Optimismus in Tirols Wirtschaft nach einschneidendem Covid-Jahr

Kein anderes Bundesland wurde 2020 wirtschaftlich so schwer von der Corona-Krise getroffen wie Tirol. Erste Impfstoffe lassen die Obleute der Wirtschaftssparten aber positiv auf 2021 blicken. Ruf nach Planungssicherheit.

Innsbruck – Die Corona-Pandemie brachte im Jahr 2020 weit mehr als nur Sand ins Getriebe des Tiroler Wirtschaftsmotors. Vor allem die Lockdown-Maßnahmen im März, November und Dezember sowie weltweite Reisewarnungen haben den Tiroler Tourismus, Teile des Handels und Dienstleistungen schwer getroffen. Starke Rückgänge in der regionalen Wertschöpfung waren die Folge. UniCredit-Ökonomen erwarten für 2020 einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in Tirol von 9,5 Prozent. Mit einer Erholung der Wirtschaft wird, abhängig von der Pandemieentwicklung und Impfstoffverteilung, erst mit Mitte des heurigen Jahres gerechnet.

🛠️ Handwerk & Gewerbe: Mit „gemischten Gefühlen“ blickt Franz Jirka, Obmann der Sparte Handwerk und Gewerbe in der Tiroler Wirtschaftskammer (WK), auf das Jahr 2020 zurück. Während der Bau- und der baunahe Bereich vergleichsweise gut durch das Krisenjahr gekommen ist, hat der Dienstleistungsbereich – etwa die Eventbranche, Veranstaltungstechniker, Berufsfotografen oder Friseure – massive Umsatzeinbrüche hinnehmen müssen. Jirka hofft nun auf eine baldige Erholung der Wirtschaftslage. „Im Frühjahr bis Anfang Sommer sollten wir dann wirklich durch sein. Bevor es aber so weit ist, werden wir noch einige Herausforderungen meistern müssen. Dafür nimmt er auch die Politik in die Pflicht. „Was es ganz dringend braucht, sind Rahmenbedingungen, die den Unternehmen eine Druckentlastung bringen und die ihnen ein normales Arbeiten mit genügend Zeit für qualitativ hochwertige Arbeit ermöglichen.“

🏭 Industrie: Anfang des Jahres 2020 freuten sich die Tiroler Industriebetriebe noch über Zuwächse, mit dem ersten Lockdown Mitte März standen die Bänder dann plötzlich still. „Nun würde ich sagen, hat sich die Tiroler Industrie als stabilisierender Faktor in dieser Krise auf diese besondere Situation eingestellt“, zeigt sich Spartenobmann Heinz Lindner stolz, dass die heimische Industrie „trotz schwierigster Bedingungen“ die Produktion weitgehend aufrechterhalten konnte. Für das Jahr 2021 seien die Prognosen der Sparte durchaus positiv. Mit einem deutlichen Aufschwung rechnet Lindner, sobald es gelingt, „über Impfungen, Hygienemaßnahmen und Reduzierungen von sozialen Kontakten das Virus zurückzudrängen“. Der Spartenobmann appelliert an die Politik, „die produzierenden Unternehmen nicht zu vergessen“. Er fordert etwa Investitionsanreize und Förderungen für Forschung und Entwicklung sowie offene Verkehrswege für den Warenverkehr.

🛒 Handel: Während der Lebensmittelhandel 2020 angesichts geschlossener Gastronomiebetriebe im Frühjahr und zum Jahresende teils deutliche Zuwächse verzeichnete, sind viele Betriebe der Branche von der Corona-Krise schwer getroffen. Der Lockdown zu Beginn des Weihnachtsgeschäftes zeichne den „negativen Höhepunkt“ eines Jahres, das von „Umsatzeinbußen und fehlender Planbarkeit“ geprägt war, sagt Handelsobmann Dieter Unterberger. Auch 2021 sei vor allem in Tourismusregionen „aufgrund der Reisebeschränkungen noch länger keine Besserung in Sicht“. Laut Unterberger sei deshalb „vielfach eine längerfristige Unterstützung“ für die Betriebe nötig. Auch Branchen wie die Gastro-Zulieferer dürften nicht im Stich gelassen werden, warnt er. Die Lehre aus der Krise sei wohl „ein verstärktes Bewusstsein für die Bedeutung des regionalen Handels- und Nahversorgungsangebots“.

💶 Banken: Von der Bargeldversorgung über persönliche Beratungsleistungen bis hin zur Umsetzung der von der Bundes- und Landesregierung angebotenen Unterstützungsleistungen und Moratorien sei die Sparte der Banken und Versicherungen 2020 besonders gefordert gewesen, sagt Spartenobmann Hans Unterdorfer, der damit rechnet, dass 2021 dem abgelaufenen Jahr „um nichts nachstehen“ werde. Die Stärke der Unternehmen der Sparte sei laut Unterdorfer die regionale Verankerung: „Wir sind in der Lage, die Entwicklungen genau zu beobachten und rasch darauf zu reagieren.“ Der Spartenobmann sieht auch Chancen, welche sich aus der Krise ergeben. „Eine große Chance liegt in der Digitalisierung, die 2020 einen massiven Schub erfahren hat.“ Das zeige sich vor allem bei der starken Zunahme „beim bargeldlosen Bezahlen“ sowie der „einfacheren Abwicklung von Bank- und Versicherungsgeschäften“.

🚚 Transport & Verkehr: Die Krise hat die Sparte Transport und Verkehr unterschiedlich getroffen. Klar sei aber laut Tiroler Spartenobfrau Rebecca Kirchbaumer: „Es gab keine Gewinner.“ Besonders schwer betroffen seien die Reisebus- und Taxibetriebe sowie die Luftfahrt. Auch die Seilbahnwirtschaft werde mit einem deutlichen Minus bilanzieren, so Kirchbaumer. Neben der Bewältigung der Pandemie-Auswirkungen sieht die Spartenobfrau vor allem die „unzähligen Fahrverbote“ als größte Herausforderung für die Branche 2021. Hier sei „mehr Sensibilität der Politik“ gefragt. „Ziel ist die Verlagerung des transitierenden Verkehrs auf die Schiene, aber nur dann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.“

✈️ Tourismus: Beim Start in das Jahr 2020 zeichnete sich für die Tourismus- und Freizeitwirtschaft die erfolgreichste Wintersaison aller Zeiten ab. Doch dann der Schock: Mitte März musste auf Grund des Ausbruchs der Corona-Pandemie die Wintersaison vorzeitig beendet werden. „Wir standen mit unseren Betrieben plötzlich auf vollkommenem Neuland und wurden zu Abhängigen von Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen des Staates“, blickt Spartenobmann Mario Gerber auf den Beginn des schwierigsten Jahres für die Tiroler Tourismusbranche zurück. Gerber geht „vorsichtig optimistisch“ von einer Erholung mit Mitte 2021 aus, zeigt sich aber überzeugt, „dass der Tiroler Tourismus längerfristig ein fulminantes Comeback verzeichnen wird“. Von der Politik erwartet er sich unter anderem die frühzeitige Einbindung der Branche bei der Problemlösung sowie „ein stärkeres strategisches Agieren statt dem kurzfristigen Reagieren“.

🖥️ Information/Consulting: Vielversprechend begann das Jahr 2020 auch für die Sparte Information und Consulting. „Doch dann kam alles anders“, sagt Spartenobmann Dietmar Hernegger, der damit das Jahr 2020 aber auch „abhaken“ möchte. In der Sparte gibt es viele Einpersonen- und Kleinunternehmen. Hernegger hofft, dass diese sich „wegen ihrer flexiblen Strukturen“ rasch erholen können. Zeitlich hänge die Erholung aber unmittelbar von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab. Im Jahr 2021 werde die Unterstützung seitens der Politik mehr denn je erforderlich sein, erwartet Hernegger: „Sei es in Form von Investitionsanreizen oder auch einer massiven Förderung des regionalen Wirtschaftsdenkens.“ Von der Krise werde laut dem Spartenobmann ein gestärktes Bewusstsein für den Wert der Regionalität bleiben. „Sind es doch gesunde heimische Betriebe, die für Wohlstand und Sicherheit unserer Bevölkerung sorgen. Internationale Internet-Riesen werden sicher nicht für unsere zukünftige Sozial- und Gesundheitsstruktur aufkommen.“


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