„Rassistische Malvorlage": Aufregung um Lernunterlage für Tiroler Volksschüler

Bei Schwungübungen und Vorübungen für die Schreibschrift sollten Volksschüler den Kopf eines Schwarzafrikaners nachzeichnen. NEOS-Nationalratsabgeordneter Yannick Shetty übt scharfe Kritik. Tiroler Bildungsservice und auch die Bildungsdirektion distanzieren sich.

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Das Tiroler Bildungsservice stellte diese Schwungübung für Volksschüler online.
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Innsbruck – Breite Nase, große abstehende Ohren und gekräuseltes Haar. Daneben die Bezeichnung „Neger“. Was nach rassistischer Propaganda klingt, fand sich bis gestern Mittag unter dem Titel „Schwungübungen und Vorübungen zur Schreibschrift“ als Lernmaterial auf der Online-Plattform des Tiroler Bildungsservice (TIBS). Versprochen wurden dabei „praktische, lustbetonte Übungen zum Erlernen der Schreibschrift“.

„Es ist unfassbar und erschreckend, was die Tiroler Bildungsdirektion als Lernunterlage auf ihrer offiziellen Plattform zur Verfügung stellt“, meint NEOS-Jugend- und Integrationssprecher NR Yannick Shetty. Es könne nicht sein, dass in einer Zeit, in der globale Protestbewegungen wie #blacklivesmatter jeden Fortschritt in Richtung Gleichberechtigung hart erkämpfen und die Sensibilisierung der Menschen gegen Alltagsrassismus und Diskriminierung ein zentrales gesellschaftliches Anliegen ist, die Tiroler Bildungsdirektion mit derart rassistischen „Malübungen“ für Kinder auffällt. „Es ist unbegreiflich, wie solche Inhalte einer redaktionellen Überprüfung standhalten konnten“, wundert sich NR Shetty. Die Verantwortlichen müssten sich umgehend öffentlich entschuldigen sowie die notwendigen personellen Konsequenzen ziehen, damit derart rassistische und menschenverachtende Inhalte nicht mehr in Tiroler Schulen zum Einsatz kommen.

"Es ist zu hoffen, dass diese Lernunterlagen im Unterricht keine breite Verwendung fanden", sagte NEOS-Nationalratsabgeordneter Yannick Shetty.
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„Entsetzt und schockiert“: Palfrader beruft Generalversammlung ein

Bildungslandesrätin Beate Palfrader (VP) zeigte sich gestern in einer ersten Stellungnahme „entsetzt und schockiert“. In ihrer Funktion als Präsidentin des TIBS habe sie umgehend eine außerordentliche Generalversammlung einberufen. „Dafür gibt es keine Entschuldigung. Das ist katastrophal und es wird sicher Konsequenzen geben“, so Palfrader.

Laut Tiroler Bildungsdirektion stammen die Unterlagen von einem pensionierten Volksschuldirektor und wurden von einem Redakteur des Tiroler Bildungsservice auf die Seite gestellt. „Dem Redakteur war der rassistische Inhalt im Rahmen der Qualitätskontrolle bedauerlicherweise entgangen. Sowohl das Tiroler Bildungsservice als auch die Bildungsdirektion für Tirol distanzieren sich auf das Schärfste von jeglichen rassistischen Inhalten“, so die Bildungsdirektion in einer Stellungnahme. Nachdem der rassistische Inhalt aufgefallen war, habe man diesen unverzüglich offline genommen und die Schulen aufgefordert, die Unterlagen nicht zu verwenden. (np)


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