Rekordsieger Novak Djokovic steht zum neunten Mal im Melbourne-Finale

Im Damen-Finale der Australian Open kommt es am Samstag zum Duell zwischen Top-Favoritin Naomi Osaka und der US-amerikanischen Außenseiterin und Finaldebütantin Jennifer Brady.

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Novak Djokovic jubelt über seinen neunten Finaleinzug in Melbourne.
© DAVID GRAY

Melbourne - Rekordsieger Novak Djokovic steht zum neunten Mal im Endspiel der Australian Open. Der Weltranglisten-Erste gab sich am Donnerstag gegen den russischen Überraschungsmann Aslan Karazew beim 6:3,6:4,6:2 keine Blöße. Der Gegner des Serben im Duell um dessen neunten Titel in Melbourne wird am Freitag (09.30 Uhr MEZ/live ServusTV und Eurosport) zwischen Daniil Medwedew (RUS-4) und Nadal-Bezwinger Stefanos Tsitsipas (GRE-5) ermittelt.

Djokovic hat bisher alle seine Halbfinali beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres gewonnen. Qualifikant Karazew (ATP-Nummer 114) vermochte das nicht zu ändern. Der 27-Jährige hatte als überhaupt erster Spieler beim Grand-Slam-Debüt das Semifinale erreicht und es in "Down Under" als erster Qualifikant seit 21 Jahren in die Vorschlussrunde geschafft.

Doch gegen die Klasse und Abgebrühtheit des Gewinners von 17 Grand-Slam-Titeln war der Erfolgslauf zu Ende. Karazew, der seit fast drei Jahren in Minsk (Weißrussland) lebt und dort von Jahor Jazyk trainiert wird, hatte zuvor die Gesetzten Diego Schwartzman (ARG), Felix Auger-Aliassime (CAN) und Thiem-Bezwinger Grigor Dimitrow (BUL) ausgeschaltet.

Gegen Ende des zweiten Satzes, als er nach einem Break (zum 3:5) auf 4:5 stellte, forderte Karazew auch den Favoriten im ersten Duell mehr als diesem lieb war. Die Erleichterung des 33-Jährigen nach dem gewonnenen Punkt zum 6:4 war offensichtlich. Djokovic musste im dritten Satz zwar noch einen zweiten Aufschlagverlust (zum 2:2) hinnehmen, schlug aber postwendend zurück. Nach 1:43 Stunden verwertete er mit seinem 17. Ass den ersten Matchball.

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"Große Gratulation", sagte Djokovic auf dem Platz in Richtung seines Gegners. "Er hat das in seinem ersten Grand-Slam-Turnier super gemacht." Mit der eigenen Vorstellung war er vollauf zufrieden. "Ich habe mich großartig gefühlt, hatte keine Schmerzen, das war mein bisher bestes Match." Zuvor hatte Djokovic eine Bauchmuskelblessur behindert. Djokovic hat übrigens alle seine bisherigen acht bei den Australian Open bestrittenen Endspiele gewonnen.

Brady fordert Osaka im Damen-Finale

Im Damen-Finale der Australian Open kommt es am Samstag zum Duell zwischen Top-Favoritin Naomi Osaka und der US-amerikanischen Außenseiterin und Finaldebütantin Jennifer Brady. Serena Williams scheiterte erneut beim Versuch, ihren lang ersehnten 24. Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Im Halbfinale verlor die 39-jährige US-Amerikanerin deutlich 3:6,4:6 gegen die als Nummer 3 gesetzte Japanerin Osaka. Williams bleibt damit einen Major-Sieg hinter Rekordhalterin Margaret Court.

Die nach dem Match obligatorische Pressekonferenz verließ Williams vorzeitig und in Tränen aufgelöst. Auf die Frage, ob sie sich beim Gang aus der Rod-Laver-Arena bereits von den Zuschauern verabschiedet habe und ob dies vielleicht ihr letzter Auftritt bei dem Grand-Slam-Tennisturnier in Melbourne gewesen sei, antwortete sie noch lächelnd: "Ich weiß es nicht. Wenn ich irgendwann 'Farewell' sage, würde ich es keinem verraten. Also ..."

Als sie danach nach ihren vielen leichten Fehlern gefragt wurde und ob es einfach ein schlechter Tag gewesen sei, sagte Williams: "Ich weiß nicht. Das war's." Williams fing an zu weinen, stand auf und verließ den Interviewraum. Der Abgang zeigte deutlich, wie viel ihr dieser 24. Major-Titel bedeuten würde, wie sehr sie der neuerliche Rückschlag schmerzt. Die Zeit läuft ihr davon. Court gewann ihre 24 Titel von 1960 bis 1973, als das Damen-Tennis noch deutlich weniger umkämpft war.

Und obwohl Williams' bisherige Erfolge daher höher einzuschätzen sind, will sie den 24er unbedingt erreichen. "Ich habe mich zu Beginn gut gefühlt", erklärte Williams vor ihrem emotionalem Zusammenbruch. "Aber danach habe ich einfach zu viele wirklich einfache Fehler gemacht. Es war ein großer Fehler-Tag von mir." Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Die 16 Jahre jüngere Naomi Osaka ist auf Hartplatz einfach stärker als jede andere, inklusive Williams.

Der Name Serena Williams macht aber auch auf Osaka noch immer Eindruck. "Es ist immer eine Ehre, gegen sie zu spielen", meinte sie. "Ich war am Anfang wirklich nervös, aber habe einen Weg gefunden, ins Match zurückzukommen", sagte die Asiatin in der zur Hälfte mit Fans gefüllten Rod-Laver-Arena. Nach dem fünftägigen Lockdown wegen zuvor festgestellter Corona-Fälle in einem Hotel am Flughafen durften am Donnerstag erstmals wieder Zuschauer auf die Anlage am Yarra River.

Im zweiten Halbfinale setzte sich Jennifer Brady (WTA-Nr. 24) in drei hart umkämpften, aber nur selten hochklassigen Sätzen 6:4,3:6,6:4 gegen die drei Positionen schlechter klassierte Tschechin Karolina Muchova durch. Während Osaka ihre bisherigen drei Grand-Slam-Finals - US Open 2018 und 2020 Australian Open 2019 - gewonnen hat, setzte sich die 25-jährige Brady im vergangenen August in ihrem ersten und bisher einzigen WTA-Finale beim kleinen Turnier in Lexington durch.

Osaka gilt im Endspiel als klare Favoritin. Die 23-Jährige zeigte gegen Williams eine nahezu perfekte Leistung und wackelte nur einmal. Die Tochter eines Haitianers und einer Japanerin geriet 0:2 in Rückstand. Williams hatte Bälle zu einer 3:0- und dann 3:1-Führung. Dann aber gewann Osaka acht Games in Serie. Bei 4:3 im zweiten Satz unterliefen ihr drei Doppelfehler, doch auf das 4:4 reagierte sie gleich wieder mit einem Break und servierte nach eineinviertel Stunden souverän zu null aus.

Williams hat seit der Geburt ihrer Tochter Alexis Olympia im Herbst 2017 nun elfmal versucht, Courts Allzeit-Rekord an Grand-Slam-Titeln zu egalisieren und ist gescheitert, viermal davon in einem Finale. Unter anderem verlor sie schon 2018 im US-Open-Endspiel in zwei Sätzen gegen Osaka. Damals war dies sensationell, nun war es fast schon erwartet. Seit zweieinhalb Jahren ist die Japanerin die mit Abstand stärkste Hartplatz-Spielerin der Welt.

Auch Bradys Erfolg kommt nicht aus dem Nichts. Sie erreichte bei den US Open 2020 ihr erstes Major-Halbfinale, in dem sie Osaka drei Sätze lang hart forderte. Gegen Muchova kämpfte sie am Ende mit den Nerven, nutzte aber ihren fünften Matchball. Dass es nun wohl schwieriger für sie wird, ist Brady offenbar bewusst: "Ich denke, es wird ein wirklich hartes Match. Sie (Osaka, Anm.) hat ja schon ein paar Grand Slams gewonnen. Aber ich bin ziemlich aufgeregt, im Finale der Australian Open zu stehen." (APA/sda/dpa/Reuters)


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