WM-Held Kriechmayr: „Vergleiche mich noch nicht mit dem Hermann Maier"

Nachgefragt bei Skirennläufer Vincent Kriechmayr (29), der am Sonntag drei Tage nach Gold im Super-G auch die Abfahrt bei der WM in Cortina d'Ampezzo gewonnen hat. Beide Speed-Titel bei den selben Weltmeisterschaften hatten zuvor bei den Herren nur Hermann Maier (1999) und Bode Miller (2005) geholt.

Vincent Kriechmayr machte mit seinen beiden Weltmeistertiteln Österreich zur Nummer eins im Speed-Bereich bei den Herren.
© EXPA/JOHANN GRODER

Wie war ihr Gefühl beim Abschwingen?

Kriechmayr: "Nicht optimal, muss ich schon gestehen. Mich hat es bei der Traverse ein bisschen runtergedrückt, und im Flachen habe ich schon gemerkt, dass es mich ein paar Mal aus der Hocke rausgezogen hat. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es für den Sieg reicht."

Ab wann haben Sie gedacht, dass es reichen könnte?

Kriechmayr: "Nach dem die wirklichen Favorits unten waren, Mothl (Teamkollege Matthias Mayer/Anm.), Beat Feuz, Dominik Paris. Da hat man dann schon ein bisschen rechnen können, dass es vielleicht reicht. Aber es war heute wieder ein schwieriges Rennen. Ich glaube, der Herrgott war auch auf meiner Seite, weil der Wind hat hin und wieder ein bisschen gedreht. Ich glaube schon, dass einige Kollegen Gegenwind gehabt haben und ein paar vielleicht weniger. Mit ist es schlussendlich gleich. Ich glaube, ich bin im Mittelteil auch ganz gefahren, unten habe ich es vielleicht noch einmal ein bisschen enger gemacht."

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Sie haben selbst gesagt, vorher haben das nur Legenden geschafft. Gehören Sie jetzt selbst dazu?

Kriechmayr: "Ich vergleiche mich jetzt noch nicht mit dem Hermann (Maier, Anm.) und mit Bode Miller. Die sind auch gleichzeitig Olympiasieger und Gesamtweltcup-Sieger und weiß der Herrgott was. Natürlich ist es schön, dass man so was erreicht hat, das ist nicht selbstverständlich."

Was haben Sie bei der Startnummernwahl gedacht - pures Selbstvertrauen?

Kriechmayr: "Ich habe als Fünfter ausgesucht, ich habe die Alternativen gehabt mit Startnummer 1 oder 11, 13, 15, 17, 19, und ich habe mir gedacht, ich möchte das Rennen eröffnen. Die Piste ist sicher ein bisschen unruhiger geworden, das war es im gestrigen Training auch schon. Ich habe mir gedacht, ich nehme 1 oder 11, und mein Coach hat mir die 1 genommen. Das hat gut gepasst."

Ist Abfahrtgold noch ein Alzerl mehr wert, vor allem weil Sie in der Abfahrt nicht der Topfavorit waren?

Kriechmayr: "Die Abfahrt ist die Königsdisziplin, aber ich muss ganz ehrlich gestehen, dass mir die Super-G-Medaille sehr viel wert ist, weil ich als großer Favorit in das Rennen gegangen bin. Für mich haben beide den gleichen Stellenwert. Die Abfahrt liegt mir natürlich mehr, wenn es so kurvig hin und her geht."

Marcel Hirscher hat sich (über einen ÖSV-Sprecher/Anm.) telefonisch gemeldet. Wie sehr freut Sie seine Gratulation?

Kriechmayr: "Marcel ist doch der erfolgreichste Skifahrer. Ich freue mich sehr, wenn er anruft und mir gratuliert. Ich habe schon lange nichts mehr gehört von ihm. Aber ich freue mich über jede Gratulation und werde wieder einen Haufen Zeit zum Beantworten der Nachrichten brauchen."

Haben Sie etwas vom berühmten Flow gemerkt nach dem ersten Gold?

Kriechmayr: "Nein, ich habe wie gesagt nicht gerechnet, dass es heute für die Goldmedaille reicht. Aber anscheinend war der Mittelteil gut genug. Eine Hundertstel - das Glück war heute wirklich auf meiner Seite. Ich war schon oft einmal ein paar Hundertstel hinter dem Podest oder hinter einem Sieg. Aber dass es so zurückkommt, ist natürlich unglaublich."

Aufgezeichnet von Nikolaus Panny/APA aus Cortina


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