Massentests bis Contact Tracing: Tiroler Aktionsplan gegen die Corona-Mutationen

Die Suche nach Corona-Fällen, bei denen eine der Mutationen auftritt, läuft in Tirol auf Hochtouren. Flächendeckende Massentests, engmaschige Kontakt-Nachverfolgung und verstärkter Schutz der Heime sollen eine Abschottung Tirols verhindern. Im Bezirk Schwaz sind die Massentests angelaufen.

Zehn Tage lang laufen die Massentests im Bezirk Schwaz.
© Thomas Böhm

Innsbruck – Mit dem Satz „Das gibt die Datenlage nicht her“ beendete LH Günther Platter (ÖVP) am Donnerstag die Debatte um eine mögliche Abschottung Tirols. Vorerst. Denn die Ausbreitung der südafrikanischen Mutation des Coronavirus bereitet nach wie vor Sorgen – auch wenn sich das an den Daten tatsächlich nicht ablesen lässt: Die Zahl der Neuinfektionen lag gestern mit 98 deutlich unter dem Österreich-Durchschnitt, auch in den Spitälern ist die Lage weiter stabil. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) nimmt die britischen und südafri­kanischen Mutationen dennoch „extrem ernst“. Mittlerweile ist die Südafrika-Mutation des Coronavirus übrigens in mehr als 30 Ländern nachgewiesen.

Laut Aussendung des Landes sind in Tirol derzeit „nach wie vor 75 Fälle der südafrikanischen Mutation sowie 21 Fälle der britischen Mutation bestätigt“. Die Zahl der aktiv Positiven sei bei beiden Mutationsvarianten auf jeweils eine Person gesunken.

Massentests im Bezirk Schwaz über die nächsten zehn Tage

Die Massentests im Bezirk Schwaz sind bereits angelaufen. Die Gesundheitsbehörde ruft die Bevölkerung auf, schnellstmöglich mittels eines Antigen-Tests ihren aktuellen Covid-Status zu überprüfen. Dazu steht ein erweitertes Testangebot im Bezirk Schwaz für die kommenden zehn Tage zur Verfügung.

„Das Land Tirol kann bereits jetzt auf eine sehr gute Datenlage zurückgreifen. Wir suchen aktiv nach Mutationen und haben sie in der Vergangenheit auch bereits gefunden", sagt Elmar Rizzoli, Leiter des Einsatzstabes Corona. Nun gehe es darum, Vorsorge zu treffen und mögliche Mutationen schnellstmöglich einzudämmen.

„Die südafrikanische Mutante ist derzeit vor allem im Bezirk Schwaz und Umgebung aufgetreten, weshalb wir uns hier nochmals einen detaillierteren Überblick über das Infektionsgeschehen verschaffen wollen. Eine zentrale Säule ist dabei das Mitwirken der Bevölkerung: Je mehr Tests gemacht werden, desto genauer kann die aktuelle Situation beurteilt werden", sagt Rizzoli.

Der Schwazer Bezirkshauptmann Michael Brandl und die Bürgermeister des Bezirks appellieren am Freitag an die Bevölkerung: „Je mehr Menschen sich testen lassen, desto besser ist das Lagebild in unserem Bezirk. Aus diesem Grund bitten wir alle im Bezirk Schwaz wohnhaften und aufhältigen Personen, das Testangebot wahrzunehmen."

Vertiefendes und ganzheitliches Contact Tracing

Anschober hat nun in „sehr enger Abstimmung“ mit Platter einen Aktionsplan entwickelt, „der mit Hochdruck umgesetzt wird, um die Mutationen zu begrenzen“. Er sieht u. a. Massentests in den betroffenen Regionen (insbesondere im Bezirk Schwaz, wo die Tests bereits angelaufen sind) sowie ein „vertiefendes und ganzheitliches Contact Tracing“ vor, wie das Land gestern mitteilte. Der verstärkte Schutz der Alters- und Pflegeheime sowie eine landesweite Erweiterung der Testkapazitäten auf 50.000 Testungen pro Tag ergänzen den Aktionsplan gegen die Südafrika-Mutante. Er habe „volles Vertrauen“ in Platter und die Tiroler Behörden, versicherte Anschober. Am Sonntag werde entschieden, „ob zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind“.

Unterdessen forderte gestern Gerald Hauser, Tourismussprecher der FPÖ im Nationalrat, das Ende der „unnötigen Diskussion über die absurde Idee einer Isolation Tirols. Der durch diese ‚Expertenschnapsidee‘ jetzt schon im Ausland entstandene Imageschaden für den Wirtschafts- und Tourismusstandort Tirol ist enorm.“

Zangerl: „Eine unerhörte Frechheit"

Sollte Tirol abgeriegelt werden, fordert AK-Präsident Zangerl, Tirol bei den Impfungen unverzüglich vorzuziehen.
© TT / Thomas Boehm

Auch Tirols Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl lehnt eine mögliche Isolation Tirols kategorisch ab. „Es ist eine unerhörte Frechheit und verantwortungslos, wenn eine einzige Expertin vorprescht und Tirol zum europäischen Krisengebiet erklärt sowie die Totalisolation fordert“, sprach er die Aussagen der Virologin Dorothee von Laer an. Nach Ansicht zahlreicher Experten sei eine Abschottung Tirols aufgrund der Zahlen unnötig und mache auch aus anderen Gründen keinen Sinn. Er hoffe, dass in den nächsten Tagen nicht auf Druck von außen politische Fehlentscheidungen getroffen werden.

Sollte ein derartiger regionaler Lockdown aber dennoch verordnet werden, forderte Zangerl, dass der gesamte verfügbare Impfstoff unverzüglich nach Tirol beordert wird, um hier die scheinbar besonders gefährdete Bevölkerung schützen zu können. (TT, APA)


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