Gastro-Schließung über Weihnachten: Zulieferer und Brauereien schlagen Alarm

Die Schließung von Gastronomie, Tourismus und Events bis Jänner setzt Zulieferern aus der Lebensmittelbranche massiv zu. Auch Österreichs Brauwirtschaft ist vom verlängerten Lockdown massiv betroffen.

Zuliefer- und Braubetriebe schlagen aufgrund der Gastro-Schließung bis Jänner 2021 Alarm.
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Wien – Österreichs Lebensmittelindustrie ist vom verlängerten Lockdown der Gastronomie und Hotellerie bis Anfang Jänner 2021 massiv betroffen. Den Zulieferern fällt ein großer Teil ihres Geschäftsbereiches weg. Auch die Brauwirtschaft verspürt mit der Schließung bis zum Jahresanfang eine Dauerbelastung.

Zulieferbetriebe vom Lebensmittelgroßhändler über Weinhändler bis hin zu Obst- und Gemüsehändler, aber auch Veranstaltungstechniker, Security, Musik- und Filmproduzenten sowie Textilreiniger schlagen nun Alarm. Sie fordern von der Bundesregierung dringend ein Modell des Umsatzersatzes, das für sie anwendbar ist. Es gehe darum, „den betroffenen Betrieben Rechtssicherheit und eine wirtschaftliche Überlebenschance zu geben", so WKÖ-Lebensmittelhandel-Obmann Christian Prauchner.

„Eine wirtschaftliche Katastrophe"

Für die betroffenen Unternehmen sei der Wegfall des gesamten Weihnachtsgeschäftes „eine wirtschaftliche Katastrophe", beklagt der Wein- und Agrarhandelschef in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Gerhard Wohlmuth.

„Viele Betriebe aus der Lebensmittelindustrie sind wirtschaftlich stark von ihren Lebensmittellieferungen in die Gastronomie, Hotellerie und Eventbetriebe abhängig. Das Geschäft ist nun bereits das zweite Mal in diesem Jahr massiv eingebrochen. Jetzt ist bei den Zulieferern Feuer am Dach", so Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie.

Die 1.448 Bäcker, 1.215 Fleischer und 1.332 Konditoren im heimischen Lebensmittelgewerbe machen schwierige Zeiten durch: Gerade die kleinen Traditionsbetriebe, die sich über die Gastronomie ein wichtiges Standbein aufgebaut haben, stehen laut Josef Schrott vor massiven finanziellen Problemen. Der Bundesinnungsmeister der Bäcker in der WKÖ kritisiert, dass die Sparten Gastronomie, Hotellerie und Handel rasche und unbürokratische Hilfe erfahren würden, während die Zulieferbetriebe bisher durch die Finger schauten.

Vom Sekt über Süßwaren bis zu Gemüse – Betroffenheit groß

Bei Punsch, Sekt & Co. wird praktisch der gesamte Jahresumsatz zu Weihnachten, Silvester und in der Ball- und Wintersaison gemacht. Die Zahlen für Sekt verdeutlichen die Situation: Die heimische Gastronomie und Hotellerie zählt zu den Hauptabnehmern heimischer Sekt- und Schaumweinprodukte, vor allem in der traditionell umsatzstärksten Zeit zwischen Mitte Oktober und Ende Dezember.

In dieser Zeit werden 40 bis 45 Prozent des Gesamtjahresumsatzes erzielt. Für die heimischen Sekthersteller bricht mit dem Fortbestand der Schließungen sowie dem Wegfall der Ballsaison, des Vorweihnachts- und Silvestergeschäfts fast die gesamte Hauptsaison weg. Zudem bleiben die Sekthersteller auch auf bereits erzeugter Ware sitzen.

Koßdorff appelliert an die Politik: „Die betroffenen Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie benötigen jetzt dringend ein klares Signal für eine wirtschaftliche Unterstützung in ihrer prekären Situation, damit die Jobs und die Wertschöpfung erhalten bleiben." Der für die Corona-Wirtschaftshilfen zuständige Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) betonte zuletzt, dass an einer Lösung für die Zulieferer gearbeitet werde.

Lebensmittelindustrie in Österreich

Die Lebensmittelindustrie ist eine der größten Branchen Österreichs. Sie sichert im Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten täglich die Versorgung mit sicheren, qualitativen und leistbaren Lebensmitteln.

Die rund 200 Unternehmen mit ihren 27.000 direkt Beschäftigten erwirtschaften jährlich ein Produktionsvolumen von über 9,1 Mrd. Euro. Rund 7,6 Mrd. Euro davon werden in Form von Erzeugnissen der Lebensmittelindustrie in über 180 Länder exportiert.

Der Fachverband unterstützt seine Mitglieder durch Information, Beratung und internationale Vernetzung.

Dauerbelastung auch für Brauindustrie

Alarmstimmung herrscht auch bei den Brauereien. „Uns als zentrale Lieferanten schmerzt jeder Tag, an dem wir unsere äußerst wichtigen Absatzmärkte nicht bedienen können", betont Sigi Menz, Obmann des Verbandes der Brauereien Österreichs.

„So begrüßenswert die Entlastung der Gastronomie auch ist, so wichtig wäre es, seitens der Bundesregierung endlich die Dauerbelastung der Lieferanten und hier vor allem der Bierbrauer zu beenden." Menz fordert ein Aussetzen der Biersteuer fürs erste Halbjahr 2021. Ansonsten würden viele Brauereien zusperren müssen.

Die Biersteuer bezieht sich auf in Österreich hergestelltes oder aus einem anderen EU-Mitgliedstaat bzw. einem Drittland eingebrachtes Bier. Der Steuersatz wird aus der Menge in Hektolitern und dem Stammwürzegehalt des Bieres in Grad Plato (je 100 Gramm Bier) berechnet. Der Steuersatz beträgt je Hektoliter 2 Euro je Grad Plato. (APA)


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