Home-Office-Regeln: Weiterhin freiwillig und steuerlich begünstigt

Die Arbeit im Home-Office bleibt weiterhin Vereinbarungssache. Für Arbeitnehmer gibt es steuerliche Begünstigungen, die schon bei der Arbeitnehmerveranlagung 2020 greifen. Beschäftigte im Home-Office sind zudem unfallversichert. Das sind die Eckpunkte der neuen Home-Office-Regelung.

Für die Arbeit im Home-Office wurden Steuerbegünstigungen vereinbart.

Wien – Das Warten auf gesetzliche Regeln für Home-Office-Arbeit hat ein Ende: Finanzminister Gernot Blümel, Arbeitsminister Martin Kocher (beide ÖVP) und die Sozialpartner haben am Dienstag eine Einigung erzielt, teilte die Regierung nach der Ministerratssitzung am Mittwoch mit. Die Kernpunkte: Die Arbeit im Home-Office bleibt weiterhin Vereinbarungssache, für Arbeitnehmer gibt es steuerliche Begünstigungen bis zu 600 Euro und Beschäftigte im Home-Office sind unfallversichert.

📽️ Video | Home-Office: Alles bleibt freiwillig

Weiterhin keine Verpflichtung

Zuletzt war auch die Forderung vonseiten der Arbeitnehmervertreter diskutiert worden, dass Arbeitgeber ihren Mitarbeitern verpflichtend die Möglichkeit zum Home-Office anbieten sollten, wenn das möglich ist. Eine solche Verpflichtung kommt nicht. „Wir haben vereinbart, dass Home-Office weiterhin Vereinbarungssache zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bleibt. Home-Office bleibt weiterhin freiwillig“, sagte Kocher im Pressefoyer nach dem Ministerrat. Die Vereinbarung soll schriftlich erfolgen und von beiden Seiten unter Einhaltung einer einmonatigen Frist widerrufen werden können, hieß es in einer Mitteilung des Arbeitsministeriums. Auch freiwillige Betriebsvereinbarungen sollen möglich sein.

Weiter wird klargestellt, dass die Bereitstellung von digitalen Arbeitsmitteln (z.B. Laptop) durch den Arbeitgeber kein steuerpflichtiger Sachbezug ist. Zahlungen der Arbeitgeber zur Deckung der Mehrkosten im Home-Office für Laptops oder Mobilgeräte sollen bis zu 300 Euro pro Jahr steuerfrei sein. Außerdem sollen Arbeitnehmer auch andere Aufwendungen bis zu 300 Euro als Werbungskosten absetzen können – in Summe also bis zu 600 Euro.

jobs.tt.com: Suchen und gefunden werden

Laden Sie Ihren Lebenslauf auf jobs.tt.com hoch und werden Sie von Top-Arbeitgebern aus Tirol gefunden.

Bereits für Arbeitnehmerveranlagung 2020 gültig

Diese Regelung soll bereits für die Arbeitnehmerveranlagung 2020 gelten, in diesem Fall gilt die 300-Euro-Grenze allerdings für das Jahr 2020 und 2021 zusammen. Wann genau die neuen Regeln im Nationalrat beschlossen werden, ist noch offen, der Beschluss soll aber so rasch wie möglich erfolgen, so Kocher.

V.l.: Arbeitsminister Martin Kocher, Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne).
© HANS PUNZ

„Ich glaube, dass die Einigungen für beide Seiten – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – einen Vorteil bringt“, sagte der Ressortchef. Die Möglichkeit des Home-Office könne „je nach Branche, je nach Erfordernis“ ausgestaltet werden. „Es gibt die Möglichkeit, das nur wenige Stunden in der Woche bis eben auch sehr umfangreich zu nutzen“, sagte er. Auch betonte Kocher, dass Arbeitsinspektorate keinen Zutritt in die Wohnungen der Arbeitnehmer haben werden. Die Arbeitszeit werde genauso wie im Büro berechnet werden.

Regelung soll bestehen bleiben

Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) sagte, es gehe auch darum, in Zeiten der Pandemie Rechtssicherheit zu schaffen – sowie einen Anreiz, möglichst die Kontakte zu reduzieren und die Arbeit von zuhause aus zu ermöglichen. Im Jahr 2023 soll dann eine Evaluierung erfolgen, die Regelung soll ja über die Pandemie hinaus bestehen bleiben. Für den Staat rechnet Blümel aufgrund der vorgesehenen Steuererleichterungen mit Mindereinnahmen von bis zu 150 Mio. Euro pro Jahr.

Wir gehen davon aus, dass das deutlich mehr Sicherheit, Verlässlichkeit bringen wird für die Betroffenen.
Gesundheitsminister Rudolf Anschober

Auch Gesundheitsminister Rudolf Anschober verwies auf die Bedeutung der Maßnahme für die Eindämmung der Pandemie. Man wisse, dass gerade im Frühling die Beanspruchung des Home-Office eine „erfreulich starke“ gewesen sei. Jetzt liege die Inanspruchnahme aber doch deutlich niedriger. Mehr Home-Office bedeute weniger Bewegung und damit weniger Ansteckungsrisiko. Sein Appell laute daher, die Möglichkeit des Home-Office stärker zu nützen. Beim Unfallversicherungsschutz soll die Regelung eine „vollständige Synchronisierung“ zwischen Arbeitsplatz und Home-Office bringen, so Anschober. „Wir gehen davon aus, dass das deutlich mehr Sicherheit, Verlässlichkeit bringen wird für die Betroffenen.“

Die Corona-Pandemie, die als Turbo für die Heimarbeit diente, hat konkrete Regeln notwendig gemacht. Diese sollen über die Krise hinaus praktikabel anwendbar sein. Ursprünglich hatten sich die Sozialpartner geeinigt, die Gewerkschaft GPA forderte zuletzt mehr Tempo seitens der Bundesregierung aus ÖVP und Grünen. (APA)


Kommentieren


Schlagworte