Wahnsinn! WSG Tirol zieht nach Krimi in die Meistergruppe ein

Die WSG Tirol schafft nach einem 1:1 gegen Rapid den Einzug in die Bundesliga-Meistergruppe, da Konkurrent Hartberg in der Nachspielzeit gegen St. Pölten den 3:3-Ausgleich kassierte.

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Ausgelassener Jubel bei den WSG-Kicker nach dem Spiel und der erlösenden Nachricht aus Hartberg.
© GEPA pictures/ Patrick Steiner

Innsbruck - Die WSG Tirol hat den Einzug in die Meistergruppe der Fußball-Bundesliga in einem dramatischen Finish geschafft. Der Truppe von Coach Thomas Silberberger reichte am Sonntag im Heimspiel der 22. Runde ein 1:1-Remis gegen den Zweiten Rapid, da der Siebente TSV Hartberg im Parallelspiel gegen SKN St. Pölten in der Nachspielzeit noch den 3:3-Ausgleich kassierte. Damit blieben die Tiroler am Ende des Grunddurchganges einen Punkt vor den Steirern Sechster.

Die auswärts nun vier Partien sieglosen Hütteldorfer liegen sieben Zähler hinter Leader und Titelverteidiger Red Bull Salzburg zurück. Dass der Abstand vor der Punkteteilung größer wurde, lag daran, dass Topstürmer Ercan Kara in der 94. Minute mit einem Elfmeter an WSG-Tormann Ferdinand Oswald scheiterte. Zuvor hatte "Joker" Tobias Anselm (84.) die Rapid-Führung von Kelvin Arase (74.) ausgeglichen.

Die Tiroler zitterten nach Schlusspfiff noch, da in Hartberg noch gespielt wurde, und feierten danach ausgiebig auf dem Platz. Allen Grund dazu hatte man, hat man doch schon jetzt das Saisonziel Klassenerhalt in der Tasche.

Die Tiroler verzichteten im "ultimativen Endspiel" angesichts der besseren Ausgangslage als Hartberg verständlich auf totale Offensive, wären beinahe in der 17. Minute mit der ersten gefährlichen Möglichkeit aber trotzdem in Führung gegangen. Ein Weitschuss des Ex-Rapidlers Thanos Petsos streifte beinahe die Stange (17.), Richard Strebinger wäre wohl geschlagen gewesen. Einen Abschluss von Nikolai Baden Frederiksen konnte Abwehrspieler Mateo Barac gerade noch blocken (27.).

Danach übernahmen aber die Gäste klar das Kommando und stellten die Gäste-Abwehr immer wieder vor Probleme. Ein Fountas-Abschluss fiel zu schwach aus, Elfmeterreklamationen wegen einem vermeintlichen Handspiel von Rafael Behounek blieben von Schiedsrichter Dieter Muckenhammer ungehört (33.). Zwei Minuten später wehrte Oswald einen Fountas-Schuss ab, den Nachschuss setzte Maximilian Ullmann vom Fünfer stümperhaft neben das Gehäuse. In der 39. Minute zog Thorsten Schick ab, diesmal rettete Abwehrspieler David Gugganig knapp vor der Linie.

Diese Charakteristik setzte sich auch nach Wiederbeginn fort, Rapid kontrollierte klar das Geschehen und drängte auf den ersten Treffer. Ein Ljubicic-Schuss wurde zur Ecke abgewehrt (56.), bei einer Doppelchance von Fountas und Marcel Ritzmaier reagierte Oswald zweimal glänzend (59.). In der 74. Minute war der Bann dann gebrochen. Nach einem Petsos-Fehler traf Arase vom Sechzehner ins Eck, nachdem dieser die Aktion selbst eingeleitet hatte.

Oswald hält Elfmeter in der Nachspielzeit

Die WSG war zu dem Zeitpunkt trotzdem noch im Fernduell mit Hartberg vorne, was sich kurz darauf durch den TSV-Führungstreffer in der Steiermark änderte. Die Tiroler standen plötzlich mit dem Rücken zur Wand, waren zum Siegen gezwungen und nahmen daher volles Risiko. Kurze Zeit später stach mit Anselm gleich ein "Joker", vollendete nach Celic-Idealzuspiel. In der Nachspielzeit brachte Bruno Soares Rapids Kara im Strafraum zu Fall, der Angreifer scheiterte allerdings zuerst an Oswald und setzte den Nachschuss deutlich über das Gehäuse.

📊 Ergebnisse 22. Runde Fußball-Bundesliga:

Aufgrund des Ausgleichs im Parallelspiel jubelten die Tiroler daraufhin nicht nur über den Punktgewinn und die Tatsache, dass man gegen Rapid wie auch schon in Wien (3:0) ungeschlagen blieb. (TT.com)

Reaktionen

Thomas Silberberger (WSG-Tirol-Trainer): "Wir haben ab der 76. Minute gewusst, dass wir weg sind und einen Sieg brauchen. Wir haben dann einen glücklichen Punkt gemacht. Das ist eh Nebensache, Rapid war stärker als wir, aber am Ende des Tages ist es scheißegal. Man hat auch meiner Mannschaft angesehen, dass sie trotzdem Druck verspürt hat, dass die Spieler nicht so befreit gespielt haben und ein bisschen Nervenflattern gehabt haben. Man muss aber auch sagen, dass Rapid ganz klar die Nummer zwei in Österreich ist, ein Topgegner. Dass es am Ende so ausgeht, ist ein Wahnsinn. Kofi Schulz ist mein All-Time-Hero, den brauch ich im Sommer unbedingt auf meiner Seite. Man muss auch einmal Glück haben, wir haben bis zur letzten Sekunde gekämpft und sind belohnt worden."

Dietmar Kühbauer (Rapid-Trainer): "Wenn du so viele Möglichkeiten vorfindest, da rede ich gar nicht mehr von Hunderter, das waren ja schon Hunderter und die Potenz dazu. Wir haben es geschafft, dass wir einen Gegner am Leben lassen. Das müssen wir uns selber anheften, das ärgert mich maßlos, weil uns einfach die drei Punkte gutgetan hätten. Die Spieler hätten sich die auch verdient gehabt, weil sie ein gutes Spiel gemacht haben, aber im Fußball geht es darum, dass du zumindest ein Tor mehr als der Gegner machst. Der 'Silbi' wird sich freuen, ich bin wirklich sauer, weniger wegen der Leistung, aber die Tore sind halt auch entscheidend. Wir hätten schon vor dem Elfmeter mit drei oder vier Toren führen müssen, es hat dann ins Spiel reingepasst, dass wir noch einen Elfmeter plus Nachschuss vergeben."

Stefan Köck (WSG-Tirol-Sportdirektor): "Hitchcock hätte den Thriller nicht besser schreiben können. Wir waren bis zur 75. Minute dabei, was nicht an unserem Spiel lag - das war heute sicher nicht das beste. Wir waren 75 Minuten lang dabei, weil der Spielstand in Hartberg gegen St. Pölten so war. Mit dem 3:2 von Hartberg waren wir gefühlt draußen, machen dann selbst das 1:1. Am Ende des Tages war's nur mehr brutal. Ich glaube, ich bin um ein paar Jahre gealtert. Wenn es am Ende aber so ausgeht, nimmt man das gerne in Kauf. Aber ich glaube, dass es über die 22 Runden betrachtet verdient ist."

⚽⏱ Ticker-Nachlese WSG Tirol - Rapid Wien:


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