15 Prozent weniger Kirchenaustritte in der Diözese Innsbruck

Das Mitglieder-Minus fiel 2020 weniger dramatisch aus als noch im Jahr zuvor. Bischof Glettler sieht Seelsorge als Hauptaufgabe.

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Der Innsbrucker Dom zu St. Jakob.
© Domanig

Innsbruck – Mit Stichtag 31. Dezember des vergangenen Jahres gibt es in Österreich 4,91 Millionen Katholiken – um 1,5 Prozent weniger als im Jahr 2019. In der Diözese Innsbruck haben im Vorjahr 3662 Menschen ihre Mitgliedschaft beendet, um 15,09 Prozent weniger als im Jahr zuvor. 283 Menschen sind in die Kirche wieder eingetreten. Insgesamt gibt es damit in der Diözese Innsbruck 369.768 Katholikinnen und Katholiken, um 1,14 Prozent weniger als 2019. Im Tiroler Teil der Erzdiözese Salzburg traten im abgelaufenen Jahr 1348 aus der Kirche aus, 99 widerriefen ihren Austritt oder traten in die katholische Kirche ein.

Einen durchaus optimistischen Blick in die Zukunft richtet Innsbrucks Diözesan­bischof Hermann Glettler angesichts des Rückgangs der Austrittszahlen: „Die aktuellen Zahlen sind erfreulich und ermutigen uns, in der Aufmerksamkeit für die Herausforderungen unserer Zeit nicht nachzulassen.“ Das belastende Jahr 2020 habe gezeigt, dass aufgrund der vielen Erschütterungen die Sehnsucht nach einer verlässlichen Orientierung gewachsen ist. „Diese urmenschliche Ausrichtung nach einem Sinn, der sich nicht in materiellen Absicherungen erschöpft, nehmen wir wahr“, sagt Glettler. Im abgelaufenen Jahr sei deutlich geworden, dass es nicht weniger, sondern mehr Seelsorge brauche: „Seelsorge nimmt den ganzen Menschen wahr, mit seinem Bedürfnis nach Aussprache, Versöhnung und Entlastung. Vieles liegt uns am Herzen, was wir nur in einer sensiblen Begleitung anschauen und bewältigen können. Seelsorge ist auch in Zukunft eine Hauptaufgabe von Kirche.“ Während der Lockdown-Phasen habe es in vielen Pfarren kreative Initiativen gegeben, um den Menschen nahe zu sein und das soziale Netzwerk zu stärken. „Kirche trägt den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft wesentlich mit – und wird speziell mit dem vielfältigen Angebot der Caritas in dieser Aufgabe sicher nicht nachlassen“, betont Glettler.

In der Erzdiözese Salzburg will man die Austrittszahlen nicht ohne Weiteres zur Kenntnis nehmen, sagt Erzbischof Franz Lackner. Er suche mit jedem Ausgetretenen den Kontakt, biete das Gespräch an. Oft werde zwar der Kirchenbeitrag als Austrittsgrund genannt, dahinter aber stehe meist eine Entfremdung in einer Zeit, in der man auch ohne Kirche und verbindlichen Glauben über weite Strecken gut leben könne. „Letztlich braucht es eine neue Glaubwürdigkeit – bei der Kirche wie bei jedem Einzelnen“, ist Erzbischof Lackner überzeugt. (TT)

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