Experte für AstraZeneca auch bei Nebenwirkungen, EMA äußert sich ab 16 Uhr

Selbst wenn das AstraZeneca-Vakzin die befürchteten Nebenwirkungen in seltenen Fällen auslösen sollte, spricht die Kosten-Nutzen-Rechnung für den Impfstoff. Das erklärte der Wiener Pharmakologe Markus Zeitlinger am Donnerstagmorgen. Am Nachmittag will die EMA eine neue Einschätzung abgeben.

(Symbolfoto)
© John Cairns / University of Oxford / AFP

Wien – Markus Zeitlinger, Pharmakologe an der MedUni Wien, hat sich am Donnerstag im ORF-Morgenjournal für eine gesamteuropäische Lösung in Sachen AstraZeneca durch die EMA und gegen Einzellösungen der Länder ausgesprochen. Und selbst wenn es die befürchteten Nebenwirkungen geben sollte, sei die Kosten-Nutzen-Rechnung hoch positiv. Allerdings müsste man dann entsprechend aufklären, damit jeder Impfwillige für sich selbst entscheiden könne.

Die nun aufgetretenen Fälle stammen aus Deutschland und man habe nicht alle Einzelheiten hierzulande. Zudem seien in Großbritannien dreimal so viele Menschen mit AstraZeneca geimpft worden, ohne dass diese Thrombosen von Hirnvenen aufgetreten wären. "Man muss sehr aufpassen, dass man hier das gesamte Bild sieht", meinte der Experte. Aus heutiger Sicht ließe sich nicht ausschließen, dass es hier ein Signal gibt – dieses sei aber auch noch nicht bestätigt.

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA will am Donnerstagnachmittag eine neue Empfehlung für die Vorgangsweise mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca abgeben. Um 15 Uhr soll erörtert werden, welche Schritte das für die Risikoeinschätzung zuständige Komitee empfiehlt, nachdem unerwartete mögliche Nebenwirkungen wie Blutgerinnsel nach Verabreichung der Vakzine aufgetreten waren. Um 16 Uhr ist eine Pressekonferenz angesetzt. Erst am Freitag will sich hingegen die WHO erneut zu dem Corona-Impfstoff äußern.

📽️ Video | Fillitz (ORF) über Empfehlung zu AstraZeneca

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Information und Aufklärung statt Impfstopp

Wichtig sei, dass selbst wenn es dieses Signal gibt, sich der enorme Benefit der Impfung nicht in Luft auflösen würde, meint Zeilinger. Dann müsse man die Menschen, die sich impfen lassen, darüber informieren, so wie man das bei allen Nebenwirkungen und bei allen Medikamenten macht, so Zeitlinger. Und dann könne jeder Einzelne entscheiden, ob er sich trotz des Risikos impfen lässt, wobei diese Nebenwirkung, falls es sie gibt, extrem selten ist – weniger als 1:100.000.

Man könne nach den Ausführungen des Pharmakologen nicht bei jedem Signal, das auch bei anderen Impfstoffen als AstraZeneca auftreten könnte, die Verabreichung absetzen. "Wenn man das macht, kippt man das ganze Impfprogramm. Das wäre für ganz Europa eine Katastrophe." Dass es sinnvoll ist, zu impfen, selbst wenn es Nebenwirkungen gäbe, daran gebe es keinen Zweifel. "Wir verhindern damit 70, 80, 90 Prozent der schweren Infektionen."

Auch Zweitstich sollte mit AstraZeneca gesetzt werden

Wer jetzt schon die erste AstraZeneca Impfung bekommen habe, bei denen gehe er davon aus, dass sie auch die zweite Teilimpfung mit diesem Serum bekommen werden. Theoretisch sei auch ein anderer Impfstoff möglich, aber dazu gebe es keine Studien. Zudem habe man noch in Österreich einige Zeit bis dahin.

Man müsse abwarten, was die EMA heute entscheiden werde. Es könne sein, dass die Fachinformation in die Impfung mit AstraZeneca, eventuell auch in alle anderen, aufgenommen werde. Angesichts des hohen Kosten-Nutzens werde aber wohl weitergeimpft werden.

Wie es in Österreich im Sommer weitergeht, da müsse man sich hüten, "zu prophetisch" zu sein. Man sei zu Beginn der dritten Welle, im letzten Frühjahr habe man relativ lange Ruhe gehabt. Zeitlinger kann sich vorstellen, dass dies durch Disziplin und die Impfungen auch heuer gelingt. Großes Fragezeichen seien aber die Mutationen – er selbst plane seinen Sommerurlaub jedenfalls in Österreich. (APA)


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