Lockdown-Tipp: Schnipp, schnapp, Haare ab – selber zuhause zum Friseur werden

Die Friseure sind geschlossen, doch die Haare wachsen trotzdem: Wer seine Corona-Matte satt hat, greift selbst zur Schere oder lässt andere schneiden. Anleitungen gibt es genug. Die Ergebnisse lassen allerdings manchmal Wünsche offen.

(Symbolbild)
© pixabay

Berlin, Innsbruck – Ordentlich frisiert ins neue Jahr kommen – dieser Wunsch war heuer nicht allen vergönnt, denn Lockdown-bedingt sind die Friseure wieder einmal geschlossen. Diese appellieren zwar an die Geduld, doch nicht jeder will warten, bis die „Corona-Matte“ oder der Bart unansehnlich werden. Und Not macht bekanntlich erfinderisch. So manch einer greift inzwischen selbst zu Schere, Rasierer und Farbe. Anleitungen gibt es auf YouTube, Instagram und Co. jede Menge – und gleichzeitig auch genügend Zeugnisse von mehr oder weniger gelungenen Selbstversuchen.

Ganz klassisch zeigt zum Beispiel Friseur-Weltmeisterin Sonja Fischer, wie man Corona-Nothaarschnitte für Frauen und Männer selbst meistert. Bloggerin und Haarschneide-Autodidaktin Patricia Wons veröffentlichte in der ersten Corona-Welle im März eine Anleitung für einen Jungen/Männer-Haarschnitt. „Ich bekomme viele Rückmeldungen. Bei vielen klappt es, bei manchen auch nicht“, so die Duisburgerin. Tipps, wie man Pony, Spliss oder Locken schneidet, gibt es seit Corona zum Beispiel auf den Seiten einer Drogeriekette. Tutorials bieten auch Hersteller von Haarschneidegeräten.

📽️ Video | Sonja Fischer: Tipps für den „Corona-Not-Haarschnitt" für Frauen

Äußerst kreativ ist die Anleitung vom sogenannten Heimwerkerking und Youtuber Fynn Kliemann: Bei ihm werden die Haare mit einem Staubsauger angesaugt und einer Schablone geschnitten. Joshua Otto aus Berlin hat es nachgemacht und ist begeistert: „So bekommt man gut alle Haare auf eine Länge, nichts juckt oder kratzt.“

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📽️ Video | Haare schneiden – Heimwerkerking Fynn Kliemann

Der 25-Jährige hat sich bereits mehrmals so die Haare geschnitten und will auch gar keinen Profi mehr ranlassen. Er habe absolut keine Lust, mit einer Maske beim Friseur zu sitzen, sagt er. Und außerdem lasse sich viel Geld sparen. Die neue Frisur sei zwar chaotisch, passe aber viel besser zu seinem Typ, als die früher geschniegelten Haare, sagt der ehemalige BWL-Student, der jetzt Tischler lernt. Seine Freunde seien begeistert. Seine Mutter habe die Frisur nur mit „Oh Gott!“ kommentiert, so Otto.

Friseur-Branche sieht Selberschneiden kritisch

Die Berliner Friseur-Innung sieht Selfmade-Frisuren kritisch: „Das finden wir als Branche nicht toll. Es ist Umsatz, der Betrieben vorenthalten wird“, sagt Geschäftsführer Markus Feix. „Und es ist auch die Frage, ob man hinterher so aussieht, wie man aussehen will“, ergänzt er.

Auch Clemens Happ, Tiroler Innungsmeister der Friseure, hat im ersten Lockdown im Frühjahr gegenüber der TT von eigenen Experimenten am Kopf klar abgeraten: „Die Gefahr, sich mit unprofessionellen Geräten die Haare kaputt zu machen, ist sehr groß“, sagte er. Außerdem sei der Aufwand, die verschnittenen Frisuren wieder auszubessern, ungleich größer. „Nicht einmal ein ausgebildeter Friseur kann sich selbst richtig gut die Haare schneiden“, räumt er ein.

In Deutschland hat während der ersten Corona-Welle immerhin jeder Siebte sich selbst die Haare geschnitten (14 Prozent), wie damals eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab. Weitere 11 Prozent suchten Hilfe und ließen sich die Haare von jemand anderem schneiden.

„Ich wäre da vorsichtig. Friseure haben ihren Beruf nicht umsonst gelernt. Allerdings gibt es ja nichts, was man auch nicht mit YouTube lernen kann“, sagt Stilexperte und Buchautor Bernhard Roetzel („Der Gentleman“). Ein mehrwöchiger Lockdown sei allerdings auch noch kein Zusammenbruch der Zivilisation. „Haare wachsen langsam, nur etwa zwölf Zentimeter im Jahr“, erklärt er. Roetzel verweist auch auf Bartträger, die nun wieder Wildwuchs im Gesicht fürchten müssen, wenn sie es gewohnt waren, sich den Bart vom Barbier stutzen zu lassen.

Allerdings scheint es auch hier zunehmend Männer zu geben, die nun selbst zu Schere und Rasierer greifen, zumindest stieg der Absatz für Geräte. „Mit Blick auf das Jahr 2020 lässt sich festhalten, dass das Haartrimmer- und (Bart-)Styling-Produktsegment einen Anstieg erfahren hat, was sich sicherlich auf die aktuelle Situation zurückführen lässt“, berichtet etwa Nina Knecht von Procter & Gamble. (TT.com, dpa)

📽️ Tricks von YouTube:

Trick für den Stufenschnitt

Zugegeben, der Zwischenschritt mit den Haaren, die unterm Kinn zusammengebunden werden, wirkt seltsam. Doch wie Bloggerin Sissi auf Youtube ausführt, gelingt ihr auf diese Weise der stufig gekürzte Langhaarschnitt mit Leichtigkeit.

Spitzen nachschneiden

Vor allem längere Haare werden an den Spitzen schnell trocken und von Spliss befallen. Youtuberin Kati zeigt, wie sie ihre Spitzen schneidet. Den Pferdeschwanz eindrehen, über den Kopf nach vorne und kürzen.

Gegen die Wuchsrichtung

Damit der Schnitt mit der Maschine im Nacken auch gerade verläuft, empfiehlt der Youtube-Blogger Mark von „Tomatenmark“ einen zweiten Spiegel. Mit der Haarschneidemaschine wird am besten gegen die Wuchsrichtung der Haare gefahren.


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