Wirbel um Chat-Protokolle: Schmid und Blümel für NEOS untragbar

Die NEOS forderten am Montag den Rücktritt von ÖBAG-Chef Thomas Schmid und Finanzminister Gernot Blümel. Gegen Bundeskanzler Sebastian Kurz stellten sie Anzeige wegen Falschaussage.

NEOS-Abgeordnete Stephanie Krisper.
© GEORG HOCHMUTH

Wien – Die NEOS sehen Postenschacher in der staatlichen Beteiligungsgesellschaft ÖBAG nach dem Auftauchen von Chat-Protokollen belegt. Sowohl deren Chef Thomas Schmid als auch Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) seien rücktrittsreif, konstatierten Parteichefin Beate Meinl-Reisinger sowie die pinken Vertreter im Ibiza-Untersuchungsausschuss am Montag in einer Pressekonferenz. Stephanie Krisper kündigte eine Anzeige gegen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wegen Falschaussage an.

"Wir haben nichts Geringeres gesehen als ein Sittenbild eines korrupten Systems von Macht und Günstlingswirtschaft", interpretierte Meinl-Reisinger den Inhalt der am Wochenende veröffentlichten Chat-Protokolle. Diese bestätigten "alles, was wir vermutet haben". Nun sei auch klar, warum die ÖVP, aber auch die Grünen den ÖBAG-Teil aus dem Untersuchungsausschuss "raus haben" wollten. Für die NEOS-Chefin ist es untragbar, dass Schmid weiter im Amt bleibt.

Für NEOS-Fraktionsführerin Krisper ist nun klar, dass sowohl Blümel als Eigentümervertreter, als auch Kanzler Kurz im Untersuchungsausschuss gelogen hätten. Dies sei ein Strafdelikt, weswegen die Oppositionspartei nun auch eine Sachverhaltsdarstellung gegen den Regierungschef wegen Falschaussage einbringt. Auch Krispers Kollege im Ausschuss, Helmut Brandstätter, sieht seine Schlüsse aus den Befragungen bestätigt. NEOS-Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn fragt sich: "Warum hält sich der Herr Schmid so lange? Was weiß er?"

📽️ Video | WKStA-Bericht beschreibt ÖBAG-Vorstandsbestellung

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Aufsichtsrat evaluiert Ermittlungen laufend

Der Aufsichtsrat der ÖBAG selbst sieht sich von den Verdachtsmomenten gegen Schmid nicht betroffen. Man sei als Unternehmen weder Partei, noch Beschuldigter des laufenden Ermittlungsverfahrens, hieß es in einer Aussendung und weiter: "Aufgrund der Tatsache, dass der Vorstand der ÖBAG als Beschuldigter geführt wird, evaluiert der Aufsichtsrat der ÖBAG laufend den Fortgang der Ermittlungen unter Einbindung externer Rechtsanwälte. Es gibt keine neuen strafrechtlichen Verdachtsmomente und Ermittlungen gegen Thomas Schmid."

Auch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) gestehe in einem Amtsvermerk zu, dass es keine Verquickung zwischen der Bestellung von Schmid in der ÖBAG und Bestellungen in der CASAG gebe, hieß es weiter in der Stellungnahme. "Daher ist aktuell auch kein wie immer gearteter Handlungsbedarf für den Aufsichtsrat der ÖBAG gegeben." Selbstverständlich werde der Fortgang der Ermittlungen aber "weiterhin genau beobachtet und rechtlich gewürdigt".

Auch FPÖ drängt Blümel zum Rücktritt

Blümel müsse endgültig als Finanzminister und Wiener ÖVP-Parteiobmann zurücktreten, forderte auch Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp in einer Aussendung. "Diese türkisen Sümpfe müssen jetzt schleunigst trockengelegt werden." SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek kritisierte wiederum Sexismus in den Chat-Protokollen. "Hier wird die Verachtung von Frauen im engsten Umfeld der ÖVP entlarvt", meinte sie in einer Aussendung.

Weitere Chat-Protokolle, die nach Auftauchen der Vorwürfe gegen die ÖVP in Umlauf gebracht wurden, sollen auch Kontakte Schmids zur SPÖ illustrieren - konkret zu ÖGB-Chef Wolfgang Katzian. Dabei ging es allerdings vor allem um die Entsendung von Arbeitnehmervertretern in den Aufsichtsrat. Katzian war Chefverhandler der SPÖ für die Reform der Staatsholding, die Entsendung von Betriebsräten in den Aufsichtsrat war eine Bedingung der SPÖ für die Zustimmung zur Reform im Nationalrat.

Gegen Schmids Beförderung zum ÖBAG-Chef hatte Katzian damals aber offenbar nichts einzuwenden: "Jetzt next Step – deine Bestellung", schrieb er nach dem Beschluss an den Finanzministeriums-Verhandler. Auf die Katzians Nachrichten angesprochen meinte Meinl-Reisinger, sollte dieser bei der Bestellung Schmids mitgewirkt haben, dann sei dies "genauso verwerflich". (APA)

Stichwort ÖBAG

Die Österreichische Beteiligungs AG, kurz ÖBAG, verwaltet die Anteile des Staates an wichtigen börsenotierten Firmen wie OMV, Telekom Austria, Post und Verbund. Die ÖBAG managt somit über 26 Mrd. Euro Staatsvermögen, das sind fast 3.000 Euro pro Einwohner. Auch die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) gehört zur ÖBAG, die früher ÖIAG und ÖBIB hieß. Insgesamt ist Alleinvorstand Thomas Schmid damit Herr über elf Unternehmen.

Eines der wertvollsten Assets der ÖBAG ist die OMV, die derzeit eine Marktkapitalisierung von rund 14,2 Mrd. Euro hat. Der Staatsanteil von 31,50 Prozent, den die ÖBAG verwaltet, ist damit mehr als 4,4 Mrd. Euro wert. Schmid ist in der OMV Vize-Aufsichsratspräsident. Beim Verbund mit einer Marktkapitalisierung von 10,5 Mrd. Euro ist Schmid Chef des Aufsichtsrates.

Die ÖBAG hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Nach dem Schlamassel rund um den Einstieg von Carlos Slims America Movil bei der Telekom Austria wurde die ÖIAG zur ÖBIB umgebaut und der sich bis dahin selbst erneuernde Aufsichtsrat abgeschafft. 2019 wurde aus der ÖBIB GmbH dann wieder eine AG, die ÖBAG - oder wie Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) in einer WhatsApp-Nachricht schrieb, die "Schmid AG".


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