Nawalny in berüchtigtem Moskauer Gefängnis inhaftiert

Nach seiner Verhaftung in Moskau wurde der Kremlkritiker Alexej Nawalny offenbar in das berüchtigte Gefängnis Matrosenruhe gesperrt. In diesem kam es in der Vergangenheit immer wieder zu rätselhaften Todesfällen.

Oppositionsführer Alexej Nawalny wurde nach seiner Ankunft in Russland umgehend festgenommen.
© Alexander NEMENOV / AFP

Moskau – Der gerade erst nach Russland zurückgekehrte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny wird in der Hauptstadt Moskau in einem besonders gefürchteten Untersuchungsgefängnis festgehalten. Nawalny sei am Montagabend in die Haftanstalt Matrosenruhe gebracht worden, schrieb ein Sprecher von Moskaus ziviler Beobachtungskommission am Dienstag in seinem Telegram-Kanal. Zuvor hatte auch Nawalnys Team diese Befürchtung geäußert.

📽️ Video | Prozess gegen Nawalny eingeleitet

In dem Gefängnis gab es immer wieder rätselhafte Todesfälle - unter anderen starb dort im Jahr 2009 der Anwalt Sergej Magnitski. Ein Teil der Untersuchungshaftanstalt wird laut dem Chef von Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung, Iwan Schdanow, vom Inlandsgeheimdienst FSB kontrolliert. „Eben der FSB, der versucht hat, Nawalny zu vergiften“, so Schdanow. Nawalny sitze nun zum ersten Mal in einem richtigen Untersuchungsgefängnis, schrieb seine Sprecherin Kira Jarmysch. Es sei fast unmöglich, dort mit ihm Kontakt aufzubauen.

Angaben der zivilen Beobachtungskommission zufolge soll es Nawalny in der Haft verhältnismäßig gut gehen. Er sei „froh, wieder in der Heimat zu sein“, die Gefängniswärter übten bisher „keinen moralischen und physischen Druck“ auf ihn aus.

jobs.tt.com: Suchen und gefunden werden

Laden Sie Ihren Lebenslauf auf jobs.tt.com hoch und werden Sie von Top-Arbeitgebern aus Tirol gefunden.

Die Behörden äußerten sich weiter nicht zum Aufenthaltsort des 44-jährigen Oppositionellen, der am Sonntagabend direkt nach seiner Ankunft aus Deutschland am Flughafen festgenommen worden war. Dort war er nach einem Giftanschlag mit dem Nervengift Nowitschok im August im sibirischen Tomsk behandelt worden.

Die Anhänger Nawalnys sind besorgt um das Leben des Kremlkritikers.
© Alexander NEMENOV / AFP

Direkt nach seiner Ankunft wurde Nawalny in einem umstrittenen Schnellverfahren mit 30 Tagen Haft belegt. Ihm wird vorgeworfen, gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen zu haben. Nawalny und sein Team kritisieren das Verfahren als politische Inszenierung mit dem Ziel, ihn zum Schweigen zu bringen. „Ein normaler Mensch kann diese Absurdität nicht verstehen“, schrieb seine Sprecherin Jarmysch am Dienstag auf Twitter. Nawalny rief seine Anhänger zu Protesten auf.

Die russische Führung schwieg weitgehend zu dem Verfahren um Nawalny. Außenminister Sergej Lawrow gab in Moskau zwar eine Online-Pressekonferenz, betonte aber, er sei für die rechtliche Seite des Falls in Russland nicht zuständig. Das sei Sache der russischen Sicherheitsorgane. Gleichwohl forderte er Deutschland erneut dazu auf, Beweise für eine Vergiftung Nawalnys vorzulegen.

📽️ Video | Krisai (ORF) über Nawalnys Prozess

Die russische Generalstaatsanwaltschaft warf Deutschland unterdessen vor, Rechtshilfeersuchen wenig aufschlussreich beantwortet zu haben. „Das zeigt die Absicht der ausländischen Kollegen, die wahren Umstände des Vorfalls zu verbergen, um die unbegründeten Anschuldigungen gegen die russische Seite fortzusetzen“, hieß es. Am Freitag hatten die deutschen Behörden mitgeteilt, sie hätten die russischen Gesuche beantwortet. Berlin forderte Moskau zudem erneut auf, das Verbrechen an Nawalny aufzuklären.

Nawalny und sein Team machen Russlands Präsidenten Wladimir Putin und den FSB für den Giftanschlag mit dem Nervengift Nowitschok verantwortlich. Putin und der FSB weisen die Anschuldigungen zurück. (APA/dpa)


Kommentieren


Schlagworte