Sorge steigt: Suezkanal-Blockade trifft auch Pharma-Lieferketten

Mit dem Suezkanal ist seit Mittwoch eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen verstopft. Es herrscht die Sorge, dass die Blockade noch wochenlang andauern könnte. Kairo versucht diese Ängste nun zu zerstreuen. Spätestens in drei Tagen hätten hunderte wartende Frachter wieder freie Fahrt.

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Seit Mittwoch blockiert der Frachter die wichtige Seestraße.
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Kairo – Die Blockade des Suez-Kanals durch ein festgefahrenes Containerschiff dauert nach Angaben eines Vertreters der ägyptischen Regierung entgegen anderer Einschätzungen höchstens noch drei Tage. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete allerdings am Freitag unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen, dass die Arbeiten etwa eine Woche, möglicherweise auch länger dauern könnten.

Die Schifffahrt auf dem Kanal zwischen Rotem Meer und Mittelmeer werde „binnen 48 bis 72 Stunden höchstens wieder aufgenommen“ werden, hatte der Berater von Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi für Seehäfen, Mohab Mamisch, am Donnerstagabend der Nachrichtenagentur AFP gesagt. Als ehemaliger Chef der Behörde für den Suez-Kanal habe er bereits mehrere Bergungsaktionen miterlebt, führte Mamisch aus. „Ich kenne jeden Zentimeter des Kanals.“

Engpässe bei wichtigen Pharma-Vorprodukten

Die Blockade des Suezkanals trifft auch die Chemie- und Pharmabranche. „In der Chemieindustrie und bei ihren industriellen Kunden sind momentan die Lieferketten aus Asien unterbrochen“, sagte Henrik Meincke, Chefvolkswirt des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), am Freitag in Frankfurt. Dadurch komme es zu Engpässen bei wichtigen Vorprodukten.

„Auch die Chemienachfrage in Europa wird negativ beeinflusst. Sollte es am Wochenende nicht gelingen den Suezkanal wieder frei zu bekommen, wird sich die Lage deutlich verschlechtern“, sagte Meincke.

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Rund 16 Prozent der deutschen Chemieimporte kommen laut VCI per Schiff durch die Wasserstraße. Die Störung komme zu einem schlechten Zeitpunkt, da die Kapazitätsauslastung der Branche aktuell hoch sei. Entsprechend stark sei der Bedarf an Lieferungen aus Asien. Wegen der Coronapandemie seien Lieferketten ohnehin unter Druck.

Die „MV Ever Given“ hat einen gewaltigen Stau verursacht.
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Die 400 Meter lange und 59 Meter breite „MV Ever Given“ war am Mittwoch im Suez-Kanal auf Grund gelaufen. Seitdem blockiert das riesige Containerschiff in Diagonalstellung den Kanal vollständig, auf beiden Seiten des Kanals stauen sich Schiffe.

Der Eigentümer, die japanische Leasingfirma Shoei Kisen Kaisha, hatte vor Mamischs Äußerungen mitgeteilt, es sei „extrem schwierig“, die „Ever Given“ wieder flott zu bekommen. Die Kanalverwaltung entsandte mehrere Schlepper, auch ein Team der niederländischen Spezialfirma Smit Salvage machte sich auf den Weg. Der Chef der Mutterfirma Boskalis, Peter Berdowski, sagte dem niederländischen Sender Nieuwsuur, das Containerschiff wieder in Bewegung zu setzen, könne „Tage oder Wochen dauern“.

Wichtige Abkürzung für den Handel

Der 1869 eröffnete Suez-Kanal verkürzt die Handelsverbindung zwischen Asien und Europa. Die Strecke von Singapur nach Rotterdam verringert sich durch den Kanal um 6000 Kilometer gegenüber der Fahrt um das Kap der Guten Hoffnung an der südlichen Spitze Afrikas.

Die Blockade des Suez-Kanals ließ den Ölpreis am Freitag weiter ansteigen. Laut Bundesverband der Deutschen Industrie sind bereits internationale Logistik-Turbulenzen zu spüren. Zentrale Lieferketten drohen demnach aufgrund mangelnder Container, unpünktlicher Schiffe und fehlender Transportkapazität ins Stocken zu geraten. Die Reederei-Riesen Maersk und Hapag-Lloyd teilten mit, sie prüften nun den Umweg ihrer Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung.

Ägypten erzielte aus den Durchfahrtsrechten durch den Suez-Kanal im vergangenen Jahr einen Erlös von umgerechnet 4,2 Milliarden Euro. 2020 passierten fast 19.000 Schiffe die Wasserstraße. (APA/AFP/dpa-AFX)


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