Informatiker haben berechnet: „Lockdown light" bricht Infektionswelle nicht

Erst wenn mindestens 40 Prozent der Bevölkerung geimpft sind, greift ein „weicher" Lockdown – wie Informatiker der Universität Salzburg mithilfe einer Simulation berechnet haben.

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(Symbolbild)
© THOMAS COEX

Wien – Selbst bei optimistischen Annahmen kann ein „weicher" Lockdown die Ausbreitung von Covid-19 nicht brechen. Zu diesem Ergebnis ist nun eine Arbeitsgruppe des Informatikers Robert Elsässer an der Universität Salzburg gekommen. Erst wenn mindestens 40 Prozent der Population immunisiert sind, greift ein „Lockdown light", zeigen mathematische Modelle. Bis dahin seien zur effektiven Pandemie-Bekämpfung harte Maßnahmen inklusive Schulschließungen zielführend, folgern die Forscher.

Elsässer und sein Team haben dazu in den ersten Jännerwochen eine große Anzahl von Simulationen mit unterschiedlichen Parametern durchgeführt. Sie konzentrierten sich auf die Übertragung von Viren in geschlossenen Räumen, konkret an Schulen, am Arbeitsplatz und in den Familien. Variiert wurden etwa das Ausmaß von Distance Learning, der Anteil von Homeoffice oder die Übertragungswahrscheinlichkeiten zuhause oder bei Kindern unter 14 Jahren.

Mit optimistischen und pessimistischen Annahmen gearbeitet

„Wir haben dafür die einschlägige Fachliteratur bezüglich der Übertragungswahrscheinlichkeiten von SARS-CoV-2 über Tröpfchen und Aerosole herangezogen. Darauf aufbauend wurde ein mathematisches Modell entwickelt, das die Altersverteilung berücksichtigt, und die Bewegung von Personen zwischen Schule, Arbeitsplatz und Familie zugrunde legt", so Elsässer. Gearbeitet wurde dabei mit sowohl optimistischen wie pessimistischen Annahmen. Bei den optimistischen Szenarien in der Arbeitswelt etwa gingen die Forscher davon aus, dass in den Büros die Infektion lediglich über Aerosole weitergegeben wird, eine Infektion über Tröpfchen aber mit Hilfe geeigneter Maßnahmen wie Trennglas zwischen den Arbeitsplätzen bzw. Masken unterbunden wird.

„Die Simulationsergebnisse deuten darauf hin, dass selbst bei Best-Case-Annahmen ein weicher Lockdown die Ausbreitungswelle nicht brechen kann – der Prozess wird lediglich verlangsamt", resümiert Elsässer. „Um beispielsweise die Infektionsketten in Schulen zu unterbrechen, müssten im Falle einer nachgewiesenen Infektion die betroffene Klasse sowie alle K1 Kontakte der infizierten Person umgehend in Quarantäne wechseln."

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Hier komme erschwerend hinzu, dass gerade Schülerinnen und Schüler oft keine oder nur sehr milde Symptome zeigen – laut einer Studie der London School of Hygiene & Tropical Medicine ist das bei etwa 79 Prozent der zehn bis 19-Jährigen der Fall – aber das Virus dennoch weitergeben können. „Da diese Kinder in der Regel erst getestet werden, nachdem die Eltern sich infiziert haben, scheint sich die Epidemiewelle leider nur mit harten Maßnahmen brechen zu lassen – durch Distance Learning und Homeoffice wo nur möglich".

Vor Immunisierung harte Maßnahmen notwendig

Die Simulationen hätten eindeutig gezeigt, dass ein „weicher" Lockdown die Infektionswelle erst brechen kann, wenn in etwa 40 Prozent der Population immunisiert wurde. „Davor sollte die Ausbreitung der Infektion mit harten Maßnahmen zusätzlich zu den weichen Maßnahmen wie Abstand halten, Maske verwenden und Händehygiene – bekämpft werden", sagte Elsässer.

Als Basis dienten den Informationen in erster Linie Daten aus der Stadt Salzburg. Die Simulationen würden sich jedoch gut für andere geschlossene Bereiche in Österreich eignen – eben Städte wie Salzburg, Wien oder Linz – aber weniger gut für ländliche Regionen. In den Modellen noch nicht berücksichtigt wurde die neue Virusmutation B.1.1.7 aus Großbritannien, die aufgrund der höheren Infektionswahrscheinlichkeit den Epidemieverlauf weiter verstärken könnte. Bis jetzt sei man auch von vollen Volksschul- und Unterstufenklassen ausgegangen. Darum sollen demnächst auch geteilte Klassen in die Simulationen mit einbezogen werden. (APA)


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