Todesfälle in Italien: Behörden dehnen Ermittlungen zu Impfungen aus

In Süditalien wurde die Sicherstellung der Leiche eines 62-jährigen Polizisten angeordnet, der wenige Stunden nach einer BioNTech/Pfizer-Impfung verstorben ist. Die Justiz ermittelt bereits, ob bei sechs Todesfällen ein Zusammenhang mit AstraZeneca-Immunisierungen bestehen könnte.

  • Artikel
  • Video
  • Diskussion
Italien hat wie mehrere andere EU-Länder vorübergehend die Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin ausgesetzt.
© MIGUEL MEDINA

Rom – In Italien laufen die Ermittlungen um Todesfälle in zeitlicher Nähe zu Corona-Impfungen auf Hochtouren. Die Staatsanwaltschaft der süditalienischen Stadt Lagonegro beschloss die Sicherstellung der Leiche eines 62-jährigen Polizisten, der wenige Stunden nach einer Impfung mit dem BioNTech/Pfizer-Vakzin verstarb. Die Ermittler wollen feststellen, ob ein Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Todesfall besteht, berichteten italienische Medien am Dienstag.

📽 Video | Österreich impft weiter mit AstraZeneca

Die italienische Justiz ermittelt zudem nach mindestens sechs Todesfällen, die mit einer AstraZeneca-Impfung zusammenhängen könnten. Am Montag wurde eine 54-Jährige auf die Intensivstation eines Krankenhauses in Neapel eingeliefert, nachdem sie vergangene Woche mit einer Dosis aus der AstraZeneca-Charge ABV5811 geimpft worden war, die in Italien am Sonntag eingezogen wurde. Die Frau, die vor der Impfung gesund war, schwebt in Lebensgefahr, berichteten italienische Medien. Italien hat wie mehrere andere EU-Länder vorübergehend die Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin ausgesetzt.

Viele Länder stoppten Impfungen mit AstraZeneca

Seit Montag haben unter anderem Deutschland, Frankreich und Italien die Impfungen mit AstraZeneca ausgesetzt, nachdem es Berichte über Fälle von sehr seltenen Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gegeben hatte. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft die Fälle, betonte aber, die Impfungen könnten fortgesetzt werden. In Großbritannien gehen die Impfungen weiter. Weitere Länder mit Impfstopp sind etwa Spanien, Portugal, Irland, Bulgarien, Dänemark, Norwegen und die Niederlande. Der britisch-schwedische Hersteller weist die Bedenken zurück.

Am Dienstag folgten indes weitere Länder: Auch der EU-Inselstaat Zypern sowie Luxemburg setzen vorübergehend die AZ-Impfungen aus.

Die Gewerkschaftsverbände der Carabinieri meldeten eine beträchtliche Zahl von Berichten über schwere Reaktionen nach Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff unter den Sicherheitskräften. Die Gewerkschaften forderten genaue Kontrollen bei der Fortsetzung der Impfkampagne mit dem Vakzin.

E-Bike und 10 x € 300,- Sportgutscheine gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren. Der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Bereits geimpfte Militärangehörige sollten gründlichen medizinischen Kontrollen unterzogen werden, um eventuellen Komplikationen entgegenzuwirken, die auch Tage nach der Immunisierung auftreten könnten, hieß es in einem Schreiben der Carabinieri-Gewerkschaft SIM. Ermittelt wird zum den Tod von mindestens vier Sicherheitskräften nach der Impfung.

Bremse für italienischen Impfplan?

Die italienische Regierung befürchtet, dass die Impfkampagne wegen des Stopps der Immunisierung mit AstraZeneca-Vakzinen stark verlangsamt werden könnte. Dabei hatte die Regierung erst am Samstag ihren neuen Impfplan vorgestellt, der die Verdreifachung der Impfungen von täglich 170.000 auf 500.000 vorsieht.

Zur Beschleunigung der Impfkampagne wurde am Montag in Mailand das erste „Drive Through“ des Verteidigungsministeriums eingeweiht. Es handelt sich um Italiens größtes Impfzentrum, das vom Heer betrieben wird. Im Fünf-Minuten-Takt werden die Personen immunisiert, die im Auto sitzen bleiben können. In neun Stunden wurden so am Montag 2.000 Menschen geimpft. Am Montag wurde landesweit die Schwelle von zwei Millionen Italienern überschritten, die die zweite Impfdosis erhalten haben. (TT.com, APA)


Kommentieren


Schlagworte