Motorradmuseum in Hochgurgl in Vollbrand: Schutt, Asche und 280 Wracks

Das Motorradmuseum in Hochgurgl wurde am Montag durch ein Feuer komplett zerstört. Zahlreiche Exponate von unschätzbarem Wert verbrannten. Verletzte gab es keine. Brandermittler vom LKA haben heute die Untersuchungen aufgenommen, am frühen Nachmittag herrschte weiter Unklarheit über die Brandursache.

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In dem Motorradmuseum waren auf 3.000 Quadrameter Fläche rund 230 historische Motorräder sowie einige Autos ausgestellt.
© LIEBL Daniel | zeitungsfoto.at

Von Benedikt Mair

Hochgurgl – Alban Scheiber ringt um Worte. Im Motorradmuseum bei der Timmelsjoch-Mautstation in Hochgurgl, das der Ötztaler Hotelier und Seilbahner gemeinsam mit seinem Bruder Attila im Jahr 2016 eröffnet hat, bricht Montagfrüh ein Brand aus. Das Gebäude wird komplett zerstört. Und mit ihm rund 280 Motorräder und Autos. Ein „wahnsinniger Wert“, sagt Scheiber. Schwerer als der materielle Schaden, der „einen noch nicht genau bestimmten, hohen Millionenbetrag ausmacht“, wiegt aber der ideelle. Denn unter den Exponaten befanden sich Raritäten, „uralte Dinger“. Ein Teil der Technikgeschichte der Menschheit ist für immer verloren.

📽 Video | Motorradmuseum in Hochgurgl in Vollbrand

Das Feuer bricht am Montag gegen 4.40 Uhr aus, vermutlich im Bereich der Ausstellung, die genaue Ursache ist noch nicht geklärt. Zwei Menschen hatten die Nacht in angrenzenden Wohnungen am Timmelsjoch auf rund 2200 Metern Höhe verbracht. Sie werden von Brandmeldern aus dem Schlaf gerissen und können sich unverletzt ins Freie retten. Einer der beiden, der Hausmeister, versucht mit einem Feuerlöscher die Flammen zu ersticken – vergeblich. Als die bereits alarmierte Feuerwehr von Gurgl gegen 5 Uhr am Einsatzort eintrifft, steigt bereits dichter, schwarzer Rauch auf.

„Wir haben noch versucht, den Brandherd im Museum zu löschen“, sagt Kommandant Matthias Klotz. „Das ist aber nicht gelungen.“ Die Feuerwehrleute haben sich zurückgezogen. „Innerhalb von wenigen Minuten stand das Bauwerk in Vollbrand. Dann haben wir uns nur noch darauf konzentriert zu verhindern, dass die Flammen auf die Nachbargebäude übergreifen“, erzählt Klotz. „Was zum Glück gelungen ist. Das Restaurant blieb verschont, die Seilbahnstation wurde durch den Rauch und das Löschwasser leicht beschädigt.“ Gestern Nachmittag dauert der Einsatz noch an. Insgesamt sind den Tag über rund 110 Feuerwehrleute von sechs Wehren mit 20 Fahrzeugen vor Ort, dazu Rotes Kreuz und Polizei.

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Kälte und Schnee haben die Löscharbeiten zu einer besonderen Herausforderung gemacht.
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Derzeit ist noch unklar, wie es zu dem Brand kommen konnte.
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Der in Erfüllung gegangene Traum der Gebrüder Scheiber – so nannten sie das Motorradmuseum bei seiner Eröffnung vor mehr als vier Jahren – liegt nach wenigen Stunden in Trümmern. „Es sind Maschinen von uns kaputt“, sagt Alban Scheiber. „Aber auch Leihgaben von anderen Museen, Oldtimer und Stücke, die uns Freunde, Gönner und bekannte Sammler zur Verfügung gestellt haben. Wir hatten uns vorgenommen, das beste Motorradmuseum Europas zu werden, wollten weiter ausbauen.“ Das Erreichen dieses Ziels müssen die Ötztaler auf unbestimmte Zeit verschieben.

Einige Exponate konnten gerettet werden, aber Hunderte sind unwiederbringlichlich zerstört.
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„Wir sind eine starke Familie, schauen nach vorne“, sagt Scheiber, „Es bleibt uns ja nichts anderes übrig.“ Nach den ständigen Einschränkungen durch die Pandemie, den damit einhergehenden finanziellen Einbußen im Hotel- und Ski-Geschäft und der Tatsache, dass die Timmelsjochstraße, welche ebenfalls von der Familie betrieben wird, nach einem Felssturz im Sommer später als üblich geöffnet werden konnte, sei der Brand „der nächste, schwere wirtschaftliche Dämpfer“. Es werden schwierige Jahre auf das Unternehmen zukommen, glaubt er. „So oder so, es wird wieder einen Aufbau geben.“

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