeutschland feiern Menschen etwa in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember den „Klaasohm"-Brauch.

⛔❔ Wie erfolgt der Nikolaus-Besuch im Lockdown?

Aufgrund einer Ausnahmeregelung darf der Nikolaus in Österreich von Haus zu Haus ziehen. Wie es in der „Rechtlichen Begründung" zur Covid-Verordnung heißt, sind „ehrenamtliche Tätigkeiten" und konkret der Nikolaus-Besuch zulässig. Allerdings muss er mit seiner Gefolgschaft draußen bleiben. Besuche innerhalb eines Hauses oder einer Wohnung sind nicht erlaubt.

Die Katholische Kirche organisiert die Vielzahl der Nikolaus-Besuche über die Diözesen und Pfarren. Sie sicherte der zuständigen Kultusministerin Susanne Raab zu, dass die Besuche nur bis zur Haustüre stattfinden und alle Covid-Maßnahmen berücksichtigt werden.

Peter Schipka, der Generalsekretär der Bischofskonferenz, zeigte sich sehr erfreut. „Der heilige Nikolaus zählt zu den beliebtesten Heiligen, weil er ein Vorbild an christlicher Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft ist", sagte er im Interview mit Kathpress. Diese Haltungen sind gerade in Zeiten des Lockdowns wichtig, so Schipka.

In Osttirol ist der heilige Bischof schon am Freitag, dem 4. Dezember 2020, anzutreffen. Um 16 Uhr gibt es auf dem Parkplatz Zettersfeldbahn in Gaimberg einen Drive-In-Gottesdienst.

Bereits am Freitag kommt der Nikolaus aus dem verschneiten Igler Wald und spricht zu den Kindern aus Igls und Vill. Dabei sein kann man ab 17.50 Uhr über https://sozialverein.viv.tirol/ – dort ist auch der Link für das Zoom-Meeting zu finden.

🖥️ Welche Online-Angebote für Nikolaus-Besuche gibt es?

Wenn der Nikolaus in den nächsten Tagen persönlich unterwegs sein wird, dann bleibt ihm oft nur ein Winken vor der Tür oder zum Fenster hinein. Aber für die Kinder haben sich so manche Helfer des heiligen Mannes in ganz Tirol einiges einfallen lassen. Da gibt es etwa eigene Videobotschaften auf diversen Kanälen und Plattformen, aber auch ganz persönliche Briefe und WhatsApp-Botschaften für einzelne Kinder.

Sehr aktiv ist dabei die Katholische Jungschar in den Diözesen Innsbruck und Salzburg, die traditionellerweise Nikolausbesuche organisieren. Die Erzdiözese bietet ihre Grußbotschaft des Nikolo samt Tipps für ein Fest unter www.trotzdemnah.at an. Unter innsbruck.jungschar.at gibt es ebenfalls ein Video und Anregungen. Die digitale Botschaft des Nikolaus von Bruder und Schwester in Not ist auf YouTube abrufbar.

Nicht zu vergessen ist auch eine Grußbotschaft für Kinder aus Silz und Mötz, die via Heli TV (auch über YouTube) am Samstag um 18 Uhr ausgesandt wird.

Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler zeigte sich sehr erfreut über die vielen Initiativen und das Engagement der Menschen in Tirol.

„Der Nikolaus kommt!“, diese Botschaft hat Bischof Hermann Glettler an die Kinder und Familien. Auch wenn Besuche während des Lockdowns kaum möglich sind, der Heilige Nikolaus ist immer „online“, wie Bischof Hermann in einer Videobotschaft (siehe unten) erklärt: „Online sein heißt in Verbindung sein", so Glettler in einer Aussendung der Diözese Innsbruck.

📽️ Video | Nikolaus-Botschaft von Bischof Hermann Glettler


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