Lebenszeichen von Kremlgegner Nawalny: "Grüße aus dem Gefängnis"

Der Kremlgegner Alexej Nawalny hat sich aus dem Untersuchungsgefängnis Nummer 3 "Koltschugino" im Gebiet Wladimir gemeldet. Nach Angaben seiner Anwälte soll er vorerst dort bleiben.

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Alexej Nawalny auf einem Archivfoto.
© Reuters/Shemetov

Moskau – Nach tagelanger Unklarheit über seinen Verbleib gibt es von dem inhaftierten Kremlgegner Alexej Nawalny erstmals wieder ein Lebenszeichen: Er ist demnach noch nicht im Straflager. "Grüße aus dem Untersuchungsgefängnis Nummer 3 "Koltschugino" im Gebiet Wladimir", teilte Nawalny am Mittwoch bei Instagram mit. Nach Angaben seiner Anwälte soll er vorerst dort bleiben.

Seit Tagen hatten Staatsmedien berichtet, Nawalny sei bereits im Straflager 2 in dem Ort Pokrow rund 100 Kilometer östlich von Moskau - ebenfalls im Gebiet Wladimir. Bestätigt wurde das aber nicht. Auch seine Mitarbeiter hatten immer wieder betont, dass nicht klar sei, wo Nawalny sich befinde; sie fürchteten nach dem Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok im August um sein Leben.

"Bei mir ist alles gut", schrieb Nawalny. Es gebe dort auch einen Hof für Spaziergänge. Er erhalte aber keine Post und wisse – anders als zuletzt im Untersuchungsgefängnis in Moskau – immer weniger Bescheid, was in der Welt geschehe. Weder die Bibliothek noch der Gefängnisladen seien bisher zugänglich. Abwechslung habe er kaum, abgesehen von kulinarischen Experimenten.

"Kaum zu glauben, aber wir trocknen hartes Brot, und ich hätte nie gedacht, dass das so unterhaltsam sein kann." Nawalny berichtete in seinem gewohnt humorvollen Ton auch über die bei seinen Mitgefangenen beliebtesten Rezepte für getrocknetes Brot. "Ich hoffe, bei Euch ist alles gut und Ihr vermisst mich nicht. Vernachlässigt nicht die gesunde Ernährung."

Nawalnys Anwalt Wadim Kobsew teilte bei Twitter mit, dass sein Mandant in einer Quarantäne-Zelle mit zwei Mitgefangenen lebe. "Er ist in kompletter Isolation", meinte Kobsew. Es gebe weder einen Kühlschrank noch einen Teekocher in der Zelle. Nawalny war in der vergangenen Woche aus dem Moskauer Untersuchungsgefängnis "Matrosenstille" abtransportiert worden, danach hatte jede Spur gefehlt von ihm.

Ein russisches Gericht hatte ungeachtet internationaler Forderungen nach einer Freilassung Nawalnys am 20. Februar dessen Verurteilung zu mehreren Jahren Straflager bestätigt. Nach Berechnungen seiner Anwälte könnte er in rund zweieinhalb Jahren im Sommer 2023 freikommen. Die russische Justiz wirft Nawalny einen Verstoß gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren vor, während er sich in Deutschland von dem Giftanschlag erholte. Das Urteil steht im Westen als politisch motiviert in der Kritik. (APA/dpa)


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