Suezkanal-Blockade: Ägypten lässt Entladung von Fracht vorbereiten

Bei den Arbeiten im Suezkanal werden nun weitergehende Maßnahmen zur Bergung des eingekeilten Containerschiffs ins Auge befasst. Präsident Abdel Fattah al-Sissi hat angeordnet, mit den Vorbereitungen zur Entladung von Containern zu beginnen.

Das Schiff "Ever Given" lief im Suezkanal auf Grund.
© AFP

Kairo – Die erhoffte Freilegung des Containerschiffs "Ever Given" im Suezkanal schreitet in kleinen Schritten voran. Das Seefahrt- und Logistikunternehmen GAC sprach von mehr als zehn Schleppern und drei Baggern, die im Einsatz seien, um eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt wieder für den Handel freizugeben. Es gebe "leichte Bewegung". Der Frachter liege aber weiter auf Grund.

Bei den Arbeiten im Suezkanal werden nun weitergehende Maßnahmen zur Bergung des eingekeilten Containerschiffs ins Auge befasst. Präsident Abdel Fattah al-Sissi habe angeordnet, mit den Vorbereitungen zur Entladung von Containern zu beginnen, sagte der Chef der Suez Canal Authority (SCA), Osama Rabie, am Sonntag dem Sender Extra News. Die Bergungsexperten hatten ursprünglich gehofft, die 400 Meter lange "Ever Given" ohne den zeitraubenden Schritt wieder flott zu bekommen.

Zunächst sollte an Ort und Stelle zwölf Stunden lang gegraben werden, um das quer liegende Schiff zu befreien. Dann sollten zwölf Stunden lang die Schlepper zum Einsatz kommen, sagte Rabie. Inzwischen würden 14 Schlepper eingesetzt. Einer SCA-Erklärung zufolge wurden inzwischen 27.000 Kubikmeter Sand bewegt bei dem Versuch, das Schiff wieder frei zu bekommen.

Die "Ever Given" mit 18.300 Containern an Bord blockiert seit Dienstag den Suezkanal, eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Stand Samstag stauten sich mehr als 320 Schiffe an beiden Enden des Kanals. Das Unglück hat weltweit Lieferketten durcheinandergebracht. Die Schifffahrt auf dem Kanal war eingestellt worden, nachdem das etwa 400 Meter lange Containerschiff am Dienstag auf Grund gelaufen war. Dadurch hat sich ein langer Stau gebildet. Rund 320 Schiffe warten der Behörde zufolge an beiden Eingängen zum Kanal auf Durchfahrt, die dänische Reederei Maersk spricht von einem "Verkehrschaos". Das Schiff "Ever Given" der taiwanischen Reederei Evergreen fährt unter der Flagge Panamas.

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Einen Zeitrahmen für die Freilegung nannte Admiral Usama Rabi, Vorsitzender der Kanalbehörde, am Samstag nicht. Bei der Unglücksursache seien sowohl ein technisches Problem als auch menschliches Versagen nicht auszuschließen. Ägyptens Ministerpräsident Mustafa Madbuli sprach von einem außergewöhnlichen Vorfall.

Bei den Manövern der Schlepper zur Freilegung spielten mehrere Faktoren eine Rolle, vor allem die Windrichtung sowie Ebbe und Flut, sagte Rabi. Es handle sich um einen "komplizierten technischen Einsatz". Die USA und weitere Länder hatten Ägypten Hilfe angeboten. Dem Fernsehsender CNN zufolge wollte die US-Marine am Samstag ein Expertenteam zum Kanal schicken, um die Lage zu prüfen.

2020 fast 19.000 Schiffe durch den Kanal

Der Suezkanal verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und bietet dadurch den kürzesten Schifffahrtsweg zwischen Asien und Europa. 2020 durchfuhren fast 19.000 Schiffe den Kanal, im Schnitt gut 50 am Tag. Der Allianz-Versicherung zufolge wurden im Jahr 2019 etwa 13 Prozent des gesamten Welthandelsvolumens durch den Kanal befördert.

Mit mehreren Erweiterungen sollte der Kanal für immer größer werdende Frachter und Container-Riesen attraktiv bleiben. 2015 hatte Präsident Abdel Fattah al-Sisi den erneut erweiterten Kanal eröffnet in der Hoffnung auf wachsende Einnahmen und internationales Prestige. Es wäre ein schwerer Image-Schaden für Ägypten und den Kanal, wenn die Freilegung der "Ever Given" noch Tage oder gar Wochen dauern sollte.

Einige Länder haben bereits begonnen, erste Schiffe auf den Umweg um das Kap der Guten Hoffnung zu schicken. Dadurch verlängern sich die Fahrten laut der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd um rund eine Woche. Zugleich gelten die Gewässer vor der Küste Westafrikas, insbesondere im Golf von Guinea, als besonders gefährlich wegen möglicher Überfälle von Piraten. (APA/dpa)


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