Boris Johnson "tief betroffen" von Polizeieinsatz gegen Mahnwache

Eine 33-Jährige wurde im Süden Londons entführt und getötet. Verdächtigt wird ein Polizist. Bei einer Mahnwache für die Ermordete schritt die Polizei nun gewaltsam ein.

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Polizisten schirmen eine Statue von Winston Churchill ab.
© DANIEL LEAL-OLIVAS

London – Der harte Polizeieinsatz gegen Frauen bei einer Mahnwache für ein Verbrechensopfer in London hat Premierminister Boris Johnson auf den Plan gerufen. "Wie jeder, der sie gesehen hat, war ich von den Bildern vom Clapham Common tief betroffen", sagte Johnson laut einer Mitteilung vom Montag. Am Clapham Common in Südlondon hatten am Samstag zahlreiche Frauen der mutmaßlich von einem Polizisten getöteten Sarah Everard gedacht. Die Polizei löste das Treffen teils gewaltsam auf.

Auslöser für die Auseinandersetzungen ist der gewaltsame Tod der 33 Jahre alten Sarah Everard, die auf ihrem Nachhauseweg im Süden Londons entführt und getötet wurde. Der Fall hatte zu einem landesweiten Aufschrei gegen Belästigungen und Gewalt an Frauen geführt. Selbst Herzogin Kate (39) hatte es sich nicht nehmen lassen, am Samstag Blumen an dem improvisierten Gedenkort für Everard niederzulegen.

Hunderte Menschen hatten am Sonntag in London gegen einen robusten Polizei-Einsatz bei einer Mahnwache für die getötete Sarah Everard demonstriert. Die Teilnehmer versammelten sich vor dem Hauptquartier der Polizei, New Scotland Yard, und zogen später vor das Parlament. Ihr Protest richtete sich auch gegen einen Gesetzentwurf, der künftig die Möglichkeiten der Polizei zur Einschränkung von Demonstrationen vergrößern soll und am Montag in die zweite Lesung im Unterhaus geht.

Polizei ging gewaltsam gegen Demonstrantinnen vor

Stunden später war es zu hässlichen Szenen gekommen, als die Polizei unter Verweis auf die Corona-Maßnahmen mit Gewalt Teilnehmerinnen einer Mahnwache von dem Musikpavillon in dem Park Clapham Common im Londoner Süden wegzerrte. Nun steht Scotland Yard heftig in der Kritik. Ausgerechnet am britischen Muttertag und der Woche des Internationalen Frauentags fühlen sich viele Frauen in Großbritannien von Staat und Gesellschaft im Stich gelassen.

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Erst am Freitag war der in einem Waldstück in der Grafschaft Kent gefundene leblose Körper der zuvor als vermisst gemeldeten Everard identifiziert worden. Damit wurde aus Befürchtungen über ihr Schicksal traurige Gewissheit. Zuletzt gesehen wurde sie am 3. März in der Nähe von Clapham Common, als sie in der Dunkelheit auf dem Heimweg von einer Freundin war. Ein 48 Jahre alter Polizist steht unter Verdacht, sie entführt und ermordet zu haben.

Johnson hält an Polizeichefin fest

Medienberichten zufolge stellte sich Johnson aber hinter die Londoner Polizeichefin Cressida Dick. Er habe mit Dick gesprochen, die eine Prüfung des Einsatzes zugesagt habe, sagte Johnson. Auch das Innenministerium hat eine Überprüfung angeordnet. Noch am Montag wollte Johnson mit einer Arbeitsgruppe zusammentreffen, "um weitere Schritte zum Schutz von Frauen und Mädchen zu erörtern und sicherzustellen, dass unsere Straßen sicher sind", hieß es. "Der Tod von Sarah Everard muss uns in dem Entschluss vereinen, Gewalt gegen Frauen und Mädchen auszutreiben und jeden Teil des Justizsystems dafür einzusetzen, sie zu schützen und zu verteidigen", sagte Johnson. (APA, dpa)


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