Gut zu wissen: Diese Regeln gelten in der Lockdown-Verlängerung seit Montag

Seit Montag ist der harte Lockdown in Österreich in der Verlängerung. Dabei werden manche Maßnahmen aufgrund stagnierender Infektionszahlen sogar verschärft. Was es dazu zu wissen gibt.

In Öffis müssen nun höherwertige FFP2-Masken getragen werden.
© HERBERT NEUBAUER

Wien – Ursprünglich sollte der harte Lockdown mit einem weitestgehend heruntergefahrenen öffentlichen Leben am Sonntag enden. Aufgrund stagnierender bzw. zu langsam sinkender Coronavirus-Infektionszahlen ist er in die Verlängerung gegangen. Seit dem 25. Jänner werden jedoch nicht nur die bereits bestehenden Maßnahmen fortgeführt, sondern der neuen Situation mit den als noch infektiöser geltenden Varianten des Virus angepasst.

Im Wesentlichen geht das Leben in Österreich so weiter, wie wir es seit dem Stefanitag kennen. Das Haus darf man nur aus bestimmten Gründen verlassen, also beispielsweise um zur Arbeit zu kommen, den Hund auszuführen, Sport zu betreiben oder einzukaufen.

🔽 Was ist das Ziel des Lockdowns?

Ein exaktes Zahlenziel hat die Regierung nicht vorgegeben, aber zumindest einen Idealwert, nämlich eine Sieben-Tages-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern, was knapp 700 Neuinfektionen pro Tag entsprechen würde. Zum Vergleich: Der Sieben-Tages-Schnitt lag zuletzt bei rund 1500 Neuinfektionen, die Inzidenz über 130. Ab welchem Wert der strikte Lockdown mit 8. Februar tatsächlich gelockert wird, sagt die Regierung nicht.

🐘 Der Mindestabstand beträgt nun zwei Meter

Um Ansteckungen zu vermeiden, ist seit Beginn der Pandemie ein Mindestabstand zwischen haushaltsfremden Personen vorgeschrieben. Bislang betrug dieser einen Meter, in etwa die Größe eines Babyelefanten, wie es immer geheißen hatte. Nun muss man sich einen größeren Elefanten vorstellen: Ab Montag heißt es gesetzlich verordnet, mindestens zwei Meter Sicherheitsabstand zu halten.

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▶️ Ausgenommen sind nicht nur Personen aus dem eigenen Haushalt, sondern ebenso nicht im gemeinsamen Haushalt wohnhafte Lebenspartnerinnen/Lebenspartner, einzelne engste Angehörige und einzelne wichtige Bezugspersonen.

↔️ Wo muss der Mindestabstand eingehalten werden?

Der Abstand von mindestens zwei Metern ist an allen öffentlichen Orten einzuhalten. Auch genesene und geimpfte Personen müssen den Mindestabstand einhalten.

Ebenso gilt der Mindestabstand am Arbeitsplatz, es sei denn, es können sonstige, gleichwertige Schutzmaßnahmen getroffen werden (z.B. Aufstellen von Plexiglaswänden).

📢 Was droht bei Missachten des Mindestabstands?

Die Polizei hat die Möglichkeit bei Missachtung der Abstandsregel statt Erstattung einer Anzeige ein Organstrafmandat in Höhe von 50 Euro auszustellen.

😷 Tragepflicht der FFP2-Maske wird ausweitet

Bislang war im öffentlichen Leben der einfache Mund-Nasen-Schutz omnipräsent. Dieser schützt jedoch nur davor, andere anzustecken. Der Träger selbst ist nicht geschützt. Nun soll eine Maßnahme hier Infektionen noch unwahrscheinlicher machen: Künftig müssen in etlichen Lebensbereichen FFP2-Masken getragen werden.

▶️ Die Maßnahme gilt für:

◾️ Öffentliche Verkehrsmittel

◾️ Fahrgemeinschaften

◾️ Seil- und Zahnradbahnen

◾️ Kundenbereiche von Betriebsstätten des Handels (sofern geöffnet) sowie von Betriebsstätten nicht körpernaher Dienstleistungsbetriebe (körpernahe Dienstleistungen bleiben weiterhin untersagt!)

◾️ Märkte (indoor und outdoor)

◾️ Parteienverkehr von Verwaltungsbehörden und Verwaltungsgerichten

◾️ Gastronomie – sofern geöffnet (z.B. beim Abholen von Speisen und in Betriebskantinen)

◾️ Beherbergungsbetriebe – sofern geöffnet (in allgemein zugänglichen Bereichen wie der Lobby oder an der Rezeption, gilt nicht im Zimmer; Betretung weiterhin nur aus Ausnahmegründen wie zu dringenden beruflichen Zwecken.

▶️ Die FFP2-Pflicht gilt auch für genesene und geimpfte Personen.

❓ Für wen gilt die Tragepflicht einer FFP2-Maske?

Die FFP2-Pflicht gilt ab dem Alter von 14 Jahren, ab 6 Jahren kann stattdessen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Jüngere Kinder müssen den Mund-Nasenbereich nicht abdecken.

Schwangere sind von der allgemeinen Pflicht, eine FFP2-Maske zu tragen, ausgenommen. Aus Infektionsschutzgründen sollten Schwangere aber jedenfalls eine den Mund- und Nasenbereich abdeckende und enganliegende mechanische Schutzvorrichtung tragen. Auf freiwilliger Basis können natürlich auch höherwertige Masken getragen werden. Aktuelle Studien zeigen, dass bei einer Tragedauer von insgesamt maximal einer Stunde pro Tag eine Gefährdung der Schwangeren und des ungeborenen Babys unwahrscheinlich ist. Für eine Tragedauer von über einer Stunde liegen derzeit keine ausreichenden wissenschaftlichen Untersuchungen vor.

🤧 Ich habe Atemprobleme (z.B. aufgrund einer Lungenerkrankung). Muss ich eine FFP2-Maske tragen?

Personen, denen das Tragen aus gesundheitlichen Gründen nicht zugemutet werden kann (z.B. Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen, Angststörungen oder mit fortgeschrittener Demenz, Kinder mit ADHS, Asthma etc.) sind von der FFP2-Pflicht ausgenommen. Diese Personen dürfen eine nicht enganliegende, aber den Mund- und Nasenbereich vollständig abdeckende mechanische Schutzvorrichtung tragen, wenn diese bis zu den Ohren und deutlich unter das Kinn reicht.

Sofern auch dies nicht zugemutet werden kann, gilt die MNS-Pflicht nicht. Im Fall der Kontrolle durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes sind die Gründe der Inanspruchnahme durch eine von einem in Österreich zur selbstständigen Berufsausübung berechtigten Arzt oder eine Ärztin ausgestellte Bestätigung nachzuweisen.

❓ Was passiert, wenn ich keine FFP2-Maske trage, obwohl diese vorgeschrieben ist?

Die Polizei hat die Möglichkeit bei Missachtung statt Erstattung einer Anzeige ein Organstrafmandat in Höhe von 25 Euro auszustellen.

🧫 Weitere Berufsgruppen sollen wöchentlich getestet werden

Wöchentliche Berufsgruppentestungen sind ergänzend zu den schon bisher verpflichtenden Testungen im Gesundheits- und Pflegebereich für die folgenden Bereiche vorgesehen, informiert das Sozialministerium:

◾️ Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer mit Kontakt zu Kundinnen/Kunden (z.B. Handel, Dienstleistungen, Verkehr)

◾️ Lehrerinnen/Lehrer und Elementarpädagoginnen/-pädagogen bei Kontakt zu Schülerinnen/Schülern

◾️ Lagerlogistik, wenn Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter den Mindestabstand regelmäßig unterschreiten

◾️ Öffentlicher Dienst (Parteienverkehr)

◾️ Spitzensport (bei Mannschafts- und Kontaktsportarten)

📢 Für die Berufsgruppentestungen gilt: Wer nicht getestet ist, muss eine FFP2-Maske tragen. Im Gesundheits- und Pflegebereich sind sowohl Testungen als auch FFP2-Masken (bei Kontakt zu Patientinnen/Patienten bzw. Bewohnerinnen/Bewohnern) vorgeschrieben.

🏛 Was gilt für den Kulturbetrieb, Sport und Freizeit?

Museen, Bibliotheken, Büchereien und Archive bleiben vorerst geschlossen. Für Bibliotheken ist künftig Click&Collect möglich.

Auch Tierparks, Zoos und botanische Gärten bleiben vorerst geschlossen.

Outdoor-Sportstätten dürfen weiterhin betreten werden (z.B. Eislaufplatz, Loipen), die 10-m2-Regel ist einzuhalten. Künftig muss zudem ein Abstand von mindestens 2 Metern eingehalten werden.

✂️ Wann der Handel, die Gastro und der Frisör wieder öffnen

Wer Kleidung gerne probiert, bevor er sie kauft, wird dazu frühestens ab 8. Februar wieder die Gelegenheit haben. Bis dahin bleiben alle Geschäfte, die nicht für die tägliche Versorgung nötig sind, geschlossen. Einzig die Möglichkeit, Waren zu bestellen und bei den Shops abzuholen, besteht weiter. Auch für die körpernahen Dienstleister wie Friseure, Kosmetiksalons oder Tätowierer geht die unfreiwillige Pause bis dahin weiter. Wenn es dann wieder los geht, ist eine höherwertige FFP2-Maske anzulegen.

Zum Wirt kann man weiter höchstens dann gehen, wenn man dort Speis und Trank abholen will. Take Away und Lieferdienste bleiben, ansonsten hat die Gastronomie bis Ende Februar unfreiwillig zu.

💻 Wie es mit dem Home Office weitergeht

Nichts Neues gibt es in Sachen Arbeitsplatz. Das Home Office wird Unternehmen zwar dringend empfohlen, aber nicht vorgeschrieben.

🏙 Und was ist mit den Schulen?

Präsenzunterricht startet erst nach den Semesterferien im Osten, also ab 8. Februar, allerdings nur in Wien und Niederösterreich und das im Schichtbetrieb. Die anderen Bundesländer beginnen nämlich mit Ende des Lockdowns ihre Semesterferien. Steiermark und Oberösterreich ziehen sie für diesen Zweck eine Woche vor, da sie sonst nach einer Woche Unterricht gleich wieder in den Ferienmodus umstellen müssten. Betreuungsmöglichkeiten an Schulen und in Kindergärten bleiben bestehen.

⚽️ Bleiben Veranstaltungen verboten?

Veranstaltungen bleiben bis Ende Februar untersagt, Ausnahmen gibt es nur für den Sport und das ohne Publikum. Theater und Oper müssen zuwarten. Geplant ist ein Neustart mit März, doch wollte das Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) nicht garantieren. Besser geht es den Museen, Bibliothen und Archiven. Sie sollen gleichzeitig mit dem Handel ab 8. Februar öffnen können. Wer rein will, muss eine FFP2-Maske anlegen. (TT.com)


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