Trios statt Lagerfeuer: „Dschungelshow" bei RTL startet heute mit erster Prüfung

Das Dschungelcamp war eine der letzten großen Konstanten im Fernsehen: Das Jahr begann – und in Australien entfachten gescheiterte C-Promis ein Lagerfeuer. Wegen Corona geht das 2021 nicht. RTL wagt das Experiment, dennoch eine Art Dschungel zu senden.

Diese Kandidaten rittern zwei Wochen lang täglich um das „Goldene Dschungel-Ticket" für 2021.
© TVNOW

Köln – Man hat es fast vergessen, aber vor ziemlich genau einem Jahr begann das Dschungelcamp inmitten einer großen Krise. In Australien – dem Land, in dem RTL seine Promis traditionell bei Reis und Regen darben lässt – wüteten verheerende Buschbrände. Gesendet wurde trotzdem aus Down Under, weil der Sender einen Weg fand, angemessen mit der Situation umzugehen. Man konnte denken: Wenn selbst ein Höllen-Feuer das größte Reality-Format Deutschlands nicht aufhalten kann, was dann? Heute kennt man die Antwort: Corona.

Weil RTL seine Leute in Pandemie-Zeiten nicht an das andere Ende der Welt schicken will, bleibt das Plumpsklo im fernen Dschungel 2021 ungenutzt. Gesendet wird stattdessen aus der Nachbarschaft – aus Deutschland und aus einem Studio. In der Summe bedeutet das: Das Dschungelcamp, eine Art Urmutter des Trash-TVs, bekommt einen Abkömmling. Das neue Format heißt auch anders: Aus „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ wird „Ich bin ein Star – Die große Dschungelshow“. Los geht es am Freitag (15. Jänner, 22.15 Uhr, RTL).

Trios statt großer Lagerfeuer-Runde

Die Fakten: In der Show wird im Gegensatz zu den Vorjahren kein „Dschungelkönig“ gesucht. Stattdessen vergibt RTL ein „Goldenes Ticket“, das seinen Inhaber befähigen soll, 2022 um den Gaga-Titel mitzuspielen. Sprich: Der Gewinner der „Dschungelshow“ fährt zum nächsten regulären Dschungelcamp. Der Modus erinnert an den Fußball: Wer Meister werden will, muss sich zum Aufstieg durch die zweite Liga ackern. Wer boshaft ist, könnte den Zweite-Liga-Vergleich auch auf die Kandidaten-Liste ausweiten. Dazu aber später mehr.

Auf konservative Dschungelcamp-Fans dürften dennoch schwere Stunden zukommen. Die Promis leben zwar tatsächlich während der Show auf einem Studiogelände in Hürth bei Köln. Aber: Es ist eben kein Freiluft-Dschungel. Die Promis werden in Kleingruppen geteilt. Es handele sich um vier Dreier-Teams, die im Abstand mehrerer Tage in ein winziges Häuschen ziehen, erläuterte ein RTL-Sprecher am Freitag. Der Einzug erfolge aber nacheinander und nicht gleichzeitig. Ein großes Lager wie im traditionellen Dschungelcamp in Australien, in dem alle Kandidaten einer Staffel gleichzeitig zusammenleben, soll es nicht geben.

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In diesem 18 m² großen Häuschen hausen die Trios. Zum Vergleich: Die Fläche eines Fußballtores beträgt 17,9 m² – anders gesagt: vier Tischtennisplatten.
© TVNOW / Stefan Gregorowius

Erste Bewohner des gerade mal 18 Quadratmeter großen Häuschens sind nach RTL-Angaben Reality-TV-Kandidat Mike Heiter („Love Island“), Model Zoe Saip („Germany‘s next Topmodel“) und Reality-Urgestein Frank Fussbroich („Die Fussbroichs“), die sich am Freitag auch gleich der ersten „Dschungelprüfung" mit dem Titel „Tierischer Einlauf" stellen müssen. „Das „Tiny House“ ist im Grunde das Lagerfeuer. Es bringt die Gefühle und die Talks“, sagte der Sprecher.

Casting noch eine Wundertüte

Hinzu kommt, dass die Magie des Formats im klugen Kandidaten-Casting steckt. Insgesamt treten in der Show bis zum Finale am 29. Jänner zwölf Kandidaten an. Der RTL-Dschungel war immer dann gut, wenn die Planstellen gut besetzt waren – vom hitzigen Altvorderen (Mathieu Carrière, Winfried Glatzeder) über das leidende Jung-Model (Larissa Marolt, Gisele Oppermann) bis hin zur Schlagergröße, die viel von früher fabuliert (Bata Illic, Gunter Gabriel).

Insofern ist das Casting für die „Dschungelshow“ noch eine Wundertüte. D-Promis wie ein Nico Schwanz oder der Hochzeitsplaner Froonck Matthée waren zwar schon immer das Schmiermittel des Formats – diesmal wird man von D-Prominenz aber nahezu erdrückt.

Das sind die Kandidaten

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Filip Pavlovic (26): Der Bachelorette-Kandidat und nicht aufgebende Känguruhoden-Esser lässt sich auch nicht von Spinnen oder Schlangen abschrecken – wohl aber von seinen Englischkenntnissen: „Die größte Challenge für mich? Mit Dr. Bob Englisch sprechen."

© privat

Lars Tönsfeuerborn (30): Der Prince Charming-Gewinner will unbedingt siegen: „Seit Jahren sage ich immer wieder zu meinen Freunden, wie gerne ich selbst in den Dschungel möchte. Deswegen will ich alles daransetzen, dieses ‚Goldene Ticket‘ zu gewinnen. Ich bin ein Kind vom Lande und habe wenig Berührungsängste."

© lukassowada

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Viele Kandidaten sind maximal tiefen Kennern des Reality-Genres ein Begriff („Bachelorette“-Kandidat Filip Pavlovic, „Germany‘s next Topmodel“-Kandidatin Zoe Saip, „Temptation Island“-Kandidatin Christina Dimitriou). Ganz große Namen sucht man vergeblich. Den Alt-Star gibt Bea Fiedler, die früher in Nacktkomödien wie „Eis am Stiel 4 – Hasenjagd“ zu sehen war. Damit ist der Begriff „Alt-Star“ sehr weit gedehnt. Die Liste besteht im Großen und Ganzen aus Menschen, die schon in anderen Reality- oder Casting-Formaten auffällig geworden sind.

Zugleich gilt, dass sich im Dschungel schon oft die schönsten Geschichten um die vermeintlichen Nobodys rankten. Darauf verweist auch RTL-Unterhaltungschef Küttner. „Wer hätte seinerzeit gedacht, dass Sarah Knappik, Evelyn Burdecki oder Joey Heindle so unterhaltsam werden, wenn sie im Dschungelcamp sitzen?!“, sagt er. „Also bleibt abzuwarten, wie sich der Cast in dieser neuen Show schlägt.“

„Dr. Bob" extra eingeflogen, Talks mit Ex-Kandidaten

Auch in Deutschland ist Dr. Bob dabei.
© TVNOW / Stefan Gregorowius

Dschungel-Feeling will RTL dennoch aufkommen lassen – auch mit dem Personal. Der beliebte Dschungel-Doktor „Dr. Bob“ – eigentlich kein Doktor, sondern gelernter Rettungssanitäter – wurde speziell für die Show eingeflogen. Die Camp-Präsentatoren Sonja Zietlow (52) und Daniel Hartwich (42) moderieren zudem „live in einem Studio voller Palmen und Grünpflanzen“, wie RTL-Unterhaltungschef Markus Küttner erklärt. Zudem gebe es Talks mit alten Dschungelstars und Rückblicke auf die vergangenen Staffeln. „Mehr Dschungelgeist geht eigentlich nur im Dschungel selbst“, sagt Küttner. Auch bei den Prüfungen ist davon auszugehen, dass würdige Nachfolger für Disziplinen wie Känguru-Hoden-Verspeisen oder Fleischabfall-Wühlen gefunden werden.

Die Show wird nach RTL-Angaben unter „strengsten“ Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen produziert. Alle Kandidaten seien zum Beispiel vor ihrer Teilnahme in Quarantäne und getestet, ebenso die Crew. Am Set werde täglich Temperatur gemessen und Abstand gehalten. (dpa)


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