“Sparer müssen in Zukunft aktiver werden“

RECrowd-Chef Kurt Praszl und Wilhelm Fetscher von RE/MAX-DCI über die Zukunft von Crowdinvesting und die „Demokratisierung“ der Immobilien-Branche.

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© Franz Pfluegl

Wie hat sich Immobilienmarkt im Coronajahr 2020 entwickelt?

Wilhelm Fetscher: Grundsätzlich ist zu sagen, dass der Immobilienmarkt sicher einer der Gewinner der Krise ist. Die aktuelle Krise und ihre Folgen hat die Menschen verständlicherweise enorm verunsichert. Deshalb fließt sehr viel Geld in Immobilienanlagen. Das hat zwar schon mit der Finanzkrise 2009 begonnen, sich aber durch Corona extrem verstärkt.

Sie haben drei Immo-Projekte über Crowdinvesting abgewickelt. Wie funktioniert das in der Praxis?

RECrowd-Geschäftsführer Kurt Praszl.
© Yield Public Relations

Kurt Praszl: Die Idee dahinter ist, dass die breite Masse der kleinen Sparer nicht am Boom des Immobilienmarktes partizipieren kann. Sie würden das aber gerne in kleinem Stil machen. Wir arbeiten derzeit ausschließlich an Bauträgerprojekten, also Neubauten, die üblicherweise die Finanzierung durch die Bank schon gesichert haben. Wir möchten diesen die Möglichkeit bieten, den Eigenmittelersatz durch Crowdfunding zu generieren. Aber wir möchten den Bauträgern die Möglichkeit bieten, den Eigenmittelersatz durch Crowdfunding zu generieren.Banken verlangen hier üblicherweise 15 bis 20 Prozent. Aber wir sammeln nicht nur das Geld ein, wir durchleuchten auch den Bauträger und dessen Finanzen.

Sie versprechen eine Rendite bis zu acht Prozent in kurzer Zeit. Normalerweise sind erfahrene Anleger bei solchen Angeboten eher skeptisch bzw. gehen von einem höheren Risiko aus.

Praszl: Crowdinvesting hat für den Anleger grundsätzlich eine sehr schlanke Struktur. Zudem sind zum einen keine Gebühren oder Kosten für Investoren fällig.Nach der Registrierung kann bereits investiert werden. Zum anderen kalkuliert natürlich der Bauträger auch seine Gewinne und die gibt er nach Abschluss des Projektes, und das ist ja der Deal, an seine Investoren weiter. Es wird ja vorab auch genau geprüft, ob und in welchem Maße mit dem jeweiligen Projekt auch Erträge lukriert werden können. Und hier haben wir, und das traue ich mich sagen, ein sehr hohes Maß an Erfahrung.

Die Mindestsumme für Anleger ist 250 Euro. Das sind bei acht Prozent und 18 Monaten Laufzeit 30 Euro, die ich erzielen kann. Und dann muss ich mich schon wieder um was Neues umschauen.

Fetscher: Das ist eine recht einfache Geschichte. Sie haben zwar, nachdem Sie Ihr Geld in einen klassischen Immobilienfonds einbezahlt haben, keinen Aufwand mehr. Aber das lassen sich die Banken bzw. Fondsmanager gut bezahlen. Wenn Sie nun Ihr Geld in verschiedene Crowdinvesting-Projekte, die von mehreren Seiten geprüft wurden, individuell investieren, haben Sie keine Gebühren, und das wirkt sich zusätzlich positiv auf den Ertrag aus.

Praszl: Das heißt aber auch, Sie können sehr rasch Ihr Investment plus den Ertrag wieder in neue Projekte investieren. Und Sie bestimmen, in was Sie investieren, was bei den meisten klassischen Fonds gar nicht möglich ist.

Wie hoch sind üblicherweise die über Ihre Plattform angelegten Summen?

Fetscher: Natürlich ist es so, dass bei einer Anlage von 250 Euro und einem Gewinn von 30 Euro der Aufwand eigentlich zu groß ist. Wir haben eine durchschnittliche Investitionssumme von 3000 Euro.  Wir wollten grundsätzlich eine Untergrenze, die es wirklich Jedem ermöglicht mitzumachen. Für uns ist es ein Ziel, dass Anleger diese kleinen Summen plus die Rendite wieder reinvestieren, also daraus eine Sparform zu machen. Darauf wird es auch hinauslaufen. Und dann kann wirklich jeder als Investor am Immobilienmarkt teilhaben. Das ist noch eine rechtliche und auch eine technische Frage, weil wir würden gerne dabei bleiben, dass der Kunde auch weiß, wo bzw. In was er investiert.

Würden solche Projekte auch in einem Hochpreis-Land wie Tirol funktionieren bzw. gibt es eventuell schon Pläne?

Praszl: Wir haben Tirol auf dem Radar und natürlich ist es möglich. Und hohe Preise bedeuten immer, dass es eine hohe Nachfrage gibt. Und Angebot und Nachfrage reguliert auf dem Kapitalmarkt die Preise. Und solange die Nachfrage besteht sind auch Crowdinvesting-Projekte möglich.

Fetscher: Wir verhandeln gerade mit einem möglichen Partner in Tirol. Das wird ein sehr spannendes Projekt. Mehr kann ich aber naturgemäß noch nicht dazu sagen.

Wie schätzen Sie Ihre Möglichkeit in den nächsten zwei bis fünf Jahren realistisch ein?

Praszl: Crowdinvesting dieser Form gibt es seit 2015. Seither ist dieser Bereich jedes Jahr um gut 100 Prozent gewachsen. Heuer war das Corona-bedingt nicht der Fall. Wir hoffen ja – so wie jeder – auf die Zeit nach Corona. Aber wir wachsen trotz der Pandemie in einem zweistelligen Bereich und wir sind sehr zuversichtlich, weil wir glauben, dass Crowdinvesting früher oder später klassische Sparformen ablösen wird. Das heißt, der Sparer wird in Zukunft etwas aufmerksamer durch die Welt gehen müssen und wir werden auch Tools entwickeln, um diese Sparer abholen zu können.

Fetscher: Es wird in absehbarer Zeit die Möglichkeit geben, über die Crowd auch in Bestandsimmobilien zu investieren. Und damit werden sich zusätzlich immense Möglichkeiten ergeben, um den gesamten Immobilienmarkt über Crowdinvesting zugänglich zu machen. Erste Erfahrungen gibt es hier bereits und die sind mehr als vielversprechend.

Immo-Investments für Kleinanleger ermöglichen

🏦 Nicht nur das Niedrigzinsumfeld, sondern auch die volatile Entwicklung an den Aktienmärkten führt Investoren Tag für Tag den Wert sicherer Anlagen vor Augen. Das Problem dabei: Bei Weitem kann es sich nicht jeder leisten, Wohnungen und Häuser zu kaufen. Hier setzt ein Projekt der Firma RECrow­d an. „Mit einer Mindestinvestitionssumme von 250 Euro möchten wir den lukrativen Immobilien­markt auch für Kleinanleger zugänglich machen“, so Kurt Praszl, Geschäftsführer von RECrowd. Grundsätzlich sei es das Ziel, dass Anleger diese kleinen Summen plus die Rendite wieder reinvestieren, also daraus eine Sparform zu machen, so Praszl.

💸 Crowdinvesting ist eine Form der Geldanlage, die einer Anleihe ähnelt. Trotz eher geringem Risiko wird meist eine verhältnismäßig hohe Rendite in Aussicht gestellt. Projekte über einem Volumen von 100.000 Euro unterliegen der Prospektpflicht. 2019 lukrierte­n heimische Crowd­investing-Portale rund 67 Mio. Euro, davon entfielen 53 Mio. Euro auf Immobilienplattformen.

🏘️ Die RECrowd Real Estate Consulting mit Sitz in Wien wurde 2019 gegründet. Das Unternehmen ist ein Full-Service-Anbieter für Immobilien-Crowdinvesting. Mit an Bord sind Crowdinvesting-Pionier Conda und RE/MAX-DCI, der größte Partner des österreichischen Immobilienmakler-Netzwerks RE/MAX. (hu)

Kann bzw. wie wirkt sich die Tatsache der von Ihnen propagierten Partizipation des kleinen Sparers am Immobilienmarkt auf die Preisentwicklung auch hinsichtlich “leistbaren Wohnens” aus.

Fetscher: Die, besonders im Westen, extreme Preisentwicklung, die in den letzten Jahren scheinbar nur eine Richtung, nämlich noch oben kannte, wird so nicht anhalten. Ich bin seit 23 Jahren im Geschäft und ich habe in dieser Zeit zweimal erlebt, dass es auch nach unten ging. Das wird auch wieder passieren. Corona hat zwar dazu geführt, dass es noch einmal einen starken Schub nach oben gab, aber die Preise werden wieder nachgeben. Ein Grund dafür wird sicher sein, dass es nach Corona eine große Pleitewelle geben wird und damit auch viele Arbeitslose. Das wird unter anderem dazu führen, dass es aufhören wird, dass Immobilien, wie derzeit zu fast 100 Prozent auf Pump gekauft werden. Potentielle Anleger werden sich sehr genau überlegen ob es überhaupt möglich ist, die Immobilie um 13 oder 14 Euro pro Quadratmeter zu vermieten. Wenn sich die Leute die hohen Mieten nicht mehr leisten können, mach ich als Investor auch keine Rendite, muss aber dann natürlich trotzdem meine Kredite zurückzahlen. Das wird dazu führen, dass sich die Preis normalisieren und in einigen Regionen werden sie auch nachgeben.

Das Interview führte Hugo Müllner


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