Harsche US-Kritik an CAS-Urteil zur Halbierung der russischen Sperre

In den USA ist die Kritik an dem Urteil des Cas zur Halbierung der Doping-Sperre gegen Russland besonders heftig. Anti-Doping-Chef Travis T. Tygart macht für die Entscheidung auch das IOC und die Welt-Anti-Doping-Agentur verantwortlich.

Die CAS Richter in Lausanne bestätigten am Donnerstag den Ausschluss Russlands von den Olympischen Spielen 2021 in Tokio und den Winterspielen 2022 in Peking.
© Mikhail Tereshchenko

Lausanne - Das Urteil der obersten Sportrichter zur Halbierung der Doping-Sanktionen gegen Russland ist in den USA auf teils harsche Kritik gestoßen. Der Geschäftsführer der US-Anti-Doping-Agentur USADA, Travis T. Tygart, sprach von einer "verheerenden Entscheidung".

Das Olympische und Paralympische Komitee der USA lobte einerseits die Beibehaltung der von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) verhängten "strengen Sanktionen", zeigte sich andererseits aber auch "zutiefst enttäuscht" von Teilen der Entscheidung, die die "Sanktionen erheblich schwächen".

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Wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) verzichtete auch das Internationale Paralympische Komitee (IPC) zunächst auf eine Bewertung des Richterspruchs und mögliche Folgen. Man erkenne die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs CAS an, dass die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA den Welt-Anti-Doping-Kodex nicht einhalte, teilte der in Bonn ansässige Sport-Dachverband mit. "Nach dieser Entscheidung wird der IPC-Verwaltungsrat Anfang 2021 zusammenkommen, um über die nächsten Schritte zu beraten", teilte das IPC mit.

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Am Donnerstag hatte der Internationale Sportgerichtshof CAS in dem laut WADA-Präsident Witold Banka "bahnbrechenden Fall" ein salomonisches Urteil gesprochen. Die Richter in Lausanne bestätigten den Ausschluss Russlands von den Olympischen Spielen 2021 in Tokio und den Winterspielen 2022 in Peking. Auch bei der Fußball-WM 2022 in Katar darf wohl kein Team unter russischer Flagge antreten.

Unbelastete Sportler können als neutrale Athleten an den Starat gehen

Unbelastete Sportler des Landes können in diesem Zeitraum bei Großereignissen als neutrale Athleten antreten. Dafür müssen sie gewisse Anti-Doping-Bedingungen erfüllen. Die russische Hymne darf nicht gespielt oder gesungen werden, die russische Fahne nicht auf Teamkleidung getragen oder gehisst werden. Laut den CAS-Richtern hat der Bann mit der Urteilsverkündung am Donnerstag begonnen und endet am 16. Dezember 2022.

Die WADA hatte Russland wegen der Manipulation von Doping-Daten aus dem Moskauer Labor im Dezember 2019 für vier Jahre gesperrt. Wenn der CAS die WADA-Strafe voll bestätigt hätte und der Bann mit dem Urteil in Kraft getreten wäre, hätte Russland auch bei den Spielen 2024 in Paris nicht starten dürfen.

Der für seine harte Linie bekannte USADA-Chef Tygart kanzelte das CAS-Urteil mit deftigen Worten ab und griff zugleich die WADA und das IOC an. Es sei ein "katastrophaler Schlag für saubere Athleten, die Integrität des Sports und die Rechtsstaatlichkeit". Es gebe keinen Trost für das schwache und verwässernde Ergebnis in dieser bereits einem Jahrzehnt andauernden schmutzigen und staatlich geförderten Doping-Affäre in Russland. Auch wenn die instinktiv erste Reaktion ein Schock war, hätte man ein solches Urteil kommen sehen können. "Die WADA und das IOC haben diese schmutzige russische Doping-Affäre vom ersten Tag an manipuliert und misshandelt und die Politik erneut über das Prinzip gestellt", schimpfte Tygart.

Weniger scharf reagierte das Olympische und Paralympische Komitee (USOPC) der USA auf die CAS-Entscheidung. Man sei "erfreut über die Elemente des CAS-Urteils, mit denen die strengen Sanktionen der WADA gegen russische Sportorganisationen aufrechterhalten werden, und zutiefst enttäuscht über andere Elemente des Urteils, die diese Sanktionen erheblich schwächen". (APA/dpa)


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