AstraZeneca: Deutschland und Co. setzen Impfungen aus, Österreich impft weiter

Deutschland, Frankreich und Italien setzten am Montag die CoV-Impfung mit dem Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca aus. Österreichs Gesundheitsminister Anschober fordert ein gesamteuropäisches Vorgehen. Inzwischen sprach sich das Impfgremium in Österreich für eine Fortsetzung der Impfungen mit AstraZeneca aus.

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Symbolbild.
© FRED SCHEIBER

Berlin, Wien – Corona-Impfungen mit dem Impfstoff AstraZeneca werden in immer mehr EU-Staaten ausgesetzt. Am Montagnachmittag kündigte die deutsche Regierung an, das Vakzin vorläufig nicht mehr zu verabreichen. Wenig später folgten auch Frankreich und Italien. Deutschland argumentierte, dass nach neuen Meldungen über Thrombosen der Hirnvenen im Zusammenhang mit der Impfung weitere Untersuchungen notwendig sind.

📽️ Video | EU-Länder stoppen AstraZeneca

Impfgremium in Österreich vorläufig für Fortsetzung

Österreich trotzt dem europäischen Trend und wird weiter mit dem umstrittenen Vakzin von AstraZeneca impfen. Eine entsprechende vorläufige Empfehlung sprach am Montagabend das nationale Impfgremium aus. Allerdings wird auch klar gestellt, dass noch Daten fehlten. Daher könne man keine "abschließende Empfehlung" abgeben, heißt es in einer Aussendung des Gremiums, das Montagabend nach dem Impfstopp einiger Staaten tagte.

Die bis jetzt eingelangten Meldungen vermuteter Nebenwirkungen diverser europäischer Länder seien derzeit noch inkomplett und schwer vergleichbar, sodass sich keine zusammenfassende Aussage oder eindeutigen Schlüsse tätigen ließen, schreibt das Gremium. Am Dienstag würden jedoch neue Daten der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA vorgelegt, die als Entscheidungsgrundlage für das weitere Prozedere dienen sollten. Das Impfgremium wird daher am Dienstag wieder debattieren.

Anschober: "EMA muss eine klare Entscheidung treffen"

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Gründe) forderte am Abend eine "raschestmögliche, klare Stellungnahme von den Europäischen Behörden für ein gemeinsames gesamteuropäisches Vorgehen". Es brauche jetzt eine klare Entscheidung und Empfehlung der EMA für die Mitgliedsstaaten.

"Wir haben uns bei den Impfungen auf ein gemeinsames europäisches Vorgehen geeinigt. Nationale Einzelgänge sind in diesem Zusammenhang weder effektiv noch vertrauensbildend", betonte der Gesundheitsminister. "Wenn derart weitreichende Entscheidungen getroffen werden, müssen diese durch fundierte Daten und Fakten eindeutig belegt sein und am Besten durch die dafür zuständige EMA empfohlen werden."

Derzeit gebe es laut Anschober keinen Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Impfstoff von AstraZeneca und den aktuell diskutierten gesundheitlichen Ereignissen, "die auch bei ungeimpften Personen auftreten können".

Italien und Frankreich folgten Deutschland

Nach Deutschland verkündeten auch Frankreich und Italien, ebenfalls mit der AstraZeneca Impfung auszusetzen. Frankreich wolle bis zur Einschätzung der EMA den Impfstoff erstmal nicht mehr einsetzen, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Montag beim französisch-spanischen Gipfel im südwestfranzösischen Montauban. Es handle sich um eine "Vorsichtsmaßnahme".

Auch Italien sprach von "einer Vorsichtsmaßnahme, die gelten soll, bis sich die EMA über die Sicherheit des Impfstoffes aussprechen wird". Der Beschluss wurde am Montag von der italienischen Arzneibehörde AIFA in Rom gefasst.

Nach Berichten über Komplikationen durch Blutgerinnsel nach der Impfung hatten zuvor die Niederlande, Irland, Dänemark, Norwegen und Island den Einsatz vorübergehend ausgesetzt.

Tschechien und Polen setzen die Verabreichung des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca hingegen vorerst nicht aus. "Der positive Nutzen des Impfstoffs ist unleugbar - und es gibt keinen Grund für Befürchtungen", sagte Gesundheitsminister Jan Blatny nach einer Kabinettssitzung am Montag in Prag. Zugleich versicherte er, dass man die jüngsten Vorfälle in anderen Ländern und ihre Untersuchung sehr sorgfältig verfolge.

Die Impf-Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden am Dienstag über den Impfstoff von AstraZeneca beraten. Das Beratergremium habe die Daten zur Sicherheit des Vakzins geprüft und stehe "in engem Kontakt mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA), sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag. Er fügte hinzu, "wir werden uns morgen treffen".

AstraZeneca: "Impfstoff ist sicher"

Das Pharmaunternehmen AstraZeneca wollte in einer Aussendung am Nachmittag vor dem Hintergrund der jüngsten Berichte im Zusammenhang mit thrombotischen Ereignissen deutlich machen, "dass der Covid-19-Impfstoff gemäß eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen sicher ist". "

Die Sicherheit ist von höchster Bedeutung und das Unternehmen überwacht kontinuierlich die Sicherheit seines Impfstoffes", hieß es. (AFP, APA, TT.com)


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