Osttirol droht die nächste Schneefront, große Schäden auf Brennerstraße

Die Wetterlage In Tirol beruhigte sich am Montag nur bedingt, nach wie vor sind viele Straßen gesperrt und Haushalte ohne Strom. Ein Abschnitt der Brennerstraße bleibt voraussichtlich bis Weihnachten gesperrt. Vor allem im schneegeplagten Osttirol wartet außerdem bereits die nächste Schneefront.

Das Kalsertal im weißen Kleid: Am Montag hat sich die Situation in Osttirol beruhigt – wenn auch nur leicht.
© EXPA/JOHANN GRODER

Lienz/Innsbruck – Seit Freitagnachmittag ist Osttirol im Ausnahmezustand: Nach Angaben der Österreichischen Unwetterzentrale wurde hier innerhalb von nicht einmal zwei Tagen mehr Niederschlag gemessen als sonst in einem ganzen Winter üblich. Straßen- und Bahnsperren, Murenabgänge und Stromausfälle waren die Folge.

Nachdem am Sonntag für Osttirol aufgrund der anhaltenden starken Schneefälle die Lawinenwarnstufe „5", also die höchste Stufe, ausgerufen worden war, haben die Experten des Lawinenwarndiensts Tirol die Gefahr am Montag mit der Stufe „4", also große Gefahr, angegeben. Am Dienstag soll das Risiko weiterhin leicht abnehmen, hieß es im Lawinenreport. Doch ein nächstes Tief aus Italien kündigt sich bereits an.

Lage in Osttirol spitzt sich erneut zu

„Ab Dienstag spitzt sich die Situation dann wieder zu", prognostiziert Meteorologe Werner Troger von den Meteo Experts aus Osttirol. Vor allem im Süden Osttirols dürfte wieder etwa ein halber Meter Neuschnee dazu kommen. Von Entspannung kann dann ab Donnerstag die Rede sein, Osttirol steht dann zwar immer noch unter dem Einfluss eines Tiefs, wird davon aber nur noch gestreift.

In Nordtirol ist wie bereits in den letzten Tagen das Wettergeschehen im Vergleich zu Osttirol insgesamt eher abgeschwächt, erklärt Troger: Am Dienstag sorgt der Föhn für ein wenig Auflockerung, dichte Wolken machen es ihm aber schwer. Am Mittwoch ist wieder ein wenig Schnee – oder in tiefen Lagen Regen – im Spiel.

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Donnerstag und Freitag bringen einen Mix aus Sonne und Wolken, die Aussichten sind ein wenig freundlicher. Das Wochenende dürfte dagegen durchwachsen ausfallen, meint der Meteorologe: „Eine durchgreifende Besserung ist erst nächste Woche in Sicht."

📽️ Video | Lawinengefahr in Osttirol und Oberkärnten weiterhin hoch

Tinetz arbeitet auf Hochtouren, immer wieder Stromausfälle möglich

Das Land informierte am Montagvormittag über die aktuelle Lage in Osttirol: Die leichte Wetterbesserung am Montag ermöglichte den Einsatz mehrerer Hubschrauber, die im ganzen Bezirk Erkundungsflüge für Lawinenkommissionen, Gemeinde-Einsatzleitzungen, die Landesgeologie und die Tinetz durchführen. Am Montagnachmittag waren in Osttirol noch 2200 Netzkunden – vor allem im Villgratental und Lesachtal – ohne Strom.

Im Ötztal konnte laut der Tinetz noch am Sonntagabend die Stromversorgung weitgehend wiederhergestellt werden. „Wir können aber noch keine Entwarnung geben. Wir haben immer wieder Probleme durch umgeknickte Bäume in den Leitungen“, berichtet Geschäftsführer Thomas Trattler. Ebenfalls aufgrund eines Baumsturzes in die Hauptleitung waren Montagfrüh rund 770 Netzbenutzer im Pitztal ohne Strom, diese konnten jedoch rasch wieder zugeschaltet werden.

📽️ Video | So ist die Schneesituation in Osttirol:

Die Arbeiten zur Wiederherstellung der flächendeckenden Stromversorgung liefen am Montag dementsprechend auf Hochtouren. 30 weitere Tinetz-Mitarbeiter wurden nach Osttirol verlegt. Außerdem waren zusätzlich zwei Hubschrauber im Einsatz, um Störungsstellen zu erkunden, die Monteure zu schwer zugänglichen Schadensstellen zu fliegen und die Leitungen vom Schnee zu befreien. „Durch die aktuelle Wettersituation und die prognostizierten Schneefälle am Dienstag kommt es immer wieder zu neuen Störungen im Netz und wir müssen auch in den nächsten Tagen weiter damit rechnen“, so Geschäftsführer Thomas Rieder.

LH Platter auf Lokalaugenschein in Osttirol

Landeshauptmann Günther Platter ist indes gemeinsam mit Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndiensts Tirol, nach Osttirol gefahren, um sich mit der Bezirkseinsatzleitung abzustimmen und einen Lokalaugenschein vorzunehmen. In einer kurzen Videobotschaft spricht Platter in erster Linie den Einsatzkräften, der Tinetz sowie der Bezirkshauptfrau Olga Reisner seinen Dank aus. Eine Entwarnung gebe es leider noch nicht. Das bestätigt auch Mair, Osttirol verzeichne derzeit Rekordsummen an Neuschnee und die Lawinengefahr werde vorerst hoch bleiben. Positiv sei aber, dass der Schnee relativ nass ist und somit weniger zur Gefahr wird.

📽️ Video | LH Platter und Rudi Mair in Osttirol:

Landesregierung beschloss Soforthilfe-Paket

Am Nachmittag beschloss die Tiroler Landesregierung in ihrer Sitzung ein Soforthilfe-Paket für betroffene Osttiroler. Mithilfe des Katastrophenfonds des Landes sollen private Elementarschäden – auch für Betriebe – bestmöglich abgefedert werden. Dabei wird analog zu früheren Ereignissen eine Beihilfe in der Höhe von 50 Prozent des geschätzten Schadens gewährt, wovon die Hälfte sofort ausbezahlt wird.

„Um der Bevölkerung eine schnellstmögliche Unterstützung bereitzustellen, haben wir heute beschlossen, notwendige Instandsetzungs- und Verbauungsmaßnahmen zur Bewältigung der Schäden, die durch das Niederschlagsereignis aufgetreten sind, rasch umzusetzen. Zudem stehen finanzielle Mittel aus dem Katastrophenfonds des Landes bereit“, teilte Platter in einer Aussendung mit.

Die Mittel des Katastrophenfonds sind unter anderem für die zusätzliche Finanzierung von Maßnahmen zur Beseitigung von außergewöhnlichen Schäden, die durch Hochwasser, Erdrutsch, Vermurung, Lawinen und Erdbeben entstehen, zu verwenden.

Große Schäden nach Hangrutschungen auf Brennerstraße

Zahlreiche Straßenabschnitte in Tirol sind nach wie vor gesperrt. Schlechte Nachrichten gab es am Montagnachmittag besonders für die Brennerstraße (B182): Nach einem Lokalaugenschein steht fest, dass der Abschnitt zwischen Gasthof Stefansbrücke und der Abzweigung Schönberg für umfangreiche Sanierungsmaßnahmen bis voraussichtlich Weihnachten gesperrt bleiben muss. Leichte Entspannung dagegen gibt es in Südtirol: Die Brennerautobahn bei Sterzing wurde Montagfrüh wieder für den Verkehr freigegeben, sie dient als Umleitung.

Zwischen Gasthof Stefansbrücke und Abzweigung Schönberg kam es zu einigen Hangrutschungen sowohl bergseitig (l.) als auch talseitig.
© Land Tirol/Außerlechner

„An zahlreichen Stellen der Brennerstraße sind Hangrutschungen sowohl berg- als auch talseitig abgegangen. Diese haben zu teilweise massiven Schäden am Straßenbankett geführt. Während der Abschnitt zwischen Schönberg und Matreiwald kurzfristig teilsaniert werden konnte, stehen zwischen der Stefansbrücke und der Abzweigung ins Stubaital größere Sanierungsschritte an“, erklärte Landesgeologe Roman Außerlechner nach dem Lokalaugenschein mit einer Hangsicherungs-Spezialfirma.

Die Strecke zwischen Schönberg und Matreiwald wird am Montag ab 17 Uhr für den Verkehr freigegeben. Allerdings muss hier immer wieder mit ampelgeregelten, einspurigen Bereichen gerechnet werden, heißt es. Die restliche Strecke bis zum Brenner ist frei befahrbar.

Eingeschneiter Zug im Bahnhof Lienz.
© EXPA/JFK

Die Brennerbahnstrecke ist auf österreichischer Seite seit 14.30 Uhr wieder für den Nahverkehr bis Brennero/Brenner freigegeben, berichten die ÖBB am Montagnachmittag. Fernverkehrszüge aus dem Norden wenden in Innsbruck. Auf Südtiroler Seite wird die Strecke auch noch am Dienstag ganztags gesperrt bleiben. Ein Schienenersatzverkehr mit Bussen ist zwischen Bozen und Innsbruck eingerichtet.

🚆 Hinweis der ÖBB

Die ÖBB beobachten die Wettersituation sehr genau, es kann aber weiterhin laufend zu Fahrplananpassungen und Verzögerungen kommen. Fahrgäste werden daher gebeten, sich vor Reiseantritt unter oebb.at, mittels Scotty mobil oder telefonisch beim ÖBB-Kundenservice über ihre gewünschte Verbindung zu informieren.

Auf den Straßen blieb die Lage vor allem in Osttirol und im Ötztal weiter angespannt. So war die B108 zwischen Huben und Matrei in Osttirol sowie die Felbertauernstraße zwischen Matrei und Mittersill nicht befahrbar. Im Ötztal war die B186 zwischen Zwieselstein und Hochgurgl bzw. zwischen Neudorf und Sölden zu. Zudem war auch die Landesstraße L13 zwischen Gries im Sellrain und Kühtai gesperrt, auch die L16 in Imst zwischen Wenns und Sankt Leonhard war betroffen. (TT.com/kla)

🚧 Straßensperren und Stromausfälle in Tirol

▶️ Die aktuellen Versorgungsunterbrechungen im Überblick

▶️ Alle aktuellen Straßensperren und Behinderungen in Tirol sind auf der Homepage des ÖAMTC zu finden.

📽️ Video | Lawinen, Muren, Stromausfälle: Extremes Schnee-Wochenende in Tirol


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