Großeinsatz in Wien: Mob beschoss Polizisten mit Pyro-Gegenständen

Nachdem es in der Gegend des Reumannplatzes zu etlichen Sachbeschädigungen durch pyrotechnische Gegenstände gekommen war, rückte die Polizei zu einem Großeinsatz aus. Die Gegenstände sollen die doppelte Sprengkraft einer scharfen Handgranate gehabt haben. Es gab mehrere Festnahmen.

Die Polizei rückte in Wien zu einem Großeinsatz aus.
© APA/HANS PUNZ

Wien – In der sonst recht ruhigen Silvesternacht ging es in Wien-Favoriten wild zu: Nachdem es zu etlichen Sachbeschädigungen durch pyrotechnische Gegenstände in der Gegend um den Reumannplatz gekommen war, rückte die Polizei zu einem Großeinsatz aus. Der Mob beschoss Beamte mit Raketen bzw. Böllern, es kam zu zahlreichen vorübergehenden Festnahmen. Zahlreiche „Allahu Akbar"-Rufe sollen zu hören gewesen sein.

Wie die APA erfuhr, wurden auch brennende Gegenstände in Richtung der Polizisten geschleudert. Die pyrotechnischen Gegenstände, die auch gegen die Beamten eingesetzt wurden, sollen die doppelte Sprengkraft einer scharfen Handgranate gehabt haben.

Täter ergriffen die Flucht

Auch ein eintreffender Funkwagen wurde mit Pyrotechnik unter Beschuss genommen, ein Christbaum wurde mit brennbarer Flüssigkeit übergossen.

Die Täter ergriffen die Flucht, mit „Police, Police!" (so ein Zeuge) hätten sich die Gruppen beim Eintreffen der Exekutive gewarnt. Zwei Verdächtige, ein 16-jähriger und ein 21-jähriger Syrer, wurden aber in einem Haus angehalten. In einer in dem Gebäude befindlichen Wohnung traf die Polizei weitere Personen an, die an den Randalen beteiligt gewesen seien sollen – zwei Österreicherinnen (14 und 15), zwei Iraker (20 und 22) und drei Syrer (23, 27 und 29 Jahre alt). Der 21-Jährige soll im Zuge der Vorfälle mit einem zu einem Rammbock umfunktionierten Mistkübel einen Einbruch bei einem Juwelier versucht haben. Im Gegensatz zu den anderen Verdächtigen blieb er in Polizeigewahrsam.

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Die Sachschäden dürften hoch sein. Es gingen zahlreiche Scheiben zu Bruch, Mistkübel, Zeitungsständer, Bänke und Kaugummiautomaten wurden gesprengt. Der Mob soll aus zahlreichen Personen mit großteils Migrationshintergrund bestanden haben. „Durch das konsequente Einschreiten der Polizei konnten die Ereignisse beendet, weitere Straftaten verhindert und zahlreiche Tatverdächtige festgenommen werden", bilanzierte der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl. „Für derartiges deliktisches Verhalten gibt es absolut kein Verständnis und werden die Erhebungen zum Tathergang und weiteren Ausforschungen von Straftätern konsequent fortgeführt."

„Keine Toleranz " von Nehammer

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) hat am Neujahrstag die Randale in Wien-Favoriten in der Silvesternacht verurteilt. „Parallelgesellschaften haben in unserem Land nichts verloren", meinte er in einer Stellungnahme gegenüber der APA. „Für solche Aktionen haben wir absolut keine Toleranz." Die Straftaten seien „ein Zeichen einer tiefen antidemokratischen und unsolidarischen Einstellung", befand der Innenminister. „Wer sich nicht mit unseren gesellschaftlichen Werten identifizieren kann und versucht diese zu stören, muss mit allen rechtlichen Konsequenzen rechnen."

Die Wiener Polizei werde mit einer „groß angelegten Schwerpunktaktion gegen die Straftäter und alle, die sich beteiligt haben, vorgehen", kündigte der Innenminister an. „Ab sofort werden uniformierte Sondereinheiten, aber auch Ermittler in zivil schwerpunktmäßig in Wien-Favoriten Kontrollen durchführen", erklärte dazu Landespolizeipräsident Pürstl.

Pürstl soll nun außerdem in einem Sicherheitsgipfel mit Vertretern der Stadt Wien die sicherheitspolizeiliche Lage besprechen und „gemeinsame Ableitungen aus integrations- und sicherheitspolizeilicher Sicht treffen", wie es in der Stellungnahme hieß. Nehammer dankte den Polizisten für ihren Einsatz in der „herausfordernden Situation".

FPÖ warf Nehammer „Tatenlosigkeit" vor

Scharfe Kritik kam auch von der FPÖ. So zeigte sich der Wiener Parteichef Dominik Nepp laut einer Aussendung „schockiert" von „kriminellen islamistischen Migrantenmobs". Der Innenminister sei seit dem Beginn der Krawalle im Juni 2020 „völlig tatenlos" geblieben, kritisierte Nepp. Die Unruhen seien „die Folge der ungezügelten Massenzuwanderung der letzten Jahrzehnte". Der blaue Bundesparteichef Norbert Hofer forderte Abschiebungen und für „Krawallmacher" mit österreichischer Staatsbürgerschaft eine Beteiligung an der Reparatur der Schäden. „Außerdem ist festzustellen, welche Moscheen diese Herrschaften frequentieren und ob sie dort radikalisiert wurden."

Die Wiener ÖVP kritisierte nach den jüngsten Vorfällen in einer Aussendung "das Integrationsversagen" von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Auch Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) meldete sich zu Wort: „Die Bilder der Silvesternacht aus Favoriten erschüttern zutiefst", meinte sie in einer Stellungnahme gegenüber der APA. „Zum wiederholten Mal zeigt sich hier, welche Gefahr von Parallelgesellschaften ausgeht."

Innenministerium zog trotz des Vorfalls positive Bilanz

Die Polizei hat trotz des Vorfalls in Wien nach der Silvesternacht eine „weitgehend positive" Bilanz gezogen. Im Vergleich zu den Vorjahren sei es ruhig gewesen, berichtete das Innenministerium (BMI). An einigen öffentlichen Orten fanden sich mehrere Personen ein, um den Jahreswechsel zu begehen, so zum Beispiel einige hundert Personen am Wiener Stephansplatz, um das Läuten der Pummerin zu hören. Die geltenden Covid-Bestimmungen wurden aber vom Großteil der Menschen eingehalten.

„Unerfreulich war der Vorfall in Wien, bei dem es im Bereich Reumannplatz zu Sachbeschädigungen und Angriffen auf Polizisten kam. Neun Tatverdächtige wurden vorübergehend festgenommen", hieß es in einer Aussendung des BMI.

In der Landesleitzentrale Wien sind am letzten und ersten Tag des Jahres weit über 4000 Notrufe eingegangen. Daraus resultierten knapp 1600 Einsätze, berichtete die Polizei. Die Beamten rückten u.a. wegen Sachbeschädigungen, Lärmerregungen und illegaler Zündung von pyrotechnischen Gegenständen aus.

Wien weit kam es bis Freitagmittag zu 35 Anzeigen und neun Organmandaten wegen Übertretungen des Pyrotechnikgesetzes. In einigen Fällen wurden pyrotechnische Gegenstände sichergestellt, da die Personen diese nicht besitzen durften oder die geforderten Kennzeichnungen fehlten. Gemäß dem Covid-19-Maßnahmengesetz wurden 97 Anzeigen gelegt und 31 Organmandate ausgestellt, so die Polizeibilanz.

Anzeigen wegen Verstößen gegen Covid-Maßnahmen

In Kreuth-Rappoltenkirchen (Niederösterreich) hatte ein Gastronomiebetrieb widerrechtlich geöffnet und schenkte Getränke aus. Es kam zu Anzeigen nach dem Covid-Maßnahmengesetz. In Baden setzte eine alkoholisierte 45-Jährige einen Widerstand gegen die Staatsgewalt und verletzte einen Beamten. In den oberösterreichischen Städten Wels und Gmunden wurden Mülltonnen in Brand gesetzt, im Bezirk Freistadt erlitt ein Mann Verletzungen, weil er einen bereits abgebrannten Böller nochmals gezündet hatte.

Ein 24-Jähriger hat in der Silvesternacht im Bezirk Lilienfeld bei einem Einsatz wegen eines Familienstreits mehrere Polizisten attackiert. Der Mann habe eine Polizistin gestoßen, einen Beamten geschlagen und bei einem weiteren versucht, dessen Bein zu packen, berichtete die Polizei am Freitag. Er wurde vorläufig festgenommen und auf die Polizeiinspektion Lilienfeld gebracht. Ein Alkotest ergab 1,4 Promille.

Der 24-Jährige dürfte sich zuvor aggressiv gegenüber zwei Familienmitgliedern verhalten haben, weshalb diese die Polizei gerufen hätten. Auch gegenüber den Beamten sei er aggressiv aufgetreten. Der Vorfall werde der Staatsanwaltschaft Sankt Pölten berichtet.

In der steirischen Hauptstadt Graz wurden Mülltonnen und die Ladefläche eines Klein-Lkw in Brand gesetzt. In St. Gallen stand ein Wirtschaftsgebäude und in Selzthal ein Einfamilienhaus in Brand. In Wildon wurde ein 45-Jähriger, der eine Feuerwerks-Batterie gezündet hatte, von einer Rakete im Gesicht verletzt.

Einsätze wegen Schreckschusswaffen

In Feldkirch rückten acht Streifenbesatzungen zu einem Einsatz wegen einer Schussabgabe aus. Ein Mann hatte mit einer Schreckschusswaffe aus dem Fenster geschossen hatte. In Hohenems wurde ein 44-jähriger Mann festgenommen, der seinen Nachbarn mit einem Messer bedroht hatte.

In Innsbruck wurde bei einem Tatverdächtigen ebenfalls eine Schreckschusswaffe sichergestellt, nachdem der Mann mehrere Schüsse in die Luft abgegeben hatte. In Kufstein wurde eine Corona-Party mit 13 Personen aufgelöst, die sich gegenüber den Beamten äußert unkooperativ verhielten. (APA)


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