„Auf eigenes Risiko": Strikte Regeln für Olympia in Tokio festgelegt

Olympische Spiele in Tokio mitten in einer globalen Pandemie, geht das überhaupt? Ja, sind sich die Organisatoren sicher und haben jetzt ein in der Olympia-Geschichte beispielloses Handbuch mit Regeln für alle Teilnehmer vorgelegt. Doch noch sind einige Fragen offen.

Odaiba Marine Beach in Tokio, wo Triathlon und Freiwasserschwimmen-Bewerbe ausgetragen werden sollen. Teilnehmen tun die Bewerber der Spiele „auf eigenes Risiko".
© BIRGIT EGARTER

Tokio – „Auf eigenes Risiko" nehmen Sportler an den Olympischen Sommerspielen in Tokio (23. Juli bis 8. August) teil. Versehen mit dieser klaren Warnung stellten die Olympia-Macher am Mittwoch ein 32-seitiges Handbuch mit den Grundregeln für die Spiele unter Corona-Bedingungen vor. Kernpunkt ist eine stark eingeschränkte Bewegungsfreiheit.

In den zwei Wochen nach ihrer Ankunft in Japan dürfen sich Athleten und ihre Betreuer jeweils nur in der Unterkunft, an olympischen Wettkampf- und Trainingsstätten sowie wenigen klar bestimmten Orten aufhalten. Ihre Pläne für diese Zeit müssen sie im Voraus den Behörden melden.

„Trotz aller Sorgfalt machen wir Sie darauf aufmerksam, dass Risiken und Auswirkungen möglicherweise nicht vollständig beseitigt werden können", heißt es in dem sogenannten „Playbook". Zu den Grundregeln gehören auch eine strikte Maskenpflicht, regelmäßige Corona-Tests vor und nach der Einreise sowie die Aufforderung zur Nutzung einer Corona-Warn-App und der Einhaltung von Hygieneregeln. Die Sportler sollen keine öffentlichen Verkehrsmitteln nutzen.

Offen, ob Zuschauer zugelassen werden

In den Arenen sollen Athleten zudem nicht durch Anfeuerungsrufe und Gesänge unterstützt werden, sondern nur durch Klatschen. Ob jedoch überhaupt Zuschauer zugelassen werden, ist weiter offen. In den kommenden Wochen sollen detaillierte Handbücher für Sportlerinnen und Sportler, ihre Delegationen sowie Helfer und Medienvertreter veröffentlicht und immer weiter präzisiert werden. Es bedürfe „Flexibilität und Verständnis", sagte der Olympia-Direktor des Internationalen Olympischen Komitees, Christophe Dubi. Im April werde es eine zweite Version des Handbuchs geben, im Juni eine letzte.

Die eigentlich für 2020 geplanten Sommerspiele in Tokio waren wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben worden. Wegen der bedenklichen Corona-Lage in Japan und vielen anderen Ländern halten sich hartnäckige Zweifel, ob Olympia und die Paralympics wirklich in diesem Sommer ausgetragen werden können. Die japanische Regierung wie auch das IOC werden jedoch nicht müde zu betonen, dass die Spiele auf jeden Fall am 23. Juli in Tokio eröffnet würden. Das "Playbook" solle dafür sorgen, dass die Spiele für alle "sicher" ablaufen können.

Wiederholte oder schwere Verstöße gegen die darin aufgeführten Regeln könnten zu einem Entzug der Akkreditierung und des Rechts zur Teilnahme an den Spielen und Paralympics führen, heißt es in dem Handbuch weiter. Einzelheiten sollen zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt werden. Man erwarte aber, dass jeder die Regeln befolge.

Gastgeberland wäre Verschieben oder Absage lieber

Geht es nach der großen Mehrheit der Bürger des Gastgeberlandes sollten die Spiele dagegen entweder nochmals verschoben oder abgesagt werden. Das geht aus jüngsten Umfragen japanischer Medien hervor.

Am Vortag der Veröffentlichung des Olympia-Handbuchs hatte die Regierung in Tokio den Corona-Notstand für die Hauptstadt sowie weitere Präfekturen um einen weiteren Monat bis zum 7. März verlängert. Die Neuinfektionen seien zwar zurückgegangen, nachdem Bars und Restaurants seit fast vier Wochen bereits um 20.00 Uhr schließen müssen, sagte Ministerpräsident Yoshihide Suga. Das Gesundheitswesen stehe jedoch weiter unter Druck. In den vergangenen Wochen starben Dutzende an Covid-19 erkrankte Japaner zu Hause.

Japan beginnt den Impfprozess erst frühestens Mitte dieses Monats und damit deutlich später als andere Länder, weil man zuerst prüfen wollte, ob Japaner die Impfstoffe vertragen. Zunächst will man mit dem medizinischen Personal beginnen, erst später sollen ältere Menschen folgen. Seit dem Ausbruch des Coronavirus zählt Japan bisher rund 400.000 Infektionen sowie rund 6.000 Todesfälle. Damit steht das mehr als 126 Millionen Einwohner zählende Inselreich im internationalen Vergleich relativ gut da. (APA/dpa)


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