Ergänzungsunterricht in Semesterferien, keine Testpflicht nach Weihnachtsferien

An den Schulen wird es in den Semesterferien einen Ergänzungsunterricht ohne Teilnahmepflicht geben, so Bildungsminister Faßmann. Vorerst eine Absage erteilte er der Diskussion um eine Verkürzung der Sommerferien.

Der Bildungsminister gab in einer PK am Samstag "weitere Details zu den Coronamaßnahmen" im Bundeskanzleramt in Wien bekannt.
© APA/Neubauer

Wien – In den Semesterferien wird es an den Schulen Ergänzungsunterricht geben. Das kündigte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bei einer Pressekonferenz am Samstag an. Ähnlich wie bei den Sommerschulen ist eine Teilnahme für die Schüler nicht verpflichtend. Vorerst eine Absage erteilte er einer Diskussion um eine Verkürzung der Sommerferien. Eine Testpflicht für Schüler als Voraussetzung für die Rückkehr in die Klassen ab 18. Jänner wird es nicht geben.

Nach den Weihnachtsferien beginnt die Schule am 7. Jänner für alle Schulstufen im Distance Learning. "Schüler und Eltern kenne das Prozedere bereits", so Faßmann. Dabei gelten ähnliche Regeln wie im zweiten Lockdown: Offen sind die Schulen wieder für alle Schüler bis 14 Jahre, die Betreuungsbedarf haben oder Unterstützung beim Lernen brauchen. Sie können dort Arbeitsaufträge erledigen oder auf den vorhandenen Geräten dem Distance Learning folgen.

📽️ Video | Ergänzungsunterricht in den Semesterferien geplant

Für Oberstufen schon ab 7. Jänner Präsenzphasen in der Schule

Die Schüler der AHS-Oberstufen, BMHS und Berufsschulen können wie schon bisher auch zwischen 7. und 15. Jänner zu Präsenzphasen an die Standorte geholt werden – etwa für fachpraktische Übungen, um auf Schularbeiten vorbereitet zu werden oder diese zu schreiben. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Abschlussklassen. Gleichzeitig dürfen aber nie mehr als die Hälfte der Schüler eines Standorts gleichzeitig anwesend sein.

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Für alle Schüler soll der Präsenzunterricht dann wieder am 18. Jänner beginnen. Die Vorlage eines negativen Testergebnisses wird keine Voraussetzung für eine Teilnahme sein, so Faßmann. Ansonsten wäre dies ja für manche ein Anreiz, sich nicht testen zu lassen.

Normales Semesterzeugnis, mehr Plätze an Sommerschulen

Die Schulnachricht vulgo Semesterzeugnis wird normal verteilt, anschließend geht es in die je nach Bundesland gestaffelten Semesterferien. Man wolle diese formalen Strukturen einhalten – mit den Schließungen gebe es ohnehin schon ein Hin und Her, meinte Faßmann. Allerdings bleiben die Schulen in den Semesterferien für sogenannten Ergänzungsunterricht offen – das ist ein für die Schüler nicht verpflichtender Unterricht, wie er etwa für Maturaklassen zwischen Notenschluss und Klausur oder in den Sommerschulen angeboten wird. Gehalten werden soll dieser freiwillig von Lehrern, die dafür Überstunden bezahlt bekommen, oder von via Sondervertrag angestellten und entlohnten Lehramtsstudenten.

Darüber hinaus werde man die Plätze an den Sommerschulen verdoppeln, kündigte Faßmann an. Außerdem arbeite man an einem umfangreichen Förderprogramm für alle Schulstufen ab dem Sommersemester, das zusätzliche Stundenkontingente für Förder- und Ergänzungsunterricht vorsieht und mindestens 100 Mio. Euro schwer sein soll.

Verkürzte Sommerferien derzeit nicht in Diskussion

Über eine Verkürzung der Sommerferien will Faßmann derzeit nicht diskutieren. Er verstehe schon den Wunsch nach einer gewissen Planbarkeit – dafür sei es aber jetzt zu früh. "Ich lade alle, auch Landeshauptleute, die meinen, es sollte eine Verkürzung geben, ein, an unserer Sommerschule teilzunehmen." Zuvor hatte der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) eine Verkürzung der Sommerferien gefordert.

Für die Zeit zwischen 7. und 15. Jänner wird die Kindergartenpflicht für das letzte Kindergartenjahr aufgehoben – die Kindergärten haben aber normal geöffnet. Unterdessen kritisiert die GPA in einer Aussendung, dass manche Bundesländer privaten Kindergartenbetreibern die ausgehandelte Corona-Prämie von 300 Euro für ihre Beschäftigen nicht refundieren. (APA)

Lehrer fordern massive Aufstockung von Förderangeboten

Der oberste Lehrergewerkschafter Paul Kimberger (FCG) hat angesichts der neuerlichen Umstellung des Unterrichts auf Distance Learning zwischen dem 7. und 15. Jänner eine massive Aufstockung von Fördermaßnahmen gefordert. Zusätzlich zu den von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) angekündigten Förderangeboten in Semester- und Sommerferien bräuchten die Schulen "jetzt sofort" mehr Personal in Form von Lehramtsstudenten, um die Kinder und Jugendlichen an den Schulen zu fördern.

Über die konkrete Gestaltung dieser Angebote – etwa eine Teilung von Klassen, was auch gleich die Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahme erleichtere, oder zusätzliche Förderstunden am Nachmittag – sollten die jeweiligen Standorte entscheiden, so Kimberger. Er will die Förderung auch nicht nur auf jene Kinder konzentrieren, die wegen ungünstiger Rahmenbedingungen während des Fernunterrichts teilweise abgehängt wurden, sondern etwa auch jenen Schülern Angebote machen, die kurz vor dem Abschluss oder auch dem Wechsel in eine andere Schulform stehen.

Zusätzlich müssten die Schulen endlich von der "überbordenden Bürokratie" entlastet werden, indem sie neben pädagogischem Personal auch Sekretariatskräfte bekommen. "Wir haben uns jetzt ganz intensiv um unsere Kinder und Jugendlichen zu kümmern, deshalb brächten wir diese Befreiung von Verwaltung und Bürokratie."

Auch Eltervereine v.a. für mehr Förderangebot für Oberstufen

Bedarf nach Förderangeboten sieht auch die Vorsitzende der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen (BEV), Elisabeth Rosenberger. Für sie ist wichtig, dass das ausgebaute Sommerschul-Angebot auch von Schülern der AHS-Oberstufen, BMHS und Berufsschulen genutzt werden kann. Zwar funktioniere der Fernunterricht, auf den die Oberstufen schon seit 3. November umgestellt haben, diesmal auf jeden Fall besser als im Frühjahr. "Aber dort, wo es nicht so gut funktioniert oder wo Schüler schlechtere Voraussetzungen haben, geht die Lernschere auf." Dazu komme die Vereinsamung, die nach den vielen Wochen im Distance Learning und eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten immer stärker durchkomme.

Für Evelyn Kometter, Sprecherin des Dachverbands der Elternvereine an öffentlichen Pflichtschulen, geraten die Schüler durch die zusätzliche Woche Fernunterricht noch weiter unter Druck. Zuletzt hätten sich bereits Berichte gehäuft, dass Kinder wegen der Vorgabe, in diesem Semester nur eine Schularbeit abzuhalten, nach ihrer Rückkehr in den Präsenzunterricht (entgegen einer Empfehlung des Bildungsministeriums) in einer Tour getestet wurden. Sie fordert, dass die Schüler in der Woche vom 7. bis 15. Jänner wenigstens in den Hauptfächern für jeweils eine Stunde in die Klasse kommen können. Elternvertreterin Rosenberger hofft wiederum, dass die Schulen die Möglichkeit nutzen werden, ältere Schüler etwa zur Schularbeitsvorbereitung an die Schulen zu holen. (APA)

Kometter warnt außerdem davor, dass durch den erneuten Fernunterricht Eltern jüngerer Schülern erneut unter Druck geraten. Sie pocht im Gespräch mit der APA darauf, dass wirklich alle, die Betreuung benötigen, eine solche bekommen sollen. Zuletzt sei das nämlich vielfach durch sozialen Druck verhindert worden: Eltern seien etwa gefragt worden, ob sie denn wirklich Betreuung benötigen, und teilweise an den Pranger gestellt worden.


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