CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer – eine kurze und oft kritisierte Amtszeit

Wahlschlappen, schlechte Umfragewerte und unglückliche Äußerungen: Für Annegret Kramp-Karrenbauer lief es an der Spitze der CDU nicht rund. Am Samstag wird ihr Nachfolger gewählt. Die wichtigsten Ereignisse seit ihrer Wahl an die Parteispitze.

Vor etwas mehr als zwei Jahren wurde Annegret Kramp-Karrenbauer zur CDU-Parteichefin gewählt. Am Samstag wird ihr Nachfolger bestimmt.
© MICHAEL KAPPELER

Berlin – In ihrer kurzen Amtszeit hat es die deutsche CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer nie geschafft, ihre Stellung an der Parteispitze wirklich zu sichern: Wahlschlappen, schlechte Umfragewerte und unglückliche Äußerungen setzten die Parteivorsitzende unter Druck. Nach dem Debakel um die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen im Februar erklärte sie ihren Rücktritt. Am Samstag bestimmt der CDU-Parteitag ihren Nachfolger.

Ein Überblick über die Amtszeit der ehemaligen Ministerpräsidentin des Saarlands an der Spitze von Deutschlands Christdemokraten:

7. Dezember 2018: Die bisherige Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer wird zur neuen CDU-Chefin gewählt, ihr Gegner, Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz, unterliegt knapp. In Umfragen legt sie in der Wählergunst zunächst deutlich zu.

10. Februar 2019: Kramp-Karrenbauer setzt mit einem „Werkstattgespräch“ zur Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel einen eigenen Akzent. Damit will sie einen Beitrag zur Aufarbeitung des CDU-internen Streits um das Reizthema Migration setzen – eine Geste der Versöhnung an die gegnerischen Lager.

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März 2019: Mit einem „Toiletten-Witz“ löst Kramp-Karrenbauer Empörung aus. Bei einer Fastnachtsveranstaltung spottet sie über Toiletten für intergeschlechtliche Menschen – viele finden das nicht lustig.

Mitte Mai 2019: Eine Attacke des YouTubers Rezo schreckt die CDU auf: Das Internet-Video mit dem Titel „Die Zerstörung der CDU“ wird millionenfach geklickt – doch die Parteizentrale verkennt die Tragweite des Clips, in dem der YouTuber die Politik der CDU einer ausführlichen Kritik unterzieht. Später räumt AKK Fehler ein.

📽️ Video | Rezo: „Die Zerstörung der CDU“

26. Mai 2019: Bei der Europawahl fährt die CDU unter Kramp-Karrenbauers Führung ein miserables Ergebnis ein. Interne Schuldzuweisungen aus ihrem Umfeld an konservative Kräfte in der Jungen Union (JU) sorgen in der Partei für Ärger.

17. Juli 2019: Trotz früherer Beteuerungen, sie strebe kein Ministeramt an, wird Kramp-Karrenbauer überraschend Verteidigungsministerin. In Umfragen missbilligt eine große Mehrheit ihre Entscheidung. Ihre Umfragewerte sinken.

Oktober 2019: Nach erheblichen Verlusten bei Landtagswahlen werden in der CDU zunehmend Fragen nach Kramp-Karrenbauers Eignung laut. Daraufhin geht sie in die Offensive und fordert ihre innerparteilichen Kritiker auf, beim Bundesparteitag aus der Deckung zu kommen.

22. November 2019: Auf dem CDU-Parteitag in Leipzig stellt die Saarländerin zum Ende ihrer langen Rede überraschend die Machtfrage: Sollte die Partei ihr nicht folgen wollen, „dann lasst es uns heute auch beenden, hier und jetzt und heute“, sagt sie. Ihre internen Kritiker sind überrumpelt.

5. Februar 2020: Im thüringischen Landtag wird überraschend der FDP-Politiker Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten gewählt – mit den Stimmen von CDU und AfD. Kramp-Karrenbauer wirft den thüringischen Parteikollegen vor, sich damit über Vorgaben der Parteispitze hinweggesetzt zu haben. Die CDU-Chefin fährt nach Erfurt – die CDU-Landtagsfraktion widersetzt sich aber ihrer Forderung, Neuwahlen zuzustimmen. Ihre Autorität ist angekratzt.

Vergangenen Februar erklärt Kram-Karrenbauer überraschend den Verzicht auf den Parteivorsitz.
© THOMAS KIENZLE

10. Februar 2020: Kramp-Karrenbauer zieht die Konsequenzen: Im Präsidium erklärt sie überraschend den Verzicht auf den Parteivorsitz. Merkel bittet sie in der Sitzung, als Verteidigungsministerin im Kabinett zu bleiben. Rasch melden drei CDU-Politiker ihre Kandidatur für den Parteivorsitz an: Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen.

25. April 2020: Eigentlich hätte an diesem Tag ein CDU-Sonderparteitag den neuen Chef wählen sollen. Wegen der Corona-Pandemie wird das Treffen abgesagt. Auch der Ausweichtermin Anfang Dezember lässt sich nicht halten. Kramp-Karrenbauer bekommt eine Verlängerung bis Jänner 2021.

21. November 2020: Kramp-Karrenbauer meldet sich mit Kritik an ihren Nachfolgekandidaten zu Wort: Mit einem „ruinösen Wettbewerb“ schadeten sie der Partei. In Partei-Angelegenheiten hatte sich AKK seit ihrer Verzichtserklärung sehr zurückgehalten. Sie sieht es als ihre Aufgabe, einen möglichst reibungslosen Wechsel an der Spitze zu organisieren – ansonsten konzentriert sie sich auf ihre Aufgabe als Verteidigungsministerin.

15. Jänner 2021: Kramp-Karrenbauer wird zum Auftakt des digitalen CDU-Bundesparteitags ihre Abschiedsrede als CDU-Chefin halten. Am Tag darauf sollen die Delegierten ihren Nachfolger wählen. (APA/AFP)


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