Lockern oder verschärfen? Regierung berät am Montag zur Corona-Lage

Am Montag will sich die Bundesregierung wieder mit Experten und Landeshauptleuten über die Corona-Lage und mögliche Maßnahmen oder Öffnungsschritte beraten. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner warnt unterdessen vor weiteren Lockerungen und plädiert sogar für Verschärfungen.

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Die Bundesregierung lässt sich noch nicht in die Karten schauen, wie man weiter vorgeht.
© Tatic

Wien ‒ Am Montag wird im Bundeskanzleramt wieder umfassend zur aktuellen Corona-Situation beraten. Die Bundesregierung bespricht sich wie üblich mit Experten, Opposition und Landeshauptleuten. Bis dahin will man die Zahlen noch genau beobachten.

Zu weiteren Öffnungen meinte Kanzler Sebastian Kurz am Rande seiner Berlin-Reise gegenüber der TT: "Eines ist schon klar: Es wird weiterhin ein regional abgestimmtes Vorgehen sein. Die Ansteckungszahlen im Osten sind viermal so hoch wie im Westen."

Während SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner vehement vor weiteren Lockerungen warnt, und sogar für Verschärfungen plädiert und auch die Schulen nicht mehr ausnimmt, sind die NEOS für Öffnungen.

Die Ampel-Kommission trat zuletzt für weitere Restriktionen ein, wenn sich die Zahl der Corona-Infektionen weiter "unkontrolliert" erhöht. Allerdings wurde in einer Stellungnahme am Donnerstagabend nach der wöchentlichen Sitzung eben auch auf die Option regionaler Maßnahmen hingewiesen.

Am Montag wird sich die Regierung jedenfalls zunächst mit Experten austauschen, um 11.30 Uhr wird dann die Opposition per Videokonferenz dazugeschaltet. Um 13.00 Uhr sollen die Beratungen mit den Landeshauptleuten starten, die persönlich nach Wien ins Kanzleramt kommen. Danach dürfte es wohl eine Pressekonferenz geben.

Anschober: "Sind in der dritten Welle"

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat am Freitag auf steigende Zahlen bei Corona-Infektionen, Hospitalisierungen und Todesfällen hingewiesen. "Ja, ganz Europa ist mittlerweile in der dritten Welle, auch wir", sagte er in einer Pressekonferenz: "In manchen Regionen haben wir eine Situation, die ich wirklich als bedenklich erachte, was die Situation auf intensivmedizinischen Abteilungen betrifft." Man müsse alles tun, um "harte Triagen" in Österreich zu vermeiden.

📽️ Video | Anschober über Corona-Situation

Die Zahl jener, die sich aufgrund einer Corona-Infektion in intensivmedizinischer Behandlung befinden, sei in den vergangenen 24 Stunden um elf auf 397 Personen gestiegen, ein Plus von 14 Prozent gegenüber der Vorwoche. Die Auslastung sei je nach Region sehr unterschiedlich, hauptbetroffen seien Wien und Niederösterreich. Wenn dieser Trend weitergehe, so Anschober, sei man nicht mehr von der Situation im vergangenen Herbst entfernt.

Generell erfülle ihn die Entwicklung bei den Infektionszahlen (jüngster Tageswert: 3.515) mit Sorge. "Es ist kein exponentieller Anstieg, aber ein linearer, der sehr konstant ansteigt", sagte der Gesundheitsminister. Es wäre eine "durchaus alarmierende Situation", wenn sich diese Zahlen so fortsetzten.

Was all das für die weiteren Coronamaßnahmen in Österreich bedeutet, wollte der Gesundheitsminister vor den Beratungen der Bundesregierung am Montag mit Experten, Landeshauptleuten und der Opposition nicht sagen.

NEOS für Lockerungen

Die Opposition ist sich jedenfalls nicht einig: Die NEOS sprechen sich trotz der steigenden Infektionszahlen für weitere Öffnungen und für ein unbedingtes Offenhalten der Schulen aus. "Wir glauben, dass es wichtig ist, die Schulen offen zu halten", sagte Gesundheitssprecher Gerald Loacker bei einer Pressekonferenz in Wien.

Eine Öffnung von Schanigärten und Kulturbetrieben könnte seiner Meinung nach sogar einen positiven Effekt haben, weil sich mehr Menschen testen lassen würden. Wenn man frisch getestet mit Maske ins Kino oder Theater gehe, sei das Risiko moderat. Auch an den Unis solle mehr geöffnet werden, meinen die NEOS. Von einer Verlängerung der Osterferien, wie sie gerade diskutiert wird, halten sie dagegen nichts.

Rendi-Wagner warnt vor Kollaps der Intensivstationen

Mahnend meldete sich dagegen einmal mehr SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner zu Wort: Das große Ziel müsse sein, einen Kollaps der Intensivstationen zu verhindern. Dazu brauche es unter anderem wieder mehr Homeoffice, aber auch die Rücknahme der verfrühten Lockerungen von Anfang Februar, als Geschäfte und Friseure wieder geöffnet wurden.

Die Schulen nimmt Rendi-Wagner auch nicht mehr aus: Die Gesundheitsexpertin verwies im Ö1-"Morgenjournal" auf neue Mutationen und einen besorgniserregenden Aufwärtstrend bei den Infektionen. Wenn die Zahlen weiter so steigen, werde man in zwei bis drei Wochen an einem kritischen Punkt auf den Intensivstationen sein, da müsse man rechtzeitig gegensteuern, "und da kann man wahrscheinlich nichts ausschließen, auch nicht eine Verlängerung der Osterferien". Die Schule müsse aber "das letzte Mittel" sein.

Experte gegen weitere Öffnungsschritte

Viele Experten hatten zuletzt vor weiteren Öffnungen gewarnt. "Ich halte die Chance auf einen weiteren harten Lockdown für größer als die Chance, ohne Verschärfungen durchzukommen", meinte etwa Epidemiologe Gerald Gartlehner in der "Presse" (Freitagausgabe). "Dafür ist die Sieben-Tage-Inzidenz mit derzeit 210 einfach zu hoch. Außerdem ist die britische Variante bereits in ganz Österreich sehr stark verbreitet", argumentierte er.

Gartlehner hält es "derzeit für zu riskant, trotz fortschreitender Impfungen der Hochrisikogruppen weitere Öffnungsschritte zu setzen". (TT.com, APA)


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