Plagiate auch in Aschbacher-Dissertation: FPÖ fordert Rücktritt

Der "Plagiatsjäger" Stefan Weber hat die Dissertation von Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) mit einer Software zur Erkennung von Plagiaten überprüft. Demnach besteht der Text zu 21 Prozent aus Plagiaten, also aus Textpassagen, die aus anderen Quellen übernommen wurden, ohne sie als Zitate auszuweisen.

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Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP).
© GEORG HOCHMUTH

Wien – Auch die Dissertation von ÖVP-Arbeitsministerin Christine Aschbacher enthält Plagiate. Das schreibt der "Plagiatsjäger" Stefan Weber in seinem Blog. Zuvor hatte Weber ihrer Diplomarbeit aus 2006 "Plagiate, falsche Zitate und mangelnde Deutschkenntnisse" attestiert. Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) will die Prüfung durch die FH Wiener Neustadt abwarten. Er erinnerte am Samstag aber an den Fall eines nach ähnlichen Vorwürfen zurückgetretenen deutschen Ministers.

Dass Qualifizierungsarbeiten von Politikerinnen und Politikern im Fokus medialer Aufmerksamkeit stehen, sei nicht neu, sagte Faßmann bei einer Pressekonferenz am Samstag, auf die Plagiatsvorwürfe gegen seine Parteikollegin angesprochen. "Mir fällt spontan Guttenberg ein, den es ganz hart getroffen hat", verwies Faßmann auf den deutschen CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg, der nach der Aberkennung seines Doktortitels 2011 als Verteidigungsminister zurückgetreten war. Die Fachhochschule Wiener Neustadt, wo Aschbacher ihre Diplomarbeit verfasst hat, habe die richtige Vorgangsweise gewählt und prüfe den Fall nun. Vermutlich werde es eine externe Begutachtung geben. Deren Ergebnisse müsse man abwarten, sagte der Wissenschaftsminister. Keine Stellungnahme gibt es vorerst vom Bundeskanzleramt.

Weber hat die Dissertation, die Aschbacher in ihrer Zeit als Ministerin im Mai 2020 an der Technischen Universität Bratislava eingereicht hatte, mit einer Software zur Erkennung von Plagiaten überprüft. Demnach besteht der Text zu 21 Prozent aus Plagiaten, also aus Textpassagen, die aus anderen Quellen übernommen wurden, ohne sie als Zitate auszuweisen. "Das ist ein sehr hoher Wert", befindet Weber, der zudem wegen der "systematischen Verschleierung" indirekter Zitate von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgeht.

Über ihren Sprecher hatte Aschbacher bereits am Freitag ausrichten lassen, sie habe "nach bestem Wissen und Gewissen" gearbeitet. Die Diplomarbeit sei bereits 2006 an der FH Wiener Neustadt eingereicht und mit einem "Sehr Gut" beurteilt worden. Sowohl bei dieser als auch bei der an der Technischen Universität Bratislava eingereichten Dissertation habe es sich bei den Betreuern um in der Community anerkannte Professoren gehandelt, auf deren Urteil sie weiter vertraue.

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Fragwürdige Passagen in Dissertation entdeckt

Allerdings waren in der online abrufbaren Dissertation zum Thema "Entwurf eines Führungsstils für Innovative Unternehmen" schon am Freitag zahlreiche fragwürdige Passagen entdeckt worden. So gibt Aschbacher an einer Stelle einen ins Deutsche übersetzten "Forbes"-Artikel wider. Und zwar inklusive der markanten Feststellung: "Annahmen sind wie Seepocken an der Seite eines Bootes; sie verlangsamen uns." Den Artikel des US-Wirtschaftsmagazins nennt sie in einer Fußnote zwar als Referenz. Allerdings macht sie aus der Feststellung des Original-Autors, er habe im Lauf seiner Karriere mit Hunderten Teams zusammengearbeitet, die Behauptung: "In dieser Dissertation wurde mit Hunderten von Teams (...) zusammengearbeitet."

Die FPÖ forderte am Samstag die Aberkennung der akademischen Titel und den Rücktritt der Ministerin. "Der Kanzler muss sofort den Rücktritt seiner Ministerin einleiten, um weiteren Schaden von der Republik abzuwenden", forderte FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz in einer Aussendung. Die Dissertation lese sich, als sei sie von einem Ghostwriter mit nicht-deutscher Muttersprache oder von einem Übersetzungsprogramm geschrieben worden. In einer parlamentarischen Anfrage will er von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) außerdem erfahren, ob den von der "Kommission für wissenschaftliche Integrität" schon für 2019 aufgezeigten Mängeln bei Abschlüssen an einer "Hochschule im benachbarten Ausland" mit Kooperationsvertrag in Österreich nachgegangen werde.

Auch aus der SPÖ kamen am Wochenende Rücktrittsforderungen - unter anderem vom Nationalratsabgeordneten Max Lercher: "So geht es jedenfalls nicht, dass man von den normalen Leuten fordert, immer noch mehr zu leisten und sich dann selber durchschummelt." (APA)


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