Katharina Glock als Austro-Control-Aufsichtsrätin abberufen

Ministerin Gewessler beruft Unternehmerin aus Austro Control ab: „Geringschätzung gegenüber einem Untersuchungsausschuss“.

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Kathrin Glock am Dienstag auf dem Weg zum Ibiza-Ausschuss. Der Auftritt kostete sie den Sitz im Aufsichtsrat der Austro Control.
© HELMUT FOHRINGER

Wien – Was sie für ihre Funktion im Aufsichtsrat der Austro Control qualifiziere, wollten die Abgeordneten am Dienstag im Ibiza-Untersuchungsausschuss von Kathrin Glock wissen. Glock antwortete mit zahlreichen Funktionen im Firmenimperium, das ihr Mann aufgebaut hat. Seit gestern stellt sich die Frage so nicht mehr: Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) berief Glock ab. Der Grund: Die von ihr an den Tag gelegte „Geringschätzung gegenüber einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss“. Glock war 2018 vom damaligen Ressortchef Norbert Hofer (FPÖ) in den Aufsichtsrat berufen worden.

Kathrin Glock wollte die Befragung wegen der Pandemie verschieben. Ihr Mann sei 91, gehöre zur Risikogruppe, ihn wolle sie schützen. Einen ersten Termin verweigerte sie, was ihr eine Beugestrafe von 2000 Euro eintrug. Diese Strafe will sie mit einer außerordentlichen Revision bekämpfen, wurde gestern bekannt.

📽️ Video | Glock aus Aufsichtsrat der Austro Control abberufen

Am Dienstag war Glock in den Ausschuss gekommen. Die Abgeordneten gestanden ihr zu, in einem Nebenraum per Video auszusagen. Dennoch tat sie vor dem Ausschuss und auf Facebook ihr Unverständnis über die Vorladung kund.

Dann setzte sie zwar eine freundliche Miene auf – und reagierte dennoch brüsk und ungehalten, wenn sie nicht antworten wollte: „Ich mag Ihre Fragestellung nicht.“ Sie lasse sich nicht behandeln wie eine Schulmädchen.

Gewessler verkündete die Abberufung gestern Vormittag. Glock war dem Vernehmen nach zu diesem Zeitpunkt bereits informiert – und ließ über die Pressestelle ihres Waffenkonzerns mitteilen, sie selbst habe sich zurückgezogen, aus Mangel an Zeit. Neue Aufsichtsrätin ist die Spitzenbeamtin Judith Engel.

Grüne, SPÖ und NEOS begrüßten die Abberufung – wobei Rot und Pink betonten, dass auch andere Zeugen problematische Auftritte geliefert hätten. Anders die FPÖ. Hofer bedankte sich bei Glock für ihre Tätigkeit im Aufsichtsrat. Für den früheren Ressortchef steht die Qualifikation Glocks außer Frage. (sabl, APA)

Glock legte Revision gegen Beugestrafe ein

Kathrin Glock, Ehefrau des Waffenherstellers Gaston Glock, geht nach ihrem schon erfolgten Auftritt vor dem Ibiza-Untersuchungsausschuss gegen die über sie verhängte Beugestrafe vor. Erreichen will sie das über eine von ihr eingelegte außerordentliche Revision, wie ein der APA vorliegendes Schreiben belegt. Glock hatte sich zuerst geweigert, wegen der Coronapandemie vor dem Ausschuss zu erscheinen und muss laut Beschluss daher 2000 Euro Beugestrafe zahlen.

Glock war nach Androhung einer Vorführung erst am Dienstag als Auskunftsperson im Ibiza-Untersuchungsausschuss erschienen und legte dabei einen denkwürdigen Auftritt hin. Aufgrund ihrer Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19 wurde sie in einem eigenen Raum, getrennt von den Abgeordneten, via Videokonferenz befragt. Dabei stieß sie manchen Mandatar oder manche Mandatarin vor den Kopf, indem sie etwa die Beantwortung einiger Fragen grundlos verweigerte. Auch mit Unmutsäußerungen sparte sie nicht.

In ihrer außerordentlichen Revision gegen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts argumentiert Glock ein weiteres Mal mit der derzeit hohen Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus. Sie habe sich vor allem aufgrund des fortgeschrittenen Alters ihres Ehemanns geweigert, sich und ihn diesem Risiko auszusetzen.


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