Union ringt im Superwahljahr mit Wahlschlappen im Südwesten

CDU und CSU lecken nach den Landtagswahlen am Sonntag die Wunden. Mehrheiten ohne die aktuelle Kanzlerpartei scheinen sich aufzutun. Die SPD frohlockt, Grüne und FDP wollen noch nicht über eine Ampelkoalition diskutieren.

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CSU-Chef Markus Söder will einen "Neustart".
© PETER KNEFFEL

Berlin – Die Union ringt nach den Schlappen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz um einen Weg aus ihrer Krise zu Beginn des Superwahljahres. CSU-Chef Markus Söder forderte am Montag einen Neustart vor der Bundestagswahl und bezeichnete das Abschneiden der CDU bei den Landtagswahlen am Sonntag als "Weckruf". "Ich sage es klipp und klar, das Wahlergebnis der Landtagswahlen ist für die CDU enttäuschend", sagte CDU-Chef Armin Laschet am Montag nach der Sitzung der CDU-Parteigremien.

Eines sei seit Sonntagabend klar: "Es gibt theoretisch Mehrheiten jenseits der Union", sagte Söder. Es sei nicht mehr hundertprozentig sicher, dass die Union in jedem Fall den Kanzler stelle, warnte er.

Wahlen für Union kein Selbstläufer

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt äußerte sich "schockiert" über das CDU-Ergebnis bei den Landtagswahlen. Die Wahlen zeigten, dass es kein Selbstläufer sei, "dass die Union an der nächsten Bundesregierung beteiligt ist". CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak betonte, dass die Wiederwahl der Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) und Malu Dreyer (SPD) vor allem an deren Popularität liege.

Der Auftakt zum Superwahljahr am Sonntag galt als erste Bewährungsprobe für Laschet, nordrhein-westfälischer Ministerpräsidenten, der im Jänner zum neuen CDU-Chef gewählt wurde. Nach dem Debakel im Südwesten steht die deutsche Christdemokratie vor unsicheren Zeiten. Sicher ist bisher nur, dass Angela Merkel im Herbst nach 16 Amtsjahren als Deutschlands Kanzlerin aufhören wird. Unklar ist noch, wen die CDU und ihre bayerische Schwesterpartei CSU dann als gemeinsamen Kanzlerkandidaten ins Rennen schicken. Und es ist nach diesem Sonntag ungewisser geworden, ob die Union ohne Merkel ihre langjährige Position als mit Abstand stärkste Kraft in Deutschland wird halten können. Das Rennen um die Merkel-Nachfolge ist offen.

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Koalition ohne CDU in Baden-Württemberg möglich

Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz punkteten beide Amtsinhaber. In Baden-Württemberg verteidigten die Grünen unter Ministerpräsident Kretschmann ihre Spitzenposition. Damit können sie die Koalition mit der CDU fortsetzen. Rechnerisch können die Grünen aber auch eine Ampelkoalition mit SPD und FDP eingehen. Kretschmann kündigte Gespräche mit allen drei Parteien an.

In Rheinland-Pfalz wurde die SPD unter Regierungschefin Dreyer erneut stärkste Kraft. Sie sagte im ZDF, eine Fortsetzung der Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP sei ihre erste Wahl. Die CDU fuhr sechs Monate vor der Bundestagswahl schmerzhafte Verluste ein und stürzte in beiden Ländern jeweils auf das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte ab.

SPD schielt auf Kanzlerschaft

Vor allem SPD und Grüne betonten, dass die Wahlen auch ein Signal Richtung Bundestagswahl seien. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hatte sich am Wahlabend zuversichtlich gezeigt: "Es ist viel möglich", sagte der deutsche Finanzminister in der ARD. "Ich will Kanzler werden." Das Wahlergebnis, "ganz besonders natürlich das in Rheinland-Pfalz, verleiht der Sozialdemokratischen Partei insgesamt Flügel", so Scholz. Die SPD wolle den Aufwind dazu nutzen, den künftigen Bundeskanzler zu stellen. "Es ist möglich, Deutschland zu regieren, ohne dass CDU/CSU an der Regierung beteiligt sind. Diese Botschaft, die sitzt jetzt fest. Jeder hat das genau verstanden, und es ist Bewegung in die Sache reingekommen."

SPD-Chefin Saskia Esken schloss für ihre Partei auch die Rolle einer Juniorpartnerin in einer Ampel auf Bundesebene nicht aus. "Wir schließen hier gar nichts aus", sagte Esken im ARD-Fernsehen. "Ich halte die Ampel für vorstellbar auf Bundesebene", sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil am Montag dem TV-Sender Phoenix.

Ampel-Debatte für FDP und Grüne noch zu früh

Grünen-Co-Chef Robert Habeck und FDP-Generalsekretär Volker Wissing bremsten die Debatte um eine Ampel-Koalition im Bund aus SPD, Grünen und FDP. "Alles ist möglich in diesem Jahr", sagte Habeck. Es sei aber "absurd zu früh", darüber zu diskutieren, ob die Ampel die beste Option für den Bund sei. Dies gelte auch für die Möglichkeit einer Jamaika-Regierung aus Union, Grünen und FDP, sagte FDP-Chef Lindner.

Der deutsche AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen will trotz der Verluste bei den Landtagswahlen an seinem Konfrontationskurs gegenüber der Rechtsaußen-Strömung der Partei festhalten. Auch wenn dadurch in der Partei eine gewisse Unruhe entstanden sei, halte er es für notwendig, an seinem "bürgerlich-freiheitlich-konservativen Kurs" festzuhalten, sagte er am Montag. Hinter diesem Kurs stehe auch die Mehrheit der Partei. Dass er dafür von einigen in der AfD angefeindet werde, "das halte ich aus". (APA, Reuters, dpa)


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