Überwältigt von so vielen Ideen: Die kreativsten Schneemänner der TT-Leser

Das große Schneemann-Spezial: Hier finden Sie nicht nur Bautipps vom Bildhauer, Wissenswertes vom Physiker und Kurioses vom Sammler. Zu sehen gibt es auch Tirols kreativste Figuren der TT-Leser, gemacht aus der weißen Pracht.

Mehr als 60 Schneemänner haben wir bereits gesammelt, weitere können in der Lesergalerie unten im Artikel hochgeladen werden.
© TT-Leser

Von Matthias Christler

Der Schneemann ist die Kunst des kleinen Mannes, heißt es. Aber so ganz stimmt das nicht. Er ist auch die Kunst der großen Männer, der Frauen, der Kinder, von Oma und Opa, von der ganzen Familie, von Schulklassen und, und, und ... Die Schneemassen seit Mitte Jänner haben unzählige Tiroler inspiriert. Wir in der Redaktion jedenfalls waren in den vergangenen Tagen – seit wir einen Aufruf gestartet haben, uns Fotos von den schönsten Schneefiguren zu schicken – begeistert von der Resonanz.

Mehr als 60 Schneemänner, Schneefrauen, stehend, liegend, kopfüber, angezogen, nackig, auch Schneetiere – von der Katze bis zum Krokodil –, außerdem Schnee-Sternenkrieger und Schnee-Superhelden oder Schneehexen machen bei Tirols wohl größter Schneefiguren-Parade mit. Wie viele Tonnen Schnee da verarbeitet sind? Sicher einige, wenn man bedenkt, dass laut Physiker ein Kubikmeter zwischen 100 und 500 kg wiegen kann.

📸 | Die kreativsten Schneemänner der TT-Leser:

▶️ Wenn auch Sie noch einen tollen Schneemann-Schnappschuss haben, laden Sie ihn einfach in unserer Galerie hoch.

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Der größte Tiroler Schneemann der vergangenen Jahre legt heuer übrigens eine Pause ein. Vor dem Gasthof Dorfstube von Martin Hanny in Holzgau stand der 11-Meter-Riese und begrüßte Touristen im Lechtaler Ort. „Der Aufbau dauerte drei Wochen und ungefähr 100 Arbeitsstunden, weil man schon warten musste, bis sich der Schnee setzt. Allein der Hut hatte immer eine Tonne Gewicht. Deshalb musste man im Inneren vier Holzstämme aufstellen, um alles zu stabilisieren“, erzählt Hanny. Heuer, auch weil kaum Urlauber den sympathischen Riesen zu Gesicht bekommen hätten, hat der Tourismusverband auf den Aufbau verzichtet. Des einen Leid, des anderen Freud. Sicher spielte auch die Corona-Pandemie eine Rolle, dass heuer viele Tiroler daheim mehr Zeit hatten, um ihre kreativen Ideen im Schnee und mit dem Schnee umzusetzen.

Der Riese. In den vergangenen Jahren wurde in Holzgau dieser Elf-Meter-Riese aufgebaut. Doch es kommt nicht immer auf die Größe an, wie dieGalerie oben zeigt.

⛄ Das sagt der Bildhauer

Begonnen hat bei Reini Meilinger alles „mit Schutzwänden aus Schnee für Schneeballschlachten“, erinnert sich der 32-jährige Bildhauer und Steinmetz aus Going an erste Bauversuche als Kind. Die ersten professionellen Arbeiten waren Iglus, später kamen Skulpturen dazu, wie ein zwei bis drei Meter großer Slalomfahrer im Auftrag des Tourismusverbandes.

Weil Kunstschnee, wie er ihn meist verwendet, daheim im Garten selten ist, hat er für jene Baumeister, die professioneller arbeiten wollen, einen Tipp: „Man kann sich eine Schalung machen und einen möglichst warmen, patzigen Schnee hineingeben, dann verdichten und über Nacht durchfrieren lassen.“

Für jede Figur, egal, ob aus der Schalung oder klassisch in gerollter Form, kann man die gleichen Werkzeuge nutzen: „Maurerkellen sind ideal, auch ein Schäpser, also ein Rindenschäler, eignet sich gut“, sagt der Bildhauer. Für ihn ist es keine Überraschung, dass derzeit so viele Kunstwerke entstehen: „Schnee ist ein faszinierendes Material.“

© CHRIMANG

⛄ Das sagt der Sammler

Cornelius Grätz aus Reutlingen ist 50 und hat in seinem Leben 5000 Schneemänner gesammelt. Nicht aus Schnee, sondern Darstellungen und Objekte. Angefangen hat es mit einem aus Marzipan, den er als 13-Jähriger aus einem selbst gebastelteten Adventkalender seiner Mutter geholt hat.

Seit fast 20 Jahren stellt er die Objekte in einem Museum aus und organisiert Ausstellungen in anderen Ländern. Gerne würde der Erfinder des Tags des Schneemanns (18.1.) wieder einmal in Österreich sein. Damit die Geschichte des Schneemanns nicht in Vergessenheit gerät: „In der Literatur ist er erstmals ab 1750 aufgetaucht, etwa in Kinderliedern. Die ersten Darstellungen gab es um 1780 auf Kalenderblättern, aber damals war der Schneemann als bedrohliche Figur abgebildet, die den harten Winter symbolisieren sollte. Erst als die Postkarten zum Massenmedium wurden, setzte sich der Schneemann als sympathisches Symbol für den Winter durch.“

Den Marzipan-Schneemann hat er noch: „Aber die Farbe hat sich in den 37 Jahren sehr verändert.“

© CHRIMANG

⛄ Das sagt der Physiker

Die weitläufige Meinung lautet in etwa so: Leichter, frisch gefallener Schnee ist nichts für den Schneemann, kompakter, schwerer Schnee eignet sich perfekt. Wer allerdings wie Physiker Henning Löwe vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos genau hinsieht, der landet bei den Kristallen: „Wenn man es schafft, einzelne Kristalle dicht aneinanderzupressen, dass sie sich verbinden, erhält man eine feste Struktur.“ Das hänge primär von der Temperatur des Schnees ab.

Löwe leitet die Gruppe Schneephysik und beschäftigt sich mit Mikrostrukturen der weißen Flocken. Vor einigen Jahren hat er für das Buch „Schnee“ des SLF das Kapitel „Schneeball-Tuning“ verfasst. Bei ganz knapp unter Null Grad Celsius könne man diesen sehr gut rollen, weil auch die Temperatur der Hände den Schnee leicht schmelzen lässt, erklärt er. „Kleine Wassertropfen entstehen und die bilden eine Art zusätzliche Eisschale.“ Man könne auch den Schnee für den Schneemann mit etwas Wasser übergießen, um das zu simulieren – aber nicht zu viel, „sonst bekommt man einen Matschmann“.


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