Von Donald Trump bis Jacinda Ardern: Gewinner und Verlierer von 2020

Das vergangene Jahr hat politisch einiges durcheinandergebracht. Gerade die Corona-Pandemie und deren Folgen hat Politikern je nach Umgang mit der Krise genutzt oder geschadet. Während Donald Trump aufgrund seines Handelns an der Wahlurne eine herbe Niederlage setzte, freut sich die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern.

US-Präsident Donald Trump zählt zu den Verlierern von 2020. Er muss sein Amt zu Beginn des kommenden Jahres aufgeben.
© SAUL LOEB

Berlin – Die einen haben Wahlen verloren, die anderen beim Management der Corona-Krise eine schlechte Figur gemacht. Auch für einige Politiker war 2020 ein Jahr zum Vergessen.

Verlierer

US-Präsident Donald Trump (74) war gut ins Wahljahr gestartet, doch dann machte ihm die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Die Wirtschaft brach ein und die Regierung des Republikaners schien bei der Eindämmung der Pandemie abwechselnd hilflos oder unwillig. Trump spielte die Gefahr durch das Coronavirus herunter und machte sich über seinen Herausforderer, den Demokraten Joe Biden (78), lustig – doch die Mehrheit der Wähler fand Trumps Stil offenbar nicht mehr witzig. Bei der Abstimmung am 3. November setzte sich Biden mit deutlichem Vorsprung gegen Trump durch.

Trump verlor und zeigte sich auch noch als schlechter Verlierer: Er räumte seine Niederlage nicht ein, sondern sprach von „massivem Wahlbetrug“ – ohne dafür belastbare Beweise vorzulegen. Zahlreiche Klagen zur Anfechtung des Wahlergebnisses scheiterten. Am 20. Jänner, wenn Biden feierlich vereidigt werden soll, muss Trump das Weiße Haus verlassen. Er könnte sich dann wieder als Privatmann auf seine Immobiliengeschäfte konzentrieren – doch es gibt bereits Gerüchte zu einer erneuten Präsidentschaftskandidatur Trumps 2024. Trump dürfte weiter als Störfaktor auf der politischen Bühne vorhanden bleiben.

Donald Trump muss Anfang des Jahres das Weiße Haus räumen. Joe Biden wird neuer US-Präsident.
© BRENDAN SMIALOWSKI

Alexander Lukaschenko: Der Präsident von Belarus (Weißrussland), oft als „letzter Diktator Europas“ bezeichnet, ist nach 26 Jahren an der Macht in seiner größten Krise. Nach einer umstrittenen Präsidentenwahl am 9. August lässt er sich mit 80,1 Prozent der Stimmen zwar zum Sieger ausrufen. Aber er löst damit einen beispiellosen Volksaufstand aus. Bei Protesten fordern die Menschen seinen Rücktritt und Neuwahlen.

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Doch macht der 66-Jährige immer wieder klar, dass er die Macht nicht hergibt – wohl nur über seine Leiche. Und er macht auch seine Drohung wahr, für den eigenen Machterhalt notfalls die Armee einzusetzen. Hundertschaften des Militärs sind neben Truppen des Innenministeriums vor allem bei den Sonntagsdemos im Einsatz. Doch der Rückhalt schwindet, je länger die Proteste andauern. Die EU erkennt ihn nicht mehr als Präsidenten an, verhängt Sanktionen. Angesichts der Polizeigewalt wenden sich immer mehr Menschen ab von der Führung, darunter Sportler, Künstler und Ärzte. Viele Experten geben Lukaschenko kein Jahr mehr im Amt.

Alexander Lukaschenko hält sich in Belarus weiter an der Macht.
© MAXIM GUCHEK

Muhammadu Buhari: Nigeria, Afrikas stärkste Wirtschaftsmacht, Land des fließendes Öls und der goldenen Möglichkeiten – dieses Image möchte Präsident Muhammadu Buhari in die Welt projizieren. Doch dieses Jahr wurde der Vorhang vor den Augen der Welt ein wenig gelüftet. Das Video eines jungen Mannes, der brutal von der Eliteeinheit SARS getötet wurde, löste Proteste aus, die sich mit dem Hashtag #EndSARS wie ein Lauffeuer in den Sozialen Medien ausbreiteten und weltweite Unterstützer fanden – von Beyoncé und Rihanna bis hin zu Twitter-Chef Jack Dorsey. Sie stellten die harsche Alltags-Realität Nigerias ins internationale Rampenlicht. Die Demonstrationen mobilisierten viele frustrierte junge Nigerianer und provozierten harte Reaktionen von Polizei und Militär – und letztlich gab es zahlreiche Tote.

Nigerias Präsident Muhammadu Buhari.
© KOLA SULAIMON

Gewinner

Die Welt war 2020 vor allem mit der Bewältigung der Corona-Krise beschäftigt. Mit gelungenem Krisenmanagement konnten einige Politiker bei der Bevölkerung kräftig punkten – und nicht nur so. Vier Beispiele für politische Gewinner des Jahres 2020:

Keir Starmer: Mitten in der aufflammenden Corona-Pandemie bekam die britische Labour-Partei mit dem früheren Menschenrechtsanwalt Keir Starmer im Frühjahr einen neuen Chef. Der 58-Jährige folgte auf den umstrittenen Alt-Linken Jeremy Corbyn. Starmer hingegen gilt als Mann der Mitte und Freund Europas. Dank des zuweilen chaotischen Corona-Krisenmanagements der britischen Regierung fehlten dem Oppositionsführer seitdem nicht die Gelegenheiten, Premier Boris Johnson zu kritisieren und vor sich her zu treiben. Den zweiten Teil-Lockdown setzte Johnson widerwillig in Kraft, nachdem Starmer dies bereits Wochen zuvor gefordert hatte. Der ehemalige Chefankläger des Crown Prosecution Service bleibt – anders als sein Gegenüber in der Downing Street – stets ruhig und höflich. Es scheint sich auszuzahlen: Immer wieder lag Starmer in Umfragen der vergangenen Monate vor Boris Johnson. Viele Briten scheinen ihn schon für den geeigneteren Premier zu halten.

Keir Starmer liegt derzeit in der Gunst der Briten vorne.
© HOLLIE ADAMS

Sanna Marin: Während woanders in Nordeuropa gerade die Nobelpreise verliehen wurden, bekam Finnland am 10. Dezember 2019 eine neue Ministerpräsidentin. Sanna Marin wurde dabei nicht nur Nachfolgerin ihres sozialdemokratischen Parteikollegen Antti Rinne, sondern mit ihren damals 34 Jahren zugleich jüngste Regierungschefin der Erde. Diesen Titel hat ihr Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz inzwischen wieder abgejagt. Doch auch so steht Marin nach einem Jahr im Amt als eine Gewinnerin des Jahres da: Ihr Land navigierte sie mit ihrem von Frauen geprägten Kabinett stabil durch die Corona-Krise. Der Dank sind nicht nur deutlich bessere Umfragewerte der Sozialdemokraten als unter ihrem blassen Vorgänger Rinne, sondern auch die Tatsache, dass die Neuinfektionszahlen in Finnland in diesen Monaten so gering sind wie nirgendwo sonst in der EU. Und auch privat lief es 2020 trotz Pandemie und mehrfachen Corona-Tests bestens für Marin: Anfang August heiratete sie ihren langjährigen Partner Markus Räikkönen.

Finnlands Regierungschefin Sanna Marin.
© YVES HERMAN

Jacinda Ardern: Die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern hat einen Lauf. Schon 2019 lief für sie gut, nun gehört sie auch 2020 zu den politischen Gewinnern – im wahrsten Sinne des Wortes: Bei der Parlamentswahl in dem südpazifischen Inselstaat konnte die 40-Jährige, die 2017 noch eher zufällig ins Amt gekommen war, die absolute Mehrheit von 65 der 120 Parlamentssitze erringen. Einer der Gründe für den Erfolg war Arderns überaus erfolgreicher Umgang mit der Corona-Pandemie. Dank extrem strikter Maßnahmen und weitgehender Abschottung des Landes sind dort bislang nur 25 Menschen in Verbindung mit Covid-19 gestorben. Im Oktober hatte Neuseeland das Virus bereits zum zweiten Mal für besiegt erklärt. Mittlerweile ist das Land zu einer für andere Länder beneidenswerten Normalität zurückgekehrt: Sogar Sportveranstaltungen in voll besetzten Stadien sind wieder möglich.

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern.
© MARTY MELVILLE

Abdullah Hamduk: Nach einer Erfolgsstory sieht es beim Sudan auf den ersten Blick nicht aus. Die fragile Übergangsregierung ist auf mehreren schweren Problemfeldern gleichzeitig unterwegs, von der noch immer tiefen Wirtschaftskrise bis hin zur verheerenden Corona-Pandemie. Doch dass der Sudan nach dem Putsch von 2019 nicht in die nächste Diktatur oder gar einen Bürgerkrieg geschlittert ist, ist ein bemerkenswerter Kraftakt – auch dank Regierungschef Abdullah Hamduk. Der unaufgeregte Pragmatiker konnte die fragile Balance zwischen Zivilisten und Militärs bewahren und außenpolitische Erfolge erzielen. Dazu gehört nicht zuletzt die Streichung Sudans von der berüchtigten US-Terrorliste. (dpa)

Premierminister Abdullah Hamduk.
© ASHRAF SHAZLY

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