Scharfe Kritik am Nein des Vatikan zur Segnung von Homo-Paaren

Laut Vatikan ist es Priestern nicht erlaubt, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, die um eine Art religiöse Anerkennung ihrer Vereinigung bitten. Zahlreiche Lesben- und Schwulen-Verbände kritisieren das heftig.

  • Artikel
  • Diskussion
Symbolfoto.
© TOBIAS SCHWARZ

Rom – Nach dem Nein der vatikanischen Glaubenskongregation zur Segnung homosexueller Partnerschaften gibt es Kritik daran in Österreich, Italien und anderen Ländern Europas. "Diese unsägliche Entscheidung verdeutlicht einmal mehr, dass der Versuch Roms nicht gelingen kann, von oben her weltweit Glaubens- und Sittenregeln zu verordnen, ohne einen Dialog mit den Kirchen vor Ort zu führen", erklärte die internationale Kirchenreformbewegung Wir sind Kirche am Dienstag.

Mit dieser Entscheidung trage der Vatikan dazu bei, "dass die in vielen Ländern nach wie vor bestehende Diskriminierung homosexueller Menschen bis hin zur Gefängnis- und Todesstrafe als gottgegeben angesehen werden kann. Vor dem Hintergrund der Verfolgung Homosexueller reicht es nicht aus und ist gar zynisch, die christliche Gemeinde dazu aufzurufen, Menschen mit homosexuellen Neigungen – die nach kirchlicher Lehre nicht gelebt werden dürfen – zu respektieren", teilte Wir sind Kirche Österreich in einer Aussendung mit. Diese Entscheidung zeigt zudem einmal mehr, "wie sehr die römisch-katholische Sexualmoral den Anschluss zu den Humanwissenschaften verloren hat".

In Italien meldete sich die Schwulenpartei Partito Gay zu Wort. "Die Stellungnahme des Vatikan ist ein Schlag für all jene Gläubigen, die noch auf die Unterstützung des Papstes gehofft hatten", sagte Fabrizio Marrazzo, der Sprecher der Partei. Wichtig sei, dass sich römisch-katholische Parteien in Italien nicht vom Vatikan beeinflussen lassen.

Einfluss der Kirche nach wie vor groß

Der Einfluss der Kirche in Italien sei der Grund, weshalb im Land die Ehe unter Homosexuellen nicht anerkannt werde, meinte Marrazzo. Italien war zuletzt das einzige Land in Westeuropa, in dem gleichgeschlechtliche Partnerschaften rechtlich nicht anerkannt waren. Ein Gesetz zur Legalisierung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften wurde 2016 verabschiedet. Das Adoptionsrecht für Homosexuelle war auf Druck katholischer Parteien und Organisationen aus dem Gesetz ausgeklammert worden.

TT-ePaper gratis lesen und ein E-Bike gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen. Der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

In Deutschland zeigten sich Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender (LSBT) in der katholischen Kirche empört. Die entsprechende Note der Glaubenskongregation vom Montag "rückt gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen in den Kontext von Sünde und fordert homosexuelle Menschen auf, ihre sexuelle Orientierung zu unterdrücken", kritisierte das katholische LSBT-Komitee in Nürnberg laut Nachrichtenagentur AFP.

"Die Glaubenskongregation verspielt damit die vermutlich letzte Chance, weltweit menschenfreundlich und ethisch anschlussfähig zu bleiben", erklärte das Komitee. Dabei zeigten die Erfahrungen der vergangenen Jahre, dass Mitglieder der katholischen Kirche "vielerorts nicht mehr dazu bereit sind, gleichgeschlechtliche Beziehungen als Sünde zu diffamieren, dass Segensfeiern bereits Teil 'inoffizieller' kirchlicher Praxis sind und dass die immer wieder beschworene biblische Verurteilung homosexueller Beziehungen theologisch nicht mehr haltbar ist".

Vatikan weist Vorwurf der Diskriminierung zurück

Die katholische Kirche sieht sich nicht befugt, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Dies hat am Montag die vatikanische Glaubenskongregation klargestellt – und für große Aufregung in der Kirche gesorgt. In dem sogenannten Responsum ad dubium (Antwort auf einen Zweifel) heißt es, Segnungen menschlicher Beziehungen seien nur möglich, wenn damit den Plänen Gottes gedient sei. Unzulässig sei jede Segnungsform, die homosexuelle Partnerschaften anerkenne. Die christliche Gemeinschaft sei aber aufgerufen, Menschen mit homosexuellen Neigungen zu respektieren.

Kurienkardinal Marcello Semeraro wies am Dienstag den Vorwurf einer Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare durch die Erklärung der Glaubenskongregation zurück. Das gleiche Verbot gelte auch für heterosexuelle Lebensgemeinschaften außerhalb der Ehe, sagte der Dogmatiker und Präfekt der Heiligsprechungskongregation der italienischen Zeitung Corriere della Sera. Anders als die staatliche Gesetzgebung sei die Kirche "dem Willen Gottes unterworfen".

Auch der deutsche Bischof Wolfgang Ipolt begrüßte die Klarstellung des Vatikan. "Bei dem Nein zu einer Segnung geht es aus meiner Sicht vor allem um eine klare Stärkung der Ehe zwischen Mann und Frau und für uns Katholiken auch des Sakramentes der Ehe", erklärte der Bischof von Görlitz laut Kathpress. Zwar könnten Homosexuelle einzeln gesegnet werden, nicht aber ihre Partnerschaft. (APA)

Elton John spricht von Heuchelei

Der britische Popstar Elton John hat verärgert auf das betonte Nein der vatikanischen Glaubenskongregation zur Segnung homosexueller Partnerschaften in der römisch-katholischen Kirche reagiert. "Wie kann der Vatikan homosexuellen Partnerschaften den Segen verweigern, zugleich jedoch Profit aus Investitionen in Millionenhöhe in meinen Film 'Rocketman' schlagen?", fragte Elton John auf Twitter in einem Post mit dem Hashtag "hypocrisy" (Heuchelei).

Der 73-jährige Elton John betonte, dass "Rocketman" über seine glückliche Ehe mit dem Regisseur und Produzenten David Furnish erzähle. Mit Furnish ist der Star seit 2014 verheiratet. Seinem Post fügte Elton John einen Medienbericht aus dem Dezember 2019 bei, laut dem der Vatikan hohe Beträge in den Fonds Centurion Global Fund in Malta investiert habe. Laut dem Artikel der Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera hat der Vatikan mit Geldern aus dem maltesischen Fonds neben diversen anderen Investitionen die Produktion der Filmbiografie "Rocketman" mitfinanziert.


Kommentieren


Schlagworte