Kaltfront am Heiligen Abend: Tirol darf heuer auf weiße Weihnachten hoffen

Sehr mild und wenig weihnachtlich vergehen die letzten Tage vor dem Fest in Tirol. Am 24. Dezember setzt zunächst Regen ein, in der Christnacht schneit es aber verbreitet bis in die Täler.

Diesen süßen Schnappschus aus Gerlos verdanken wir TT-Leserin Sylvia Frinner.
© Sylvia Frinner

Innsbruck – Wird der Traum von weißen Weihnachten in Tirol heuer wahr? „Am Heiligen Abend noch nicht unbedingt, aber in der Christnacht schneit es vielerorts", meint Werner Troger von den Meteo Experts. Auf dem Weg zur Christmette können sich manche Tiroler also vielleicht schon über die Winterlandschaft freuen, spätestens am Christtag ist es dann verbreitet weiß – wenn auch nicht überall gleich stark: „Während in höheren Lagen, zum Beispiel Richtung Arlberg, an der Grenze zu Bayern oder in der Karwendelgegend, schon etwa 20 Zentimeter Schnee liegen bleiben, sind etwa Innsbruck, Schwaz und Kufstein wohl nur leicht angezuckert."

Zu verdanken ist die weiße Überraschung einer Kaltfront, die pünktlich zum Heiligen Abend das typische Weihnachtsstauwetter unterbricht, erklärt der Meteorologe. Bis dorthin bleibt es in Tirol nämlich recht mild bei einem Mix aus Sonne und Wolken, die Temperaturen sinken kaum unter die Null-Grad-Grenze.

Der Donnerstag beginnt ebenfalls noch mild, bald machen sich aber Schauer breit und die Schneefallgrenze sinkt in der Nacht bis in die Täler. Weniger Niederschlag ist in Osttirol zu erwarten. Winterlich-ruhig und deutlich kälter dürfte der Christtag ablaufen, nun setzten sich verbreitet Minusgrade durch. Immer noch frostig, aber mit mehr Sonnenschein zeigt sich das Stefaniwochenende, prognostiziert Troger: „Am Samstag wird es an der Südseite in Süd- und Osttirol schon strahlend sonnig, am Sonntag dann überall schön."

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Weiße Weihnachten immer seltener, beste Chancen in Tirol

Dass Frau Holle an Weihnachten einen Besuch abstattet, wird immer seltener, erklärt Klimatologe Alexander Orlik von der ZAMG: „Im Zeitraum von 1951 bis 1980 gab es in den Landeshauptstädten noch doppelt so oft einen 24. Dezember mit einer geschlossenen Schneedecke wie von den 1980er-Jahren bis heute. In tiefen Lagen hat sich die Chance auf weiße Weihnachten somit in den letzten Jahrzehnten halbiert."

Für die letzten 30 Jahre gilt laut Zentralanstalt: Statistisch gesehen gibt es in Wien, Eisenstadt, St. Pölten und Linz nur jedes fünfte Jahr am 24. Dezember eine geschlossene Schneedecke. Bregenz, Salzburg, Graz und Klagenfurt sind durchschnittlich jedes dritte Jahr weiß. Am besten stehen die Chancen in Innsbruck, hier liegt statistisch gesehen jedes zweite Jahr am 24. Dezember Schnee.

Wobei diese drei Jahrzehnte im Detail sehr unterschiedlich aussehen: In den 1990er-Jahren gab es weiße Weihnachten noch einigermaßen regelmäßig – in Graz zum Beispiel waren damals fünf von zehn Jahren weiß. In den sehr milden 2000er-Jahren sind weiße Weihnachten aber markant seltener geworden und die meisten Landeshauptstädte verzeichnen mittlerweile die jeweils längste Serie an Weihnachten ohne Schnee am 24. Dezember. So erlebt St. Pölten seit 2008 schon zwölf Jahre in Serie grüne Weihnachten, in Bregenz, Salzburg, Linz, Graz, Klagenfurt sind es seit 2011 neun Jahre ohne Schnee zu Weihnachten. In Wien und Eisenstadt gab es zuletzt 2012 eine dünne Schneedecke am 24. Dezember und in Innsbruck 2017.

Zwei Gründe für immer mehr grüne Weihnachten

ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik sieht zwei Gründe für die Zunahme von grünen Weihnachten: „Zum einen brachten die 1960er-Jahre viele relativ kalte Dezember. Das wirkt sich auf die Weihnachtsstatistik stark aus. Von 1961 bis 1965 zum Beispiel war Österreich zu Weihnachten fast jedes Jahr flächendeckend weiß. In Klagenfurt lag sogar von 1961 bis 1971 jedes Jahr am 24. Dezember Schnee. Zum anderen ist der wenige Schnee zu Weihnachten aber natürlich auch eine Folge der Klimaerwärmung. Der Dezember ist in Österreich seit den 1950er-Jahren um 1,0 bis 1,5 Grad Celsius wärmer geworden. Seit 2011 gab es sogar keinen einzigen relativ kalten Dezember, es war durchwegs wärmer als in einem durchschnittlichen Dezember im Zeitraum 1981 bis 2010. Das wirkt sich auf die Schneelage zu Weihnachten aus, weil es öfter regnet als schneit beziehungsweise gefallener Schnee schneller wieder schmilzt."

Die weihnachtlichen Schneerekorde sind schon sehr alt, in den meisten Landeshauptstädten mindestens 50 Jahre. Den Rekord aller Landeshauptstädte hält für den 24. Dezember die Wetterstation Innsbruck-Flughafen mit 96 Zentimeter Schnee am 24. Dezember 1962. Die weiteren Schneerekorde der Landeshauptstädte am 24. Dezember sind: 53 Zentimeter in Graz im Jahr 1994, 50 Zentimeter in St. Pölten 1969, 47 Zentimeter in Klagenfurt 1994, 40 Zentimeter in Salzburg 1962, 39 Zentimeter in Eisenstadt 1969, 30 Zentimeter in Wien 1969, 25 Zentimeter in Bregenz 1969 und in Linz liegt die Rekordschneehöhe bei 24 Zentimetern am 24. Dezember 1969.

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Höchsttemperatur minus 19,8 Grad: Kälterekord in Tirol 1962

Häufiger als Weihnachten mit Schnee ist in den tiefen Lagen ein Weihnachtstauwetter, wenn aus dem Westen oder Südwesten milde Luft nach Mitteleuropa strömt. Im Extremfall gab es zu Weihnachten sogar knapp 20 Grad, den Rekord stellte Salzburg am 25. Dezember 2013 mit 19,1 Grad auf. Das Weihnachtsfest der Kälterekorde erlebte Österreich im Jahr 1962. Damals lag die Höchsttemperatur am 25. Dezember in Vils (Bezirk Reutte) bei minus 19,8 Grad. In Kitzbühel lag die Tiefsttemperatur in der Nacht von 24. auf 25. Dezember 1962 bei minus 27,9 Grad. (TT.com/klh/APA)


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