Ansturm im Handel blieb auch am 8. Dezember aus, Gastro & Touristen fehlen

Keine Gastronomie, keine Touristen, weniger Flair: Auch am verkaufsoffenen Feiertag wurden die Geschäfte nicht überrannt. Die Kunden kauften aber gezielt ein.

Kein Vergleich zu vergangenen Jahren: In Einkaufszentren wie auf den Straßen hielt sich auch am Dienstag der Andrang in Grenzen.
© Rudy De Moor

Innsbruck, Wien – Der große Ansturm im Handel ist am Dienstag auch am zweiten Öffnungstag nach dem Lockdown ausgeblieben. Das Kaufhaus Tyrol im Innsbrucker Stadtzentrum berichtete von zunächst verhaltener Frequenz am Vormittag, die aber am frühen Nachmittag doch zulegte. „Spät kamen die Kunden, aber sie kamen“, sagte Center-Manager Sebastian Schneemann: „Ansturm war es aber keiner. Doch ich bin glücklich über die Stunden, die man länger offen halten durfte.“

Man habe das Fehlen der Touristen aus Italien gespürt, ebenso den fehlenden Christkindlmarkt. Schneemann geht davon aus, dass die Kundenfrequenz im Vergleich zu einem „normalen“ 8. Dezember – in der Regel einer der stärksten Kauftage des Jahres – um etwa 15 bis 20 Prozent geringer war. Das Feedback der Händler sei aber dennoch gut gewesen. „Die Kunden, die da waren, kauften auch“, so Schneemann.

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Auch in Einkaufsmeilen in anderen Bundesländern blieb der für den Marienfeiertag gewohnte Ansturm heuer aus. In Wien war laut Handelsobfrau Margarete Gumprecht „mäßi­g viel los“, die steirischen Einzelhändler verzeichneten gute Umsätz­e – „überrannt“ wurden sie jedoch nicht.

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„Heuer geht es um Schadensbegrenzung"

Aus epimediologischer Sicht sei das gut, aber nicht für die Umsätze der Händler, räumte Handelsobmann Rainer Trefelik ein. „Wir wollten ja nicht den Run und die Horrornachricht, dass alles gestürmt wird und niemand aufpasst. Es lief sehr gesittet ab“, sagte Trefelik. Abgesehen vom unbeschwerten Flanieren fehlten Gastronomie und Touristen.

Im Dez wurden „Anstellzonen" errichtet.
© Foto Rudy De Moor

Heuer gehe es in erster Linie um Schadensbegrenzung, so Trefelik. Die Prognosen reichen derzeit von „annähernd gleich viel wie im Vorjahr“ (Johannes Kepler Universität Linz) bis zu „einem negativen Szenario von über 30 Prozent Umsatzeinbußen im stationären Handel“ (KMU Forschung Austria). „Abgerechnet wird ganz am Ende. Aber es fehlen Touristen, die Gastronomie, Events. Das alles noch umzudrehen, ist unrealistisch“, sagte Trefelik: „Das Gesamt­erlebnis fehlt.“ Mit Maske und Abstand und ohne sich irgendwo aufwärmen zu können, halte sich der Spaß in Grenzen. Viele haben zudem aufgrund von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit weniger Geld zur Verfügung.

Hinter den Erwartungen

Der Trend gehe in Richtung gezielten Einkaufens und kurzer Verweildauer, sagte Anton Cech von der Wiener Shopping City Süd und vom Donauzentrum.

Die ersten beiden Einkaufstage seit der Wiedereröffnung nach dem Lockdown blieben deutlich hinter den Erwartungen der Händler zurück, räumte auch Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will ein. Viele Händler, insbesondere in den Segmenten Bekleidung, Schuhe, Baustoffhandel, Uhren, Schmuck, hätten am Dienstag sogar mit weniger Umsatz als am Montag gerechnet. Je nach Warengruppe und Region hätten einige noch während der Öffnungszeiten bereits begonnen, Personal nach Hause zu schicken. Andere hätten noch auf eine Zunahme der Frequenzen und Umsätze am späten Nachmittag gehofft. Heuer wurden die Öffnungszeiten ausnahmsweise verlängert: Die Geschäfte durften am Dienstag bis 19 Uhr offen haben statt sonst am Marienfeiertag bis 18 Uhr. (mas, APA)


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