Studie: Chefs mit Herz gewünscht – wenige wollen Führungskraft werden

Klagen über Vorgesetzte sind Alltag im Arbeitsleben. Doch nach einer neuen Umfrage sind Arbeitnehmer in großer Mehrheit keineswegs unglücklich in ihren Jobs und mit ihren Chefs.

(Symbolbild)
© Corinne Kutz/Unsplash

München – Arbeitnehmer eint über Grenzen hinweg die Sehnsucht nach menschlichen Chefs. Außerdem legen Mitarbeiter bei ihren Führungskräften größeren Wert auf den menschlichen Faktor als die Führungsetagen der Unternehmen, wie eine Untersuchung der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) in Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien ergeben hat.

Befragt wurden im vergangenen Oktober 4000 Teilnehmer, welche Eigenschaften ihnen bei Führungskräften wichtig sind: Herz, Hand oder Hirn. „Hirn“ steht für Intellekt und klares Denken, „Hand“ für Tat- und Entschlusskraft und das „Herz“ für Fähigkeiten wie das Zuhören, Einfühlungsvermögen und die Förderung des Teamgeists.

Mehr als Entschlusskraft und Expertise

Das Ergebnis: Die Unternehmen legen bei Führungskräften den größten Wert auf den Kopf (69 Prozent), gefolgt von der Tatkraft (44 Prozent). Das „Herz“ liegt mit 25 Prozent auf dem letzten Platz. Bei den Angestellten verhält es sich aber anders herum: 37 Prozent legen den größten Wert auf menschliche Qualitäten, 20 Prozent auf Tatkraft, und nur 14 Prozent auf den Intellekt von Chefinnen und Chefs.

„Die Herz-Qualitäten bei Führungskräften rücken immer mehr in die vorderen Ränge“, sagte BCG-Berater Felix Schuler. „Empathisches Führen, eine echte Verbundenheit mit den Mitarbeitern, Zuhörfähigkeiten.“ Für Führungskräfte bedeuten die unterschiedlichen Erwartungen der Mitarbeiter und noch weiter oben angesiedelter Manager nach Schulers Einschätzung erhöhte Anforderungen: „Es sind nicht mehr nur die von oben geforderten Qualitäten wie Entschlusskraft und fachliche Expertise gefragt.“

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Die Befragung förderte außerdem zutage, dass die große Mehrheit mit der Arbeit ihrer Vorgesetzten und Führungsetagen in der Corona-Krise zufrieden ist – das Spektrum reichte von 60 Prozent in Spanien bis 71 Prozent in Großbritannien, Deutschland und Frankreich lagen mit 66 beziehungsweise 63 Prozent dazwischen.

Verschiedene Entwicklungspfade

Doch will laut Umfrage in allen vier Ländern nur eine Minderheit selbst Führungskraft werden. „Es sind ungefähr 50 Prozent der Menschen, die sich beruflich entwickeln wollen“, sagte Schuler dazu. „Es sind aber nur 13 Prozent, die gerne Führungskraft werden wollen.“ Die Übrigen sind demnach zwar ebenfalls ambitioniert, haben aber andere Ziele. „Um die 50 Prozent der Entwicklungsbereiten gibt es einen ganz intensiven Wettbewerb zwischen ganz verschiedenen Entwicklungspfaden.“ Als Beispiele nannte Schuler die Selbstständigkeit, eine Karriere als Experte oder den Wunsch nach einer gesellschaftlich und sozial als sinnvoll empfundenen Arbeit.

Die ganz große Mehrheit, ob ehrgeizig oder nicht, ist laut Umfrage durchaus zufrieden mit ihrem Arbeitsleben. „Neunzig Prozent der Leute sagen, dass sie sich ihrer Arbeit verbunden fühlen, es gibt keine Entfremdung an dieser Stelle“, sagte Schuler. „Wir haben eine nicht eine Grundgesamtheit von Unzufriedenen, sondern eine Grundgesamtheit von Zufriedenen und Engagierten.“ (dpa)


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