Bankomatsprengungen in Weer und Hopfgarten: Bande ausgeforscht

Die Landeskriminalämter Tirol, Salzburg und Vorarlberg konnten in Zusammenarbeit drei Männer ausforschen, die im Mai und Juni 2020 vier Bankomaten in Westösterreich in die Luft gesprengt haben. In Tirol schlugen sie in Weer und Hopfgarten zu.

Dieser Bankomat in Weer wurde im Mai 2020 gesprengt. (Archivfoto)
© ZOOM.TIROL

Von Thomas Hörmann

Weer, Hopfgarten – Die spektakulären Sprengungen von zwei Bankomaten in Hopfgarten und Weer sind geklärt. Die Polizeibeamten konnten drei Rumänen als mutmaßliche Täter ausforschen und in Vorarlberg bzw. Dänemark festnehmen. Bei den Beschuldigten dürfte es sich um professionelle Serientäter handeln, die nicht nur in Tirol zugeschlagen haben. Den Rumänen werden auch Bankomatsprengungen in Salzburg, Dänemark und der Schweiz angelastet.

Rückblende: In der Nacht zum 13. Mai 2020 gegen zwei Uhr flog ein Bankomat in Weer in die Luft. Das Werk von zunächst unbekannten Einbrechern, die sich so Zugang zum Geldbehälter verschafften. Mit einer Beute im deutlich fünfstelligen Bereich ergriffen die Täter die Flucht, die Fahndung der Polizei blieb zunächst ohne Ergebnis. Genau eine Woche später explodierte ein Bankomat in Hopfgarten im Brixental. Zuvor hatten die Einbrecher die Überwachungskamera mit Farbe „erblinden“ lassen. Erneut gelang die Flucht mit dem Inhalt des Geldbehälters.

📽️ Video | Bankomatsprengungen sind geklärt:

Am 29. Mai war ein Bankomat in Leogang in Salzburg an der Reihe: Die Täter schlugen erneut gegen zwei Uhr zu, sprengten das Gerät, erbeuteten den Inhalt und verschwanden in der Dunkelheit. Vier Tage später wiederholte sich das Spiel in Bludesch in Vorarlberg. Doch diesmal hatten die Einbrecher Pech – der Bankomat blieb trotz Sprengung zu, die Täter mussten diesmal ohne Beute flüchten.

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Für die Ermittler war rasch klar, dass die drei Straftaten zusammenhängen. Der Auftakt für gemeinsame Ermittlungen der Landeskriminal­ämter von Tirol, Salzburg und Vorarlberg. „Wir haben uns auch in den Nachbarländern nach ähnlichen Fällen erkundigt“, erzählt Katja Tersch, Leiterin des Landeskriminalamtes in Innsbruck. „Tatsächlich erhielten wir in der Folge aus dem Ausland Hinweise auf drei Rumänen.“ Hinweise, die in Verbindung mit einer sichergestellten DNA-Spur zum Durchbruch bei den Ermittlungen führten. Denn – wie der Vergleich ergab, stammte der genetische Fingerabdruck tatsächlich von einem der drei Rumänen. In der Folge ging es Schlag auf Schlag. Noch im Juni konnten Polizeibeamte in Vorarlberg einen 30-jährigen Verdächtigen festnehmen. Gegen den mutmaßlichen Serientäter aus Rumänien bestand bereits ein Haftbefehl aus der Schweiz. So wurde der Mann der eidgenössischen Justiz übergeben.

Auch seine zwei Komplizen (42 bzw. 43 Jahre) wurden noch im Juni in Handschellen gelegt. Und zwar in Dänemark, nachdem sie dort offenbar einen weiteren Bankomaten gesprengt hatten. Allein in Österreich verursachte das Trio einen Sachschaden von etwa 40.000 Euro. Die Höhe der Beute wurde von der Polizei nicht bekannt gegeben. Die Ermittler haben keine Zweifel, dass alle vier Bankomatsprengungen in Tirol, Salzburg und Vorarlberg auf das Konto des Trios gehen. „Die Vorgangsweise war in allen Fällen dieselbe“, sagt die LKA-Leiterin: „Dafür sprechen auch die Tatzeiten, die Täter verübten die Einbrüche immer zwischen zwei und drei Uhr.“ Tersch bedankt sich jedenfalls bei allen beteiligten Dienststellen im In- und Ausland für die gute Zusammenarbeit.

Die jetzt geklärte Serie weist einige Parallelen zu ähnlichen Straftaten im Sommer 2019 auf. Damals sprengten zunächst unbekannte Täter Bankomaten in Nussdorf-Debant, Vomp und auch Hopfgarten. Im Herbst 2019 wechselten die Einbrecher nach Kärnten. Nach der Sprengung eines weiteren Geldautomaten konnte die Polizei dort einen Rumänen festnehmen, der den Coup in Nussdorf auch zugab. Im November wurde ein 48-jähriger Lokalbesitzer im Raum Venedig verhaftet. Der Italiener soll am Bankomateinbruch in Vomp beteiligt gewesen sein. Er wurde im Juni 2020 am Innsbrucker Landesgericht zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Seinen Beuteanteil von 52.000 Euro kassierte die Republik.

Dass das im Juni verhaftete Rumänen-Trio auch schon an der ersten Serie beteiligt war, schließt Tersch aus: „Dafür gibt es keine Hinweise.“


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