Nach 533 Rennen ist Schluss: Letzte Liveübertragung von RTL am Sonntag

Fast alle Formel-1-Rennen werden ab 2021 in Deutschland nur gegen zusätzliche Bezahlung zu sehen sein. Der Pay-TV-Sender Sky muss nur vier Rennen frei zugänglich machen.

Kai Ebel war der bunte Boxengassen-Reporter für RTL.
© GEPA pictures/ XPB Images

Luxemburg/Wien - Neben Sebastian Vettel bei Ferrari geht am Sonntag in Abu Dhabi auch noch eine andere deutsche Formel-1-Ära zu Ende. RTL überträgt nach 30 Jahren zum letzten Mal einen WM-Lauf der Motorsport-Königsklasse. Das ist nicht nur bitter für den Privatsender und seine Motorsport-Mitarbeiter, sondern auch für die meisten deutschen Formel-1-Fans, die zukünftig zahlen müssen.

Die Anfänge der damaligen "Randsportart", wie RTL es ausdrückt, waren bescheiden. Im ersten Jahr der verlässlichen Quotenmessung brachten es die 16 Renn-Übertragungen 1992 auf durchschnittlich 1,76 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 20,6 Prozent. Doch dann kam Michael Schumacher und damit ein deutscher Formel-1-Held.

Mit "Schumi" und seinen sieben WM-Titeln brauste auch RTL bei den Quoten immer häufiger auf Platz eins. Den heute kaum mehr zu glaubenden Höchstwert gab es 2001. Bei jedem der 17 Rennen schauten im Schnitt 10,44 Millionen Menschen zu und sorgten für einen Marktanteil von 55,4 Prozent. Auf einen Durchschnitt von ungefähr vier Millionen Zuschauern wird sich der Durchschnittswert 2020 nach dem letzten RTL-Rennen am Sonntag einpendeln.

3,14 Milliarden Zuseher in 30 Jahren

Dennoch darf RTL mit Recht für sich "eine einzigartige Erfolgsgeschichte" reklamieren. 533 Renn-Übertragungen haben die Statistiker des Hauses gezählt und 3,14 Milliarden Zuschauer in 30 Jahren addiert.

TT-ePaper testen und eine von drei Cookit Küchenmaschinen gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Die Werbeunterbrechungen und der bunte Boxengassen-Reporter Kai Ebel mögen nicht jedem Motorsport-Liebhaber uneingeschränkt gefallen haben, doch die Zuschauer waren insofern verwöhnt, als dass sie die Trainingseinheiten und Rennen drei Jahrzehnte ohne zusätzliche Kosten verfolgen durften. Das ist ab dem kommenden Jahr vorbei. Fast alle Formel-1-Rennen werden ab 2021 in Deutschland nur gegen zusätzliche Bezahlung zu sehen sein. Der Pay-TV-Sender Sky muss nur vier Rennen frei zugänglich machen.

Sky hatte RTL nach einigen vergeblichen Anläufen beim Rechtepoker im Frühjahr überboten. "Wenn Konkurrenten im Spiel sind, die bereit sind, das Doppelte zu bieten, muss man sich mit einem Ausstiegsszenario zwangsläufig auseinandersetzen", sagte - ohne Zahlen zu nennen - der zum Jahresende bei RTL ausscheidende Sportchef Manfred Loppe.

ORF und Servus TV teilen sich in Österreich die Rechte

In Österreich machen dagegen der ORF und Servus TV ab dem kommenden Jahr gemeinsame Sache bei den Formel-1-Übertragungen. Beide Sender haben sich für drei Jahre die Free-TV-Rechte an der Königsklasse gesichert. Gemäß Vereinbarung wird bis einschließlich 2023 jeweils eine Hälfte der Rennen pro Saison bei Servus TV, die andere live im ORF zu sehen sein. Nur den Großen Preis von Österreich werden beide übertragen.

Der ORF war in Österreich bisher seit Jahrzehnten der exklusive Rechtehalter in Sachen Formel 1. Servus TV, der Privatsender von Red-Bull-Firmenchef Dietrich Mateschitz, ist nun künftig der Lizenznehmer und ORF-Partner. Der 76-jährige Steirer Mateschitz besitzt in der Formel 1 auch zwei Rennställe (Red Bull und AlphaTauri) sowie den Red Bull Ring in Spielberg, der jährlich Gastgeber des Österreich-GP ist. (APA/dpa)


Kommentieren


Schlagworte