Orte ab Inzidenz über 400 abgeriegelt, Tirol weiter klar unter Bundesschnitt

Mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von 114,4 weist Tirol derzeit nach Vorarlberg den zweitniedrigsten Wert in Österreich auf. Bei einer Inzidenz über 200 sollen Lockerungsschritte laut Ampel-Kommission künftig zurückgenommen werden. Bei über 400 droht eine Ausreisebeschränkung, wie derzeit in zwei Salzburger Orten.

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Für die beiden Gemeinden Radstadt und Bad Hofgastein im Salzburger Pongau gilt ab Freitag für zwei Wochen eine Ausreisebeschränkung.
© EXPA/MARTIN HUBER

Innsbruck, Wien – Die Ampel-Kommission hat am Donnerstag in ihrer Sitzung die Warnungen bezüglich der Ausbreitung der Corona-Pandemie erneuert. Sobald die Sieben-Tages-Inzidenz höher als 200 pro 100.000 Einwohner liegt, sollten Lockerungsschritte gegebenenfalls zurückgenommen werden. Allerdings werden unter Berücksichtigung der psychosozialen Gesundheit die erweiterten Sportmöglichkeiten für Jugendliche begrüßt. Auch wären Schulschließungen nur die „Ultima Ratio".

Was die Farbgebung der Ampel angeht, bleibt Österreich eine weitere Woche als Gesamtstaat rot. Vorarlberg hielt von den Bundesländern wie vorige Woche als einziges den Orange-Status, was allerdings auch noch immer hohes Risiko bedeutet. Warum Vorarlberg derzeit am besten da steht, dürfte damit zusammenhängen, dass es nach Angaben der Kommission das einzige Bundesland ist, in dem die neuen infektiöseren Varianten, allen voran die britische, noch nicht dominant ist. Die Experten gehen davon aus, dass der in Österreich zu beobachtende Fallanstieg stark mit der Varianten-Verbreitung assoziiert ist.

Für Gesamt-Österreich Inzidenzwert von 169

Drei der neun Bundesländer liegen derzeit bei der Sieben-Tages-Inzidenz bei über 200 auf 100.000 Einwohner (Stand Donnerstag), also oberhalb der von der Kommission eingezeichneten kritischen Marke. Niederösterreich (206,4), Salzburg (223) und das Burgenland (205,1) überschreiten die 200er-Marke teils sogar deutlich. Wien und Kärnten sind nicht mehr weit davon entfernt. Gesamtstaatlich hält man bei 169, Tendenz relativ flott steigend.

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Vorarlberg weist für die vergangene Woche eine Inzidenz von 76,5 auf. Sonst ist kein Land unter 100, das eine Richtmarkte für eine Orange-Färbung ist.

© APA

Zu den wenigen nicht ganz so unerfreulichen Fakten des Ampelkommissionsdokuments gehört, dass die Positivrate bei den Tests nicht allzu sehr nach oben geht. Einen starken Anstieg gab es nur in Salzburg, wo vor zwei Wochen noch nur ein Prozent der Tests eine Infektion nachwies, nun aber schon 1,4 Prozent. Merkbar ist der Anstieg auch in Wien von 0,9 auf 1,1 Prozent. Über Gesamt-Österreich verteilt stieg die Positivrate bloß von 0,8 auf 0,9 Prozent. Die Infektionsquelle konnte in 56 Prozent der Fälle geklärt werden, die beste Rate weist hier Wien mit 72 Prozent auf. In Kärnten sind es nur 43 Prozent.

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Ab Inzidenz von 400 Ausreisetestpflicht für einzelne Orte

„In Planung ist eine Verordnung zu verpflichtenden Ausreisetestungen in Bezirken und/oder Gemeinden mit einer Sieben-Tages-Inzidenz über 400. Vorbild dafür ist jene Maßnahme in Tirol", so Anschober.
© APA/Neubauer

Ab einer Inzidenz von 400 sollen nach Plänen des Gesundheitsministerium künftig automatisch besonders restriktive Maßnahmen wie Ausreisetestpflicht gelten. Nimmt man die vergangene Woche her, wären davon nur Hermagor, St. Johann im Pongau und Wiener Neustadt betroffen. Doch das Potenzial ist deutlich größer. Sieht man sich die risikoadjustierte Fallzahl an, wären auch schon Baden und Mistelbach gefährdet.

Auch Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bekräftigte die Notwendigkeit eines Sicherungsnetzes zur Begrenzung regionaler Hotspots, das man am vergangenen Montag bei Beratungen mit Experten und den Landeshauptleuten fixiert habe. „In Planung ist eine Verordnung zu verpflichtenden Ausreisetestungen in Bezirken und/oder Gemeinden mit einer Sieben-Tages-Inzidenz über 400. Vorbild dafür ist jene Maßnahme in Tirol, die sich in den vergangenen 20 Tagen sehr gut bewährt hat", stellte Anschober fest. Dies habe „zu einer massiven Steigerung der Tests geführt und wesentlich dazu beigetragen, dass die Verbreitung der südafrikanischen Variante massiv verringert werden konnte".

In Radstadt und Bad Hofgastein ab heute Ausreisebeschränkung

Vorerst noch unklar war, wann die Verordnung erlassen und wann sie in Kraft treten wird. Was die politischen Bezirke betrifft, wären von Ausreisetestungen derzeit also die zweitgrößte niederösterreichische Stadt Wiener Neustadt (488,8), der Kärntner Bezirk Hermagor (670,2) und der Salzburger Pongau (516,0) betroffen, wo die Sieben-Tages-Inzidenzen mit Stand Donnerstag, 14 Uhr, deutlich über 400 lagen.

In den im Pongau gelegenen Gemeinden Radstadt und Bad Hofgastein, die zuletzt einen extremen Anstieg bei den Infektionen zu verzeichnen hatten, tritt am heutigen Freitag für zwei Wochen eine Ausreisebeschränkung in Kraft. Die Gemeinden dürfen dann nur mehr mit einem negativen Corona-Test verlassen werden.

📽️ Video | Ausreise-Testpflicht in Bad Hofgastein und Radstadt

Schneeberger: „Maßnahme für Wiener Neustadt nicht möglich"

Noch am Donnerstagabend hat Wiener Neustadts Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) reagiert. In einem der APA vorliegenden Schreiben an Anschober hielt er fest, „darüber informieren" zu müssen, „dass in einer Stadt mit 50.000 Bewohnerinnen und Bewohnern, täglich 21.000 Aus- und 20.600 Einpendlern, 15.000 Passagieren des Öffentlichen Nahverkehrs, einer Hauptdurchzugsstraße mit 28.000 Kfz und als Verkehrsknotenpunkt für die gesamte Region diese Maßnahme ohne zur Verfügung Stellung von ausreichend zusätzlichem Personal nicht durchführbar ist". Aus dem Personalstand des Magistrats sehe er sich außerstande „dieses für die Kontrollen aufzustellen", so der Stadtchef. „Es wäre also notwendig, dass Ihr Ministerium über das Innenministerium ausreichend Kräfte zur Verfügung stellt."

Schneeberger betonte, dass er „selbstverständlich alle Maßnahmen umsetze und mittrage, die zu einem Sinken der Covid-19-Infektionen führen". Als mit dem Vollzug beauftragte Behörde ersuchte er jedoch gleichzeitig, „den Unterschied zwischen einem ländlichen Bezirk und einer urbanen Stadt zu berücksichtigen" und „um eine in der Praxis vollziehbare Verordnung". Ähnlich äußerte sich Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ). „Wir werden uns dagegen nicht wehren, aber wir werden Hilfe brauchen", sagte sie in der ZiB2 des ORF. (TT.com, APA)

📽️ Video | Landesrätin Königsberger-Ludwig über die Infektionszahlen in St. Pölten


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